Neue Gäste eröffen die Saison
Am Freitag, den 25. Mai 2007 eröffnet Weißfrauen Diakoniekirche (Weser- Ecke Gutleutstraße) um 20 Uhr die Saison mit neuen Arbeiten im Innenraum und im Turm der Kirche.
Drei Wochen hat der Frankfurter Maler Ulrich Becker sein Atelier in die Weißfrauen Diakoniekirche verlegt und an einem Wandbild in der Größe von 25 x 10 Metern gearbeitet. Mit diesem großen Wandbild aktualisiert Ulrich Becker die Formen- und Farbmuster der 1956 von Architekt Neumann erbauten Weißfrauenkirche.
Im zur Zeit sehr baufälligen Betonturm der Weißfrauenkirche hat die Künstlergruppe finger den ersten Bienenstand ihrer Stadtimkerei eingerichtet. Gemeinsam mit ihren 500000 fleißigen „MitarbeiterInnen“ erforscht die Künstlergruppe finger (Florian Haas und Andreas Wolf) die Unterschiede und Gemeinsamkeiten kultureller, künstlerischer und wirtschaftlich ausgerichteter Arbeitsweisen.
Knoten an Knoten an Knoten
Seidenstück von Jens Risch in Weißfrauen Diakoniekirche
Am Mittwoch, den 5. September 2007 zeigt ab 19 Uhr der in Berlin lebende Künstler Jens Risch seine beiden Arbeiten „Seidenstück I“ und „Seidenstück II (Erster Teil)“ in der Weißfrauen Diakoniekirche, Weser- Ecke Gutleutstraße. 4 Jahre lang hat Jens Risch, der Meisterschüler bei Prof. Thomas Bayrle an der Städelschule war, an einem 1000 Meter langen Seidenfaden geknotet. Knoten an Knoten an Knoten. So lange, bis kein weiterer Knoten mehr zu machen war. Entstanden ist in dieser Zeit ein Kondensat von Energie, ein kraftvoller und kritischer Kommentar zu Themen wie Arbeit, Geschwindigkeit, Kunstproduktion. Eine Koralle, ein Gehirn, ein Tagebuch, eine organisch gewachsene Skulptur. In der Präsentation von Jens Risch in der Diakoniekirche sind auch die einzelnen vier Arbeitsstufen zu sehen, die zu dem Seidenstück mit ca. 8 cm Durchmesser geführt haben.
Diese Arbeiten von Jens Risch passen nach Meinung von Gerald Hintze, Kurator an Weißfrauen Diakoniekirche, in die gegenwärtigen Fragestellungen nach dem Sinn von Arbeit in unserer Gesellschaft. Fast vier Jahre hat Jens Risch mit einem 5 Stunden-Arbeitstag sich in ein selbstbeauftragtes Projekt begeben: Keine große Geste ist mit dieser künstlerischen Arbeit entstanden, sondern ein berührendes Dokument von Lebens-Arbeits-Zeit (siehe Foto von Jörg Baumann im Anhang).
Am 5. September wird um 19 Uhr in der Weißfrauen Diakoniekirche der ehemalige Lehrer von Jens Risch, Prof. Thomas Bayrle, in die Arbeit am Seidenstück einführen. Das kleinteilige Seidenstück von Jens Risch steht nun dem Großen Wandbild von Ulrich Becker gegenüber und verhält sich zu den fleißigen Bienen der Stadtimkerei von Florian Haas und Andreas Wolf im Turm der Diakoniekirche. Alle Arbeiten sind noch bis 19. Oktober jeden Dienstag und Donnerstag von 13 bis 17 Uhr in der Weißfrauen Diakoniekirche zu sehen.
Weitere Informationen über die Arbeit von Jens Risch unter: www.jensrisch.de
Fotos: Jörg Baumannzum Beitrag von Wolfgang Nethöfel: Das erste Nano-Arbeit-Objekt
Taizé Gebet
Sonntag, 30.12.2007 18:00 Uhr
Ökumenisch und international
Gottesdienst mit meditativen Gesängen
Hirtenfeuer im Bahnhofsviertel
Lange Nacht am Heiligen Abend 2007
Montag, 24.12.2007 ab 18:00 Uhr
18:00 Die Kirchentür wird geöffnet
18:45 Das Friedenslicht von Bethlehem zieht in die Kirche ein
19:00 Diakoniegottesdienst mit Pfarrer Dr. Michael Frase,
St. Petersburger Bläserquartett Barokko
21:00 Nachtmahl
22:30 Nachtmusik: Starke Stücke von der Straße
00:00 Nachtgebet
01:00 Nachtfilm
02:00 Nachttee und Raum für Ruhe
07:00 Morgengebet
08:00 Weihnachtsfrühstück
10:00 Die Kirchentür wird geschlossen
Gastfreundschaft im Gegenraum. Gegen 6 Uhr am Abend ist es selbst hier im Bahnhofsviertel still und dunkel. Die hektischen Herumrenner aus der Drogen- und Bankenszene sind auch nicht mehr da. Der Verkehr aus dem Theatertunnel ist weniger geworden.
20 Frauen und Männer
warten vor der Kirchentür. Einige haben ihren Schlafsack wie immer dabei. Die Leuchtschrift MENSCH auch an diesem Abend. Mirek Macke, der junge polnische Künstler hatte die Leuchtbuchstaben vom Kaufhaus M.SCHNEIDER gerettet. Neu sortiert
stehen die Leuchtbuchstaben vom Kaufhaus auf der Zeil bereits seit drei Jahren hier im Bahnhofsviertel. MENSCH, in dieser Nacht ganz besonders. „Wir leben, wir sterben und wir lieben nicht auf einem rechteckigen Blatt Papier. Wir leben,
wir sterben und wir lieben in einem gegliederten, vielfach unterteilten Raum mit hellen und dunklen Bereichen, mit unterschiedlichen Ebenen. Unter all diesen verschiedenen Orten gibt es nun solche, die vollkommen anders sind als die übrigen. Orte,
die sich allen anderen widersetzen und sie in gewisser Weise sogar auslöschen, ersetzen, neutralisieren oder reinigen sollen. Es sind gleichsam Gegenräume. Das heißt, die Orte, welche die Gesellschaft an ihren Rändern unterhält,
sind für Menschen gedacht, die sich im Hinblick auf den Durchschnitt oder die geforderte Norm abweichend verhalten.“ Diese Art von Gegenräumen an den Rändern unserer Gesellschaft werden von Michel Foucault als Heterotopien beschrieben.
Nicht nur in dieser Nacht macht der Gedanke eines Gegenraumes hier an dieser Ecke mitten im Frankfurter Bahnhofsviertel Sinn. MENSCH markiert den gemeinsamen Ort von WESER5 Diakoniezentrum und Weißfrauen Diakoniekirche. Ein Gegenraum im Umfeld
von Globalbanking und kosmopolitischer Stadtentwicklung, in dem die neuerdings wieder geforderte „Freiheit für barmherziges Handeln“ eindrücklich erprobt werden kann. Noch ist der Kircheraum dunkel. Nur an der Seite drei Lampen.
Die ersten 20 von draußen sitzen nun jede und jeder für sich. Lassen den Stress von der Straße langsam los. Ein Alter, der gern mal vor sich hin schreit, hat warmen Tee an einer kleinen Bar neben der Sakristei bekommen. Dort bleibt
er stehen. Die zwei jungen und schönen Türkinnen, die sich für das Teekochen in dieser Nacht entschieden haben, tun ihm gut. In einer Zeit differenzierter und zum Teil gegensätzlicher Lebenswelten entsteht in einer Little Big City
wie Frankfurt am Main immer häufiger die Erfahrung von Andersheit, von Fremdheit. Überall in den gesellschaftlichen Problemen einer multikulturellen Stadt verbirgt sich die moralische Schwierigkeit, Sympathie für die zu wecken, die die
Anderen sind. Diese Erfahrung von Andersheit (und der damit verbundenen moralischen Schwierigkeit) beschreibt der französische Philosoph Jacques Derrida in seiner Schrift „Von der Gastfreundschaft“ mit einer weitführende Frage: „Sollen
wir vom Fremden, bevor und damit wir ihn bei uns aufnehmen können, verlangen, uns zu verstehen, unsere Sprache zu sprechen, in allen Bedeutungen dieses Ausdrucks, in all seinen möglichen Extensionen? Wenn er – mit all dem, was dies
impliziert – unsere Sprache spräche, wenn wir bereits alles teilten, was mit einer Sprache geteilt wird, wäre der Fremde dann noch ein Fremder?“ Derridas Gedanke von der Gastfreundschaft wurde zu einem grundlegenden Ausgangspunkt
für die Praxis in der Weißfrauen Diakoniekirche: An einen Tisch vertraute und fremde Menschen in die Diakoniekirche einzuladen, ist eine Praxis, die vergegenwärtigt, dass wir Menschen von Gott gewollte Gäste auf dieser
Erde und in dieser Stadt sind. Wie ernst nehme ich eine urbane Gastgeberschaft? Bin ich bereit, wirklich die denkbar gegensätzlichsten Lebenswelten freudig und großzügig an einen Tisch zu bitten? Diakoniegottesdienst, Krippenbider und
Hirtenfeuer von zeitgenössischen Künstlern, eine leckeres Weihnachtsessen gekocht von drei Restaurants in der Stadt und ein Film von Aki Kaurismäki bringen 120 Bänker und Obdachlose, um dieses ideale Klischeepaar aus Frankfurt am
Main einmal zu nennen, ein bisschen näher. Dann sind wir noch lange nicht im Paradies, aber zumindest am Heiligen Abend im Frankfurter Bahnhofsviertel. Überraschend ist, warum die Lange Nacht am Heiligen Abend in dieser Form und Länge
gelingen kann. Es gibt einige in dieser Stadt, die diesem Ort (Gegenraum) einiges zutrauen und darin investieren, in dem sie die Rolle der Gastgeber übernehmen, Bilder ausschließlich für diese Nacht malen, Essen mit Leidenschaft kochen
oder eine Nacht vorher eine Nightclub-Tombola zu Gunsten des Hirtenfeuers veranstalten – und: es kommen auch einige mit einem Schlafsack unter dem Arm, obwohl sie eine Wohnung haben, denn sie wissen, der Schlaf an diesem Ort ist ein besonderer.
Und der Stern von Bethlehem zeigt den Weg in dieser Nacht.
Hirtenfeuer lud zum Übernachten ein. Frankfurter Neue Presse, 27. Dezember 2007 [pdf]
Lange Nacht [pdf]
Mittagsgebet im Advent
Dienstag, 11.12.2007 12:00 Uhr
Mittagsgebet mit Orgelstück
anschließend SamowarBar
Pfarrer Jochen Gollin
Joh. Seb. Bach, Wohltemperiertes Klavier, Präludium c-moll (BWV847)
Michael Berg, Orgel
Freitag, 14.12.2007 12:00 Uhr
Mittagsgebet mit Orgelstück
anschließend SamowarBar
Pfarrer Dr. Gunter Volz
Joh. Seb. Bach, Wohltemperiertes Klavier, Präludium es-moll (BWV853)
Michael Berg, Orgel
Dienstag, 18.12.2007 12:00 Uhr
Mittagsgebet mit Orgelstück
anschließend SamowarBar
Kurator Gerald Hintze
Joh. Seb. Bach, Wohltemperiertes Klavier, Präludium h-moll (BWV869)
Michael Berg, Orgel
Freitag, 21.12.2007 12:00 Uhr
Mittagsgebet mit Orgelstück
anschließend SamowarBar
Pfarrer Dr. Gunter Volz
Joh. Seb. Bach, Wohltemperiertes Klavier, Präludium b-moll (BWV867)
Michael Berg, Orgel
2. Advent
Sonntag, 09.12.2007 15:00 Uhr
15.00 Uhr Kunst trotz(t) Armut
Ausstellungseröffnung mit Kurator Andreas Pitz
15.45 Uhr Macht hoch die Tür, die Tor macht weit
Andacht zum zweiten Advent mit Diakoniepfarrer Dr. Michael Frase
16.15 Uhr Adventscafé
mit belegten Broten, Kuchen, Kaffee und Tee und dem St. Petersburger Bläserquartett Barokko
Kunst trotz(t) Armut
Zeitgenössische Kunst zum Thema Obdachlosigkeit, Armut und soziale Ausgrenzung von Ingrid Bahß, Adrian Basilius, Winfried Baumann, Wolfgang Bellwinkel, Felix Droese, Jörg Immendorff, Katharina Mayer, Liesel Metten, Cornel Wachter
Eine Ausstellung der Evangelischen Obdachlosenhilfe e.V.
06.12.2007 bis 18.12.2007 10:00 - 17:00 Uhr
Immer wieder rücken Künstler benachteiligte Menschen oder soziale Schieflagen und Probleme in den Blick. "Man denke an Werke von Käthe Kollwitz oder Heinrich Zille, die Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts schonungslos auf soziales Elend und gesellschaftliche Ungerechtigkeit aufmerksam gemacht haben und an das soziale Gewissen ihrer Zeitgenossen appellierten", verdeutlicht Projektleiter und Kurator Andreas Pitz das Anliegen der Ausstellung. Auffallend sei, dass sich heute neben renommierten auch unbekannte Künstler und Menschen aus der "Armutsszene" in ihren Arbeiten mit Armut und Ausgrenzung auseinandersetzen.
Die Diakonie schätzt, dass in Deutschland etwa 300.000 Frauen und Männer ohne festen Wohnsitz unterwegs sind. Entwurzelung und Obdachlosigkeit sind schon lange keine Randerscheinungen mehr. Die Diakonie engagiert sich in rund 350 Diensten und Einrichtungen für Obdachlose. Sie ist damit der größte Anbieter von Hilfen für Menschen auf der Straße. Neben den Tagesaufenthaltsstätten, wo die Obdachlosen duschen oder ihre Wäsche waschen können, bieten sie im Winter Notunterkünfte. An alle, die dort nicht hinwollen, verteilen Mitarbeitende heiße Getränke, Decken und Isomatten.
Die Wanderausstellung "Kunst trotz(t) Armut" ist ein gemeinsames Projekt der Evangelischen Kirche in Deutschland, dem Diakonischen Werk der EKD sowie dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik und wird in zwölf deutsche Städte gezeigt.
Sonntag, 9. Dezember 2007, 15.00 Uhr
Eröffnung der Ausstellung mit dem Kurator Andreas Pitz
Fotos: Jörg Baumann


























