Mittagsgebet mit Orgelstück
Dienstag, 18. März 2008, 12.00 Uhr
anschließend SamowarBar
Felix Mendelssohn Bartholdy:
Praeludium – Andante con moto, 1837
Filmabend mit SamowarBar
Mittwoch, 19. März 2008, 19.00 Uhr
IL VANGELO SECONDO MATTEO
DAS ERSTE EVANGELIUM MATTHÄUS
Italien 1964, Regie: Pier Paolo Pasolini · 136’, s/w
Buch: Pier Paolo Pasolini nach dem Matthäus- Evangelium. Musik: Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart, Sergej Prokofjew, Anton Webern, Luis Enriquez Bacalov. Mit Enrique Irazoqui,
Margherita Caruso, Susanna Pasolini, Marcello Morante, Mario Socrate
Pier Paolo Pasolinis Verfilmung war der erste Versuch, die Lebensgeschichte Jesu in einer realistischen Form zu verfilmen. Er schuf damit ein Gegengewicht zu den pompösen Hollywood-Epen, die an den religiösmenschlichen Aspekten des Neuen Testaments
herzlich wenig interessiert waren und die biblische Vorlage als Geschichte für eine farbenfrohe Show missbrauchten. Pasolini wählte als Kulisse seines Films die karge Landschaft Süditaliens mit ihren ärmlichen Feldern und halbverfallenen
Dörfern. Auch einen Großteil der dort ansässigen Bevölkerung bezog er in die Aufnahmen mit ein. Für die Rolle der Maria verpflichtete Pasolini seine eigene Mutter Susanna. Pasolinis Werk gewann auf den Filmfestspielen von Venedig
1964 den Preis der Jury.
Mittagsgebet mit Orgelstück
Donnerstag, 20. März 2008, 12.00 Uhr
anschließend SamowarBar
Josef G. Rheinberger:
Cantilene - Adagio aus der Sonate Nr. 11 d-moll, op. 148, 1887
Nachtmahl am Gründonnerstag
Donnerstag, 20. März 2008, 12.00 Uhr
Brot und Wein an einem Tisch
Heinz Sauer, Saxofon
Gerald Hintze, Lesung
"Heinz Sauer ist ein Erzähler des Jazz, ohne geschwätzig zu sein. Dass er einer der klangmächtigsten Improvisatoren sein kann, ein Instrumentalist, dem keine Technik, kein Stil und kein Ausdruck fremd erscheinen, fühlt man schon
beim ersten Motiv, das den Schalltrichter seines Horns verläßt. Die ästhetische Phobie vor melodischen Platitüden charakterisiert bis heute jede seiner Improvisationen im Zwischenbereich von Bebop, Cool und Free Jazz. Sein Spiel hat
etwas Kratzbürstiges an sich, als solle vor allem die trügerische Hoffnung auf Perfektion oder virtuose Technik schon im Keim erstickt werden. Auch das prägt den Jazz bis in die Gegenwart: die Dicho- tomie zwischen stupender Technik und Expression.
Heinz Sauer kann alles spielen, will aber nicht alles spielen, zum Ausdruck aber kommt bei ihm stets große Kunst."
(FAZ, Wolfgang Sandner)
SCHMERZ. Diakoniegottesdienst am Karfreitag
Freitag, 21. März 2008, 10.00 Uhr
Diakoniepfarrer Dr. Michael Frase
Michael Berg, Orgel
Gerald Hintze, Kurator
Abendmahl mit historischem Abendmahlsgerät aus dem ehemaligen Weißfrauenkloster
20.06.2008
Die Jahressuppe und Ausstellungseröffnung BITTEDANKE
Die Jahressuppe
Das philosophische Reisebüro veranstaltet gemeinsam mit la cuisine brute 2008 das kunstinterventionistische Projekt "die Jahressuppe". 366 Tage lang wird in 10 verschiedenen europäischen Ländern eine einzige Suppe von 366 Personen gekocht, obwohl täglich eine andere Suppe serviert wird. Am 12. Februar 2008 begann die Suppe im MAK, Museum für angewandte Kunst, Wien zu kochen. Ab diesem Tag wandert ein Rest der flüssigen Suppe ein Jahr lang täglich von Küche zu Küche, um als Basis für die jeweils nächste Suppe zu dienen. Am 20. Juni macht die Jahressuppe ihre Station in der Weißfrauen Diakoniekirche - mitten im Frankfurter Bahnhofsviertel.
23.06.08 bis 29.08.08
Eröffnung am Freitag, 20.06.08, 19.00 Uhr
Unter dem merkwürdigen Titel „BITTEDANKE“ stellt Andreas Exner in der Weißfrauen Diakoniekirche Frankfurt einen Betstuhl auf Rollen, einen bunten Flickenvorhang mit dem ausgesparten Schriftzug „sozial“, einen weißen Golf mit einer silbrig angemalten Scheibe (auch Plakate mit jeweils einer farbigen Autoscheibe) und einen rechteckig grau eingefassten kleinen Teich aus, wie man ihn in Baumärkten für den Garten kaufen kann. Merkwürdig ist der Titel, insofern zwischen „Bitte“ und „Danke“ sonst der Gegenstand erwähnt ist, um den gebeten und für den gedankt wird. Hier aber gibt es zwischen „Bitte“ und „Danke“ nichts. Nichts gibt es: ein resignatives Motto, unter das der rollende Betstuhl gut passt. Denn: im Langhaus der basilikalen Kirchen ist das Betgestühl gewöhnlich so eingerichtet, dass die Gläubigen nach Osten zum Altar hin blicken, um der heiligen Handlung des Priesters zu folgen. Vorgegeben ist eine feste Perspektive. Im Gegensatz dazu ist von einem beweglichen Betstuhl aus die Perspektive beliebig, man kann hierhin und dahin schauen, es gibt keinen festen Standpunkt, und das heißt auch: es gibt keinen festen Halt in der Kirche. Der rollende Betstuhl ist ein Möbel des Relativismus. Auch der Flickenvorhang mutet kritisch an - womit keineswegs behauptet ist, dass der Künstler selber kritische Absichten hat. Seit über 30 Jahren nämlich besteht in den Kunsttheorien darin Einigkeit, dass weniger die Absichten des Künstlers als die am Werk im Detail belegbare Interpretation des Betrachters die Bedeutung eines Kunstwerks konstituieren. Der Flickenvorhang: Flicken bedeuten Armut. Im Wort „sozial“ sind die Buchstaben lesbar konturierte Löcher, Leerstellen, mithin eine negative Bestimmung. „Sozial“ könnte das heißen, das gab es einmal, denn die Kontur ist noch erkennbar – aber heute gibt es „sozial“ nicht mehr. Ein Vorhang? Ein Vorhang vor dem Fenster hält das Licht ab. Bedenkt man, dass im Christentum und Judentum das Sonnenlicht die Anwesenheit Gottes anzeigt und in der Aufklärung für die Vernunft steht, die alle Winkel der Welt ausleuchtet (Aufklärung = franz: „illuminisme“), dann behindert der Vorhang die Erhellung der Welt, jedenfalls verdunkelt er die Sicht auf das, was man ohne ihn gut sehen könnte. Nicht nur das Motto, sondern auch der Betstuhl und der Vorhang erscheinen negativ aufgeladen. Und da bekanntlich der Kontext, in den ein Kunstwerk gestellt wird, an der Bedeutungskonstitution mitwirkt, werden die Konnotationen „ohne Halt“, „Armut“, „nicht sozial“, „verdunkelt“ auf die Kirche beziehbar, besonders durch den Betstuhl. Andererseits ist zu bedenken, dass es die Kirche ist, die solch kritisch anmutenden Objekten den Raum zur Verfügung stellt.
Andreas Exner steht in der von Frank Stella in den 60er Jahren begründeten Tradition des „shaped canvas“, die den Übergang von der Malfläche in den Realraum thematisiert. In jener Zeit des Umbruchs wollte die Kunst heraus aus dem Gefängnis der – so lang erkämpften - Autonomie: Stella ließ seine Bilder aus dem Rahmen wuchern. Viele nahmen den Rahmen ganz fort, das Bild tendierte zum Objekt und stand nun im demselben Raum, in dem wir leben und arbeiten, und war kein Fenster und kein Ausweg mehr zu einer anderen oder schöneren Welt. Exner, der von der Malerei herkommt, wurde mit Arbeiten bekannt, bei denen er Hosen und Röcke in der Leibesmitte mit passenden Stoffen verschloss, wobei dieses verschließende Tuch für die ehemalige Leinwand steht, um die das Kleidungsstück eine weiche Skulptur bildet. Die Grundformen jeder Skulptur sind Wölbung und Höhlung. Daher bilden auch die Falten des „Sozialvorhangs“ so etwas wie eine (weiche) Skulptur. Erinnert man sich daran, dass Exner Waschbecken und Toilettenschüsseln mit einer blauen Fläche verschlossen hat, kann man das Auto mit der zugemalten Scheibe als eine Skulptur betrachten - als ein readymade in der Art von Duchamps’ berühmten Urinoir -, die ihren Bezug zur Malerei deutlich betont. So ließe sich schließlich auch die schimmernde Wasseroberfläche des Baumarkt-Teiches als ehemalige Leinwand verstehen. Denkt man dabei an Caravaggios berühmtes Gemälde, auf dem Narziss sich über sein Spiegelbild beugt, in dem er nicht - wie die Rede vom Narzissmus behauptet - sich selber bewundert, denn er kann ja gar nicht wissen, wie er aussieht, weil er als armer Bauernjunge gewiss keinen Spiegel besaß, dann erhält die als Malfläche verstandenen Wasserfläche einen melancholischen Akzent: wie Narziss ins Wasser stürzt und ertrinkt, so riskiert auch der Künstler sein Leben, wenn er sich in seine Arbeit versenkt. Denn wer wollte leugnen, dass gute Kunst zu machen, also eine, die uns, die wir in den Mühen der Lebenserhaltung zweckrational beschränkt sind, andere Möglichkeiten vorstellt, immer riskant ist? Edzard Reuther, der ehemalige Chef von Daimler, ist einmal mit dem Ausspruch zitiert worden, die Aufgabe der Künstler sei es, die Untiefen auszuloten, sodass wir alle sicher durchs Wasser gehen könnten. Vorhang, Auto (auch die nicht ausgestellten Kleidungsstücke und verschlossenen Waschbecken) und der Teich: es handelt sich bei allen um Zwischenformen zwischen Malerei und Skulptur, um Zwitter, die logisch (nicht inhaltlich) an die Mischwesen der griechischen Mythologie erinnern. Burkhard Brunn
14.08.2008
Lange Nacht im Bahnhofsviertel
Nachtmahl. Brot und Wein an einem Tisch.
Jamal Tuschick liest aus seinen Romanen die besten Stellen über das Bahnhofsviertel.
Heinz Sauer kann alles auf seinem Saxofon spielen, will aber nicht alles spielen
17.09.2008
Henning Scherf liest aus seinem Buch: "Grau ist bunt - was im Alter möglich ist"
Wie wollen wir in Zukunft leben? Welche Möglichkeiten gibt es, mit dem Altern umzugehen? Das sind Fragen, die sich jeder Einzelne stellen muss, die aber auch die Gesellschaft und Politik betreffen. Henning Scherf hat sich wie wenige andere mit diesen Fragen auseinandergesetzt. Er erzählt in diesem Buch davon, wie seine Großeltern und seine Eltern alt geworden sind und wie er selbst alt werden will. Der großen Angst vor dem eigenen Altern und der Panik vor einer immer älter werdenden Republik stellt er ein ganz neues Altersbild entgegen. Und eine alternative Lebens-form, die er selber in seiner Alters-WG praktiziert. Er ist überzeugt: Wir müssen die Trennung zwischen Alt und Jung aufheben, die starre Abfolge von Ausbildung - Arbeit - Ruhestand auf-lösen und Vereinsamung verhindern. Wir müssen zu einem neuen Miteinander finden, aber auch die eigene Sterblichkeit akzeptieren. Die Veränderungen, die sich durch das Altern ergeben, bergen viele neue Chancen. In seinem ebenso persönlichen wie politischen Buch zeigt Henning Scherf, wie wir sie nutzen können. Henning Scherf (69) war bis 2005 Bürgermeister von Bremen. Er lebt mit seiner Frau Luise in der wohl berühmtesten Wohngemeinschaft Deutschlands. Statt Eintrittsgeld werden Spenden erbeten für das Kulturzentrum „Haus der Drei Welten“ in Frankfurts Partnerstadt Granada - Nicaragua
30.09.2008 bis 07.11.2008
MADE IN TURKEY: Kunst und soziale Wirklichkeit
Die Ausstellung zeigt Künstlerinstallationen von Aysen Urfalioglu, Antonio Consentino und Charlie, die in besonderer Weise nach der Verbindung von Kunst und sozialer Verantwortung fragen. Made in Turkey stellt im Rahmen des Türkei-Schwerpunktes der Frankfurter Buchmesse 2008 zeitgenössische Kunst aus der Türkei von 1978 bis heute vor. Das Projekt zeigt Meisterwerke aus türkischen Museen und Privatsammlungen, ebenso wie aktuelle Arbeiten aus den Künstlerateliers. Einzelne Werke entstehen unmittelbar im Kontext der Ausstellung. Beteiligt sind 55 Künstler aus vier Generationen mit höchst unterschiedlichen Positionen. Neun weitere Ausstellungsorte in der Innenstadt Frankfurts widmen sich unterschiedlichen Themen und Fragestellungen: Made in Turkey stellt „Junge Künstlerpositionen“ vor, fragt, ob wir uns über kulturelle Grenzen hinaus auf einen Horizont der Vergangenheit einigen können, zeigt die Reaktion türkischer Künstler auf gegenwärtige Konfliktpotenziale, kommentiert die postmoderne Konsumgesellschaft, untersucht die Beziehung von Kunst und sozialer Wirklichkeit, definiert Orte zwischen privat und öffentlich in der vernetzten Welt und sucht den Dialog der Religionen. Das Ausstellungsprojekt ist eine Zusammenarbeit mit der Ernst Barlach Gesellschaft in Kooperation mit dem Goethe Institut Istanbul und dem Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main.
Montag bis Freitag von 12 bis 16 Uhr ist die Diakoniekirche geöffnet.
29.11.2008
Brunch mit dem Le Meridien Parkhotel Frankfurt
30.11.2008
Taizé-Gebet am ersten Advent
09./12./16./19.12.2008
Mittagsgebet im Advent
Der Adventskranz wurde von Johann Hinrich Wichern (1808-1881) eingeführt. Der Hamburger evangelisch-lutherische Theologe und Erzieher nahm sich einiger Kinder an, die in großer Armut lebten. Er zog mit ihnen in das Rauhe Haus, ein altes Bauernhaus, und betreute sie dort. Da die Kinder während der Adventszeit immer fragten, wann denn endlich Weihnachten sei, baute er 1839 aus einem alten Wagenrad einen Holzkranz mit 19 kleinen roten und 4 großen weißen Kerzen. Jeden Tag der Adventszeit wurde nun eine weitere kleine Kerze angezündet, an den Adventssonntagen eine große Kerze mehr, sodass die Kinder die Tage bis Weihnachten abzählen konnten. Aus dieser Idee entwickelte sich der Adventskranz mit vier Kerzen, wobei an jedem Adventssonntag eine mehr angezündet wird. Seit 1860 wird der Kranz mit Tannengrün geschmückt, seit Anfang des 20. Jahrhunderts gehört er zum deutschen Adventsbrauchtum.
Choral: Joh. Sebastian Bach, Vorspiel „Nun komm, der Heiden Heiland“ BWV 599
Mittagsgebet, Adventsmusik, SamowarBar
24. / 25.12.2008
Lange Nacht am Heiligen Abend
18:00 Die Kirchentür wird geöffnet
19:00 Diakoniegottesdienst
mit Pfarrer Dr. Michael Frase
Matthias Scheuring, Lesung
Michail Klimaschweskij, Trompete
Nichael Berg, Orgel
21:00 Weihnachtsessen
22:30 Nachtmusik von der Strasse
00:00 Nachtgebet mit Gerald Hintze
00:30 Nachtfilm
02:00 Nachttee und Raum für Ruhe
07:00 Morgengebet mit Gerald Hintze
08:30 Weihnachtsfrühstück
10:00 Die Kirchentür wird geschlossen
Der Kirchenraum ist wieder mit Arbeiten von Frankfurter Künstlern gestaltet: Ein Krippenpanorama von Manfred Stumpf, Engel und Hirten von Eva Schwab, eine große Krippe von Phillip Zaiser, der Frankfurter Stern von Jens Lehmann, Ochs und Esel von Florian Haas.
Eine Nacht voller Schutz, Trost und Licht
Von Stefan Toepfer
[Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Dezember 2008]
Foto oben: Nachtwache: Gerald Hintze bereitet die Weißfrauen Diakoniekirche auf das Weihnachtsfest vor. Begangen wird das Fest vom Heiligen Abend bis zum Morgen des ersten Feiertags.
Eines will er beim Weihnachtsgottesdienst partout nicht in seiner Kirche haben: einen Tannenbaum. Während diese Bäume in anderen Gotteshäusern Krippen umrahmen oder Altarräume in Wälder verwandeln, haben sie in der Weißfrauen Diakoniekirche keinen Platz. „Sie stehen für Familienglück, Bürgerlichkeit, die Behaglichkeit einer Stube, Innerlichkeit. Daraus sind viele Menschen herausgefallen, oder sie können damit nichts anfangen“, sagt Gerald Hintze. Er meint zum Beispiel die Menschen, denen er oft begegnet – mitten im Bahnhofsviertel Frankfurts , in dem seine Kirche liegt.
Gerald Hintze ist kein Pfarrer. Er ist „Kurator“ der Kirche, die eng mit Diakoniezentrum für Wohnungslose und Arme verbunden ist. Unter der Kirche an der Gutleutstraße liegt ein Tagestreff für sie, um die Ecke, an der Weserstraße, unterhält das Diakonische Werk ein Heim mit Übernachtungsplätzen, bietet Beratung und Straßensozialarbeit an.
Vor drei Jahren hat die Hoffnungsgemeinde die frühere Weißfrauenkirche dem Diakonischen Werk übergeben. Seither heißt sie Weißfrauen Diakoniekirche. Viele Veranstaltungen finden dort unter der Regie Hintzes statt. Zu den besonderen gehört die „Lange Nacht“ an Heiligabend. Seit 2004 lädt Hintze Menschen ein, einen Weihnachtsgottesdienst zu feiern, danach in der Kirche zu essen, Musik zu hören, zu beten und zu schlafen – bis zum Frühstück am Weihnachtsmorgen um 8.30 Uhr.
„140 Menschen waren im vergangenen Jahr beim Gottesdienst“, sagt Hintze. „Menschen von der Straße, Arme, Einsame, aber auch Gutsituierte.“ Eingeladen zum Weihnachtsgottesdienst um 19 Uhr ist jedermann. „Es ist ein Gottesdienst mit traditionellen Liedern“, sagt Michael Frase. Der Pfarrer ist Leiter des Diakonischen Werks und hält auch in diesem Jahr den Gottesdienst.
Ein Engel als Symbol des Trosts
Die Weihnachtsbotschaft kann Hintze in einem Satz zusammenfassen: „Es gibt immer wieder einen neuen Anfang.“ Moderne Kunstwerke – in jedem Jahr kommt ein neues hinzu – veranschaulichen andere Aspekte: Ein großer Engel von Eva Schwab, nicht schwebend, sondern fest auf dem Boden gegenüber der Hirtengruppe auf der anderen Altarseite stehend, symbolisiert den Trost jener Nacht der Geburt Christ: „Fürchtet euch nicht.“ Jedes Kunstwerk ist Hintze wichtig, auch die große Krippe, die an Futterkrippen erinnert, wie sie in Wäldern stehen. „Der, der geboren wird, braucht Schutz – aber es ist auch derjenige, der uns Schutz gibt.“
An Christus erinnert auch das Kerzenlicht, das am Anfang des Abends in der dunklen Kirche verteilt wird. Es stammt letztlich aus jener Kirche in Bethlehem, in der die Stelle der Geburt Jesu verehrt wird. Dort wird ein Licht entzündet und in mehreren Ländern weitergereicht – in Deutschland übernehmen Pfadfinder diese Aufgabe. „Jeder, der zu uns kommt, hat eine Kerze in der Hand, die nach und nach entzündet werden“, sagt Hintze. „Das ist ein einfaches Bild, aber es besitzt eine große Tiefe.“
Weihnachtsstern aus Neonröhren
Engel und Hirten kamen 2005 in die Kirche, gemeinsam mit einem Krippenpanorama von Manfred Stumpf. Die Krippe entwarf Phillip Zaiser für die „Lange Nacht“ im Jahr 2006. Ein Jahr später kam ein Weihnachtsstern aus Neonröhren von Jens Lehmann hinzu, in diesem Jahr steuert Florian Haas eine Darstellung von Ochs und Esel bei. Die Predigt im Gottesdiensten orientiert sich am „Thema“ der jeweiligen Kunstwerke.
Nach dem Gottesdienst werden in der Kirche lange Tafeln für das Weihnachtsessen aufgebaut. Um 22.30 Uhr gibt es Musik – gespielt von Straßenmusikern, die Hintze wenige Tage vorher anspricht. Zu ihnen findet der kommunikationsstarke Mann ebenso Kontakt wie zu wohlhabenden Menschen, die die „Lange Nacht“ finanzieren und zu den jeweiligen Künstlern. Doch ohne Hilfe an jenem Abend kommt Hintze nicht aus: 15 bis 20 ehrenamtliche Helfer sind am Abend und während der Nacht dabei.
Gebet zur Mitternacht
Axel Hirsch ist ein solcher Helfer. Der Fachmann für Informationstechnologie in einer Frankfurter Bank ist in diesem Jahr zum dritten Mal dabei. „Ich bin relativ sozial eingestellt“, sagt er. Damals, vor zwei Jahren, sei er noch alleinstehend gewesen und habe nach einer Möglichkeit gesucht, den heiligen Abend sinnvoll zu verbringen. Inzwischen ist er liiert – seine Freundin kommt mit in die Diakoniekirche. Er wird wohl wieder Tee ausgeben, bis gegen 1 Uhr. An diesem Abend erschließe sich ihm der Sinn von Weihnachten, „mit dem der ganze Konsumrausch nichts zu tun hat“. Während Helfer wie Hirsch schon zum Gottesdienst da sind, kommen andere erst später, nach 1 Uhr.
„Dann haben sie Weihnachten in ihrer Familien gefeiert. Sie haben aber noch Hunger nach Mehr“, sagt Hintze. Aber auch zwei Musliminnen hätten schon geholfen. „An Heiligabend in diesem Jahr kommen zwei Frauen dazu, die im Bahnhofsviertel anschaffen gehen.“ Vielleicht sind sie ja schon da, wenn Gerald Hintze um 0 Uhr ein frei formuliertes Nachtgebet spricht, das auch ein fester Bestandteil des Abends ist, ebenso wie ein Film.
Nachtwache am Heiligen Abend
70 Menschen bleiben über Nacht in der Kirche, breiten ihren Schlafsack dort aus, wo es ihnen gefällt. „Andere wachen die Nacht über durch, bleiben an den Tischen sitzen, reden miteinander“, schildert der Kurator. Und draußen leuchtet auf dem Kirchendach das Wort „Mensch“. Gebildet aus Buchstaben des Schriftzugs „M. Schneider“ des gleichnamigen Kaufhauses auf der Zeil, das 1998 in Konkurs gegangen war.
Ermahnt das Wort „Mensch“ das ganze Jahr über dazu, keinen Menschen in der Stadt zu vergessen, steht es am Heiligen Abend für einen ganz bestimmten Menschen, wie Hintze sagt. Den, in dem nach christlichem Glauben Gott selbst Mensch geworden ist: Jesus Christus.
28.12.2008
Taizé-Gebet zum Jahresende









