WESER5
Engagierte Mitarbeiter setzen sich für Wohnsitzlose ein
Beschäftigte von American Express Frankfurt sammelten Kleidung für das WESER5 Diakoniezentrum
Mit einer Kleiderspende hat American Express auch in diesem Jahr das WESER5 Diakoniezentrum unterstützt. Leiterin Renate Lutz nahm die Kleidungsstücke dankbar entgegen und freute sich zudem über gespendete Plätzchen und Nikoläuse aus Schokolade für die Besucher der Einrichtung. Im Rahmen eines "Day Of Caring" hatten Mitarbeiter gezielt die Art von Kleidung gesammelt, die im WESER5 Diakoniezentrum dringend benötigt wird, um Wohnsitzlose in der kalten Jahreszeit mit dem Nötigsten zu versorgen.
Soziale Verantwortung beginnt vor Ort
Seit 2003 folgen American Express Mitarbeiter in ganz Deutschland jedes Jahr dem Aufruf, sich an einem bestimmten Tag für die Gemeinschaft zu engagieren. Dazu entwickeln sie eigene Aktionen, die sie unter Einbindung ihrer Kollegen eigenverantwortlich umsetzen. Wie Beate Beltermann betont, gehe es darum, dass nicht nur das Unternehmen, sondern auch die einzelnen Mitarbeiter ganz bewusst soziale Verantwortung übernähmen. Sie ist Mitglied eines 12-köpfigen Teams, das soziale Aktivitäten ins Leben ruft, begleitet und die Zusammenarbeit mit WESER5 koordiniert. "Wir sind ein globales Unternehmen mit vielen Standorten, an denen wir uns regional engagieren, weil wir etwas an den Orten tun möchten, wo wir leben und arbeiten", so Beltermann. Als einer der weltweit größten Reise- und Finanzdienstleister beschäftigt American Express mehr als 66.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in über 200 Ländern. Wie Pressesprecherin Ursula Hellstern erklärt, gehöre es seit langem zur Unternehmenskultur, sich neben wirtschaftlichen Zielsetzungen für die Gesellschaft stark zu machen.
Armut im Stadtbild immer sichtbarer
Der Kontakt zwischen WESER5 und American Express war im Jahre 2004 über die Frankfurter Bahnhofsmission entstanden. Seitdem unterstützt das Unternehmen die Einrichtung nicht nur mit Kleiderspende-Aktionen, sondern zum Beispiel auch durch eine regelmäßige Sammlung von Artikeln zur Körperpflege. "Mit Hartz IV ist die Lage für viele Menschen dramatischer geworden", hat Renate Lutz festgestellt. Eine der Folgen sei, dass materielle Not im Stadtbild immer drastischer sichtbar werde. Das WESER5 Diakoniezentrum im Frankfurter Bahnhofsviertel hält fünf qualifizierte Hilfeangebote für wohnsitzlose Menschen unter einem Dach bereit: eine Soziale Beratungsstelle, ein Übergangswohnhaus mit Notübernachtung, Aufsuchende Straßensozialarbeit sowie einen Tagestreff, der jährlich von 21.000 Menschen besucht wird.
[Foto: Rolf Oeser]
Diakonisches Werk für Frankfurt am Main
Spenden statt Geschenke
Diakonisches Werk erhält von Siemens Frankfurt Spende über 10.000 Euro
Das Diakonische Werk hat gestern (20.12.) von der Siemens Niederlassung Frankfurt eine Spende über 10.000 Euro erhalten. Das Geld stammt aus der Aktion „Spenden statt Geschenke“ der Siemens AG in der Region Rhein-Main. Ausgewählt wurde die Diakonie nach Praxis-Erfahrungen eines Siemens-Managers beim Projekt „Seitenwechsel", bei dem er den Alltag benachteiligter Menschen kennen lernte.
„Wir haben zu Weihnachten auf Präsente für unsere Kunden und Geschäftspartner verzichtet. Stattdessen wird die Summe von insgesamt 40.000 Euro auf acht soziale Einrichtungen im Rhein-Main-Gebiet verteilt“, erläuterte Geschäftsleiter Uwe Bartmann bei der Scheckübergabe an Dr. Thea Mohr, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Frankfurt.
Die Spendensumme von 10.000 Euro geht zu gleichen Teilen an zwei Einrichtungen der Diakonie: zum einen an das Evangelische Hospital für palliative Medizin Frankfurt, das sich auf schwerkranke Patienten mit fortgeschrittenen Erkrankungen konzentriert. Zum anderen an das Weser5 Diakoniezentrum, das Angebote für wohnungslose Menschen in Frankfurt bereit hält.
„Unsere Siemens Niederlassung ist als Unternehmen stark in der Stadt Frankfurt verankert. Daher haben wir bewusst das Diakonische Werk als Empfänger ausgewählt, das sich so engagiert um bessere Lebensumstände benachteiligter und kranker Menschen in unserem Tätigkeitsumfeld bemüht“, so Bartmann.
Die Spendenempfänger wurden von Roland Trumpfheller, dem kaufmännischer Leiter der Siemens Gebäudetechnik Rhein-Main, vorgeschlagen. Trumpfheller hat in den letzten Jahren bereits mehrfach am Projekt „Seitenwechsel“ teilgenommen, bei dem Manager für längere Zeit den Alltag von Menschen kennen lernen, die auf der Schattenseite des Lebens wohnen. Dabei war er auch in den beiden Einrichtungen der Diakonie aktiv.
Die Niederlassung Frankfurt ist Sitz der Geschäftsleitung von Siemens Rhein-Main. Von hier aus werden alle Vertriebs- und Serviceaktivitäten der Siemens AG in Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und dem Rhein-Neckar-Dreieck koordiniert.
Diakonisches Werk für Frankfurt am Main | WESER5
Wegschauen ist lebensgefährlich
Mit der provokanten „Aktion Tuch“ weist die Diakonie auf die Situation Obdachloser hin und möchte zum Handeln aufrütteln
Frankfurt Hauptwache. Ein ganz normaler Werktag kurz vor dem Weihnachtsfest. Auf der Jagd nach den letzten Geschenken hasten Passanten durch die Fußgängerzone. Doch etwas stört die Atmosphäre zwischen Glühweinständen und Karussell gewaltig. Unweit der Katharinenkirche liegt mitten auf der Zeil ein Toter mit einem Tuch bedeckt – so scheint es zumindest. Auch der zufällig in Sichtweite stehende Rettungswagen passt exakt ins Bild. Schnellen Schrittes stolpert eine Frau fast über das vermeintliche Leichentuch. Erschrocken bleibt sie stehen. Dann weicht das Grölen einer Gruppe von Schülern schlagartig Entsetzen. Schockwirkungen, die gewollt sind. Denn bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die Szenerie als provokante Aktion. „Siehst Du mich jetzt? Ein Obdachloser hat die letzten Tage hier gesessen. Wetten, dass Sie ihn jetzt sehen?“, ist auf dem Tuch zu lesen, das über eine lebensgroße Puppe gebreitet ist, von der noch die Beine zu sehen sind. Gemeinsam mit der Werbeagentur Saatchi & Saatchi hat das Diakonische Werk für Frankfurt am Main die „Aktion Tuch“ entwickelt, die seit Dienstag in der Innenstadt läuft.
Nur die Spitze des Eisberges
„Wir möchten die Menschen aufrütteln. Sie sollen hinschauen und Hinweise geben, wo Obdachlose Hilfe benötigen“, betont der Leiter des Diakonischen Werks für Frankfurt am Main, Dr. Michael Frase. Auf solche Unterstützung seien Hilfeeinrichtungen angewiesen, erklärt Bettina Bonnet von der Straßensozialarbeit des WESER5 Diakoniezentrums. „Wir können nicht überall sein, daher bitten wir die Menschen zu reagieren und sich an uns zu wenden, wenn ein Obdachloser irgendwo liegt oder an einer Bushaltestelle sitzt.“ Gerade in der kalten Jahreszeit gelte es, besonders aufmerksam zu sein, keine Zeit zu verlieren und umgehend öffentliche Einrichtungen oder die Polizei zu verständigen. Das könne lebensrettend sein. „Es gibt in Frankfurt ein gut abgestimmtes trägerübergreifendes Hilfesystem. Doch das kann nur funktionieren, wenn die Bevölkerung unterstützend mitarbeitet“, mahnt auch Frase. Schließlich stellten diejenigen Obdachlosen, die im Stadtbild unübersehbar seien, lediglich die Spitze eines Eisberges dar.
Behutsam ansprechen
Wie Bonnet erörtert, übernachten Obdachlose „an den abenteuerlichsten Stellen“ – in Müllcontainern, unter Treppen, Balkonen oder im Wald. Gemeinsam mit Kollegen der Sozialen Beratungsstelle von WESER5 spricht sie die Wohnungslosen an und baut langsam Vertrauen auf. „Wir machen Angebote, aber drängen niemanden zu etwas“, betont sie. Zu rund 300 Obdachlosen hat die Straßensozialarbeit regelmäßigen Kontakt. „Viele dieser Menschen trauen sich nicht, von sich aus Hilfe in Anspruch zu nehmen“, so Bonnet. Ziel sei, sie in weitere Hilfeangebote zu vermitteln. Zum Beispiel in den WESER5 Tagestreff, wo sie dann weitere Schritte hin zur Verbesserung ihrer Lebenssituation einleiten können. „Falls das erst einmal abgelehnt wird, helfen wir immerhin mit einem warmen Schlafsack aus.“
Einsatz, der sich lohnt
Wie effektiv die Arbeit ist, verdeutlicht der Arbeitsbereichsleiter "Diakonische Dienste", Georg Bastian, an einem Beispiel: „Vor kurzen haben wir im Übergangswohnhaus ‚Haus der Diakonie’ durch den Einsatz der Straßensozialarbeit einen Obdachlosen aufnehmen können, der monatelang in Erdhöhlen im Stadtwald gelebt hatte.“ In einem eigenen Zimmer könne er nun wohnen und erhalte begleitend Unterstützung, bis er seine Angelegenheiten selbst regeln könne und eine neue Unterkunft gefunden habe. Das „Haus der Diakonie“ mit 39 Plätzen sowie einer Notübernachtung mit acht Betten ist ebenfalls Bestandteil des WESER5 Diakoniezentrums. Unter einem Dach gelegen ermöglichen fünf qualifizierte Angebote schnelle und unbürokratische Unterstützung. Wie die Leiterin des Zentrums Renate Lutz erörtert, besuchen jährlich 21.000 Menschen den Tagestreff, 900 Männer sprechen in der Sozialen Beratungsstelle vor.
Konfrontiert mit der eigenen „Sehschwäche“
„Die meisten Menschen machen einen Bogen um Obdachlose. Oft geht es dabei nicht ums Geld, sondern sie wollen keine Berührungspunkte“, erklärt Holger Lutz, Geschäftsführer von Saatchi & Saatchi. Die „Aktion Tuch“ sei daher direkt, deutlich und provozierend und setzte bewusst auf Schockwirkung, um die Menschen mit ihrer selbst gewählten „Sehschwäche“ zu konfrontieren. Das Engagement der Werbeagentur, die die Aktion kostenfrei entwickelte, betrachtet Lutz als Übernahme von Verantwortung in der Region: „Wir sind in Frankfurt zu Hause und fühlen uns verpflichtet, mit unserem Knowhow zu helfen – und das ist Kommunikation.“ Wenn die Aktion auch nur einem Obdachlosen das Leben rette, habe sich der Aufwand mehr als gelohnt, so der Geschäftsführer. Die „Aktion Tuch“ läuft noch bis Freitag, 21. Dezember, jeweils von 10 bis 18 Uhr.
[Jörn Dietze]
Mobile Kinderkrankenpflege | Ambulanter Palliativdienst
Pflege zu Hause erhöht Lebensqualität
Die Share Value Stiftung fördert den Ambulanten Palliativdienst am Hospital für Palliativmedizin sowie die Mobile Kinderkrankenpflege mit insgesamt 30.000 Euro
Einen Scheck in Höhe von 30.000 Euro hat die Share Value Stiftung am Mittwoch, dem 21. November, an zwei Einrichtungen des Diakonischen Werks für Frankfurt am Main übergeben. Von dem Betrag gehen 20.000 Euro an den Ambulanten Palliativdienst (APD) des Evangelischen Hospitals für Palliativmedizin, mit 10.000 Euro wird die Anschaffung eines neuen Fahrzeuges für die Mobile Kinderkrankenpflege unterstützt. Wie der Leiter des Diakonischen Werks für Frankfurt am Main, Dr. Michael Frase, betont, sei die Zusammenarbeit mit Stiftungen und Förderern eine wichtige Voraussetzung, um innovative Projekte auf den Weg zu bringen.
Hilfe zur Selbsthilfe
Reiner Sachs stellt die Verbindung zum Stiftungszweck heraus: „Beide Einrichtungen sind in der ambulanten Versorgung schwerkranker und sterbender Menschen tätig und leisten in hohem Maße Hilfe zur Selbsthilfe“, betont der stellvertretende Stiftungsratsvorsitzende der Share Value Stiftung. Es handle sich um unverzichtbare Leistungen im Gesundheitswesen, die von den Kranken- und Pflegekassen nicht oder nur zum Teil finanziell gedeckt seien. „Das korrespondiert mit unserer Idee, Notwendige Projekte auf den Weg zu bringen, die sonst nicht möglich wären“. Die Share Value Stiftung fördert Einrichtungen der Jugendhilfe, der Altenhilfe, des öffentlichen Gesundheitswesens und des Wohlfahrtswesens, in denen im christlichen Sinne Hilfe geleistet wird. Nach dem Willen des Stifters Günter Weispfenning wird das Vermögen der Stiftung ausschließlich in Aktien angelegt. Unterstützt werden Einrichtungen, die dem Diakonischen Werk oder einem anderen Verband der freien Wohlfahrtspflege angehören und in Thüringen oder Hessen liegen.
Nach Hause begleiten
Der Ambulante Palliativdienst (APD) des Evangelischen Hospitals für Palliativmedizin besteht seit 2003 und ist ein Modell-Projekt. Das Hospital in der Frankfurter Rechneigrabenstraße ist spezialisiert auf die Behandlung von extremen Schmerzen. Als Fachkrankenhaus mit 20 Betten nimmt es ausschließlich Patienten auf, die infolge einer bösartigen Krebserkrankung oder einer HIV-Infektion als „austherapiert“ gelten und nach ärztlicher Einschätzung nur noch eine geringe Lebenserwartung haben. Neben Schmerzbekämpfung und Symptomkontrolle steht vor allem die persönliche Betreuung und Pflege im Vordergrund. Der Begriff „palliativ“ leitet sich ab vom lateinischen Wort „Pallium“ – Mantel. Grundgedanke ist, den Patienten wie mit einem Mantel zu umhüllen und zu schützen. Mit der Etablierung des APD sei dabei eine wichtige Brücke von stationärer zu ambulanter Versorgung gelungen, erörtert Helmut Ulrich, Geschäftsführer der Evangelischen Gesellschaft zum Betrieb von Wohn-, Alten- und Pflegeheimen: „Im Hospital können Patienten nur so lange bleiben, wie der entsprechende medizinische Behandlungsbedarf angezeigt ist. Die Weiterversorgung Schwerstkranker und Sterbender stellt deren Familien dann aber oftmals vor ein Problem“. Genau hier setze das ambulante Konzept an, erklärt APD-Mitarbeiter Matthias Bäumner: „Wir knüpfen ein Netz, das eine Versorgung zu Hause ermöglicht.“
Bedarf steigt
Vier Mitarbeiter mit Palliative-Care-Ausbildung besuchen bis zu 40 Patientinnen und Patienten drei bis viermal in der Woche zu Hause. Weitere 25, die entfernter wohnen, beraten sie telefonisch. Dass die meisten der Betreuten vorher Patienten im Hospital seien, erweise sich als Vorteil, da so frühzeitig umfangreiche individuelle Konzepte für eine ambulante Versorgung erstellt werden könnten, bemerkt Bäumner. Dazu gehöre Beratung ebenso wie Anleitung zur Dosierung von Schmerzmitteln. „Ganz wichtig ist uns ein kontinuierlicher Kontakt mit den Familien, um auch Veränderungen im Krankheitsverlauf mitzubegleiten“. Intensiv arbeitet der APD mit Hausärzten zusammen, darüber hinaus unterstützt die Ärztliche Leiterin des Hospitals für Palliativmedizin, Dr. med. Angelika Berg, bei der Therapie. Dass der Bedarf stetig ansteigt, belegen die Zahlen: Betreute der Dienst im Jahre 2006 noch knapp 260 Patienten, so waren es im Zeitraum von Januar bis Oktober dieses Jahres bereits 316. Wie Ulrich darlegt, zeige die Arbeit immer größere Wirkung: „Während im letzten Jahr zwei Drittel der Patienten im Hospital verstarben, pendelt sich die Zahl für dieses Jahr etwa bei der Hälfte ein.“ Die letzten Monate oder Wochen zu Hause zu verbringen, weiß Bäumner, sei schließlich für fast alle ein Herzenswunsch. Frase verweist auf die hohe Bedeutung, die solches Engagement für die Kirche habe: „Kranke und sterbende Menschen zu begleiten ist ein Uranliegen von Christinnen und Christen. Darum müssen wir in diesem Arbeitsfeld besonders präsent sein“.
Kinder benötigen besondere Aufmerksamkeit
Für den hohen Wert einer häuslichen und familiären Umgebung, so Reiner Sachs, stehe auch die Mobile Kinderkrankenpflege beispielhaft. Sie ist der einzige Pflegedienst in Frankfurt am Main, der sich auf die Betreuung akut oder chronisch kranker Kinder spezialisiert hat. Seit 1979 gibt es die Mobile Kinderkrankenpflege. Insgesamt neun examinierte Kinderkrankenschwestern sind auch an Wochenenden und Feiertagen im Frankfurter Stadtgebiet sowie in angrenzenden Gemeinden im Einsatz. „Momentan versorgen wir 35 Kinder im Monat, einige von ihnen nur über kurze Zeiträume, andere über Monate oder Jahre“, erklärt Sivinski und ergänzt: „Der Bedarf jedoch ist noch weitaus größer“. Zu den Leistungen des Pflegeteams gehört unter anderem die Durchführung ärztlicher Verordnungen wie Verbandswechsel, Injektionen oder Pflege nach Operationen. Zudem leitet es Familien zu Pflege und Ernährung an. „Immer höheren Stellenwert gewinnt auch die Begleitung von sterbenden Kindern und ihren Familien“, bekräftigt die Leiterin, „mehr und mehr fragen Kliniken bei uns an, ob wir schwerstkranke Kinder übernehmen können.“ Um diesem Anliegen noch eingehender Rechnung zu tragen, absolviert eine Mitarbeiterin zurzeit die Ausbildung „Palliative-Care für Kinder“. Die Mobile Kinderkrankenpflege arbeitet selbstverständlich eng mit Ärzten, Krankenhäusern und Einrichtungen des Gesundheitswesens zusammen. Lediglich ein Drittel der Kosten decken die Kranken- und Pflegekassen. Zudem sichern die Stadt Frankfurt, die Cronstett- und Hynspergische Evangelische Stiftung zu Frankfurt und Förderer wie die Share Value Stiftung die Arbeit.
[Jörn Dietze]
Familien-Markt | WESER5
"Gemeinsame Sache" mit Langzeitwirkung
Kleiderspende-Aktion der Mitarbeiter von Ernst & Young für Diakonie und Caritas bringt großen Erfolg
Viele Hände öffnen sich und bilden einen Kreis. Die Abbildung auf dem Plakat hat für Andreas Havas Symbolcharakter: "Ein Unternehmen ist nichts abstraktes, sondern besteht aus Menschen, die gemeinsam etwas auf den Weg bringen", bekräftigt der Partner bei Ernst & Young, der eine besondere Aktion initiiert hat: Über vierzehn Tage hinweg haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Prüfungs- und Beratungsunternehmens in Eschborn fleißig ihre Kleiderschränke begutachtet und alles, was sie nicht mehr brauchten, in einen großen Holzcontainer gebracht. Von dem Ergebnis profitieren nun zwei Frankfurter Einrichtungen, die bedürftige Menschen in Frankfurt unterstützen: Der Ökumenische Familien-Markt sowie das WESER5 Diakoniezentrum.
Hilfe mit Mehrfacheffekt
"Wir haben zu der Kleiderspende-Aktion aufgerufen, weil wir als großes Wirtschaftsunternehmen auch eine soziale Verantwortung haben und freuen uns, dass unsere Mitarbeiter bei diesem freiwilligen Engagement so begeistert mitgemacht haben", betont Gunther Ruppel, Vorstandsmitglied von Ernst & Young und Niederlassungsleiter in Frankfurt/Eschborn. Der Erfolg bestätigt ihn: "Die Kleidungsstücke sind allesamt sehr hochwertig", betonen Petra Spöck und Harald Weck vom Leitungsteam des Familien-Marktes, der vom Diakonischen Werk für Frankfurt am Main und dem Caritasverband Frankfurt e.V. gemeinsam getragen wird. Die große Menge an Kleidung hat die Beteiligten überrascht. Havas indes kennt ein Problem, das sich vielen immer wieder stellt, aus eigener Erfahrung: "Man hat gut erhaltene Sachen, die man nicht mehr nutzt, und fragt sich: Wohin mit ihnen, damit sie wirklich bei Menschen ankommen, die Hilfe benötigen?" Dass die beiden Einrichtungen exakt für eine solch sinnvolle Verwendung stehen, hat die Unternehmensvertreter überzeugt: "Uns gefällt das Konzept, dass die Einkäufer im Familien-Markt nicht als Hilfebedürftige sondern als Kunden betrachtet werden", so Havas. Dr. Thea Mohr, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks für Frankfurt am Main, verweist auf den Mehrfacheffekt: "Der Familienmarkt ermöglicht einerseits finanzschwachen Menschen in einem Second-Hand-Kaufhaus zu günstigen Preisen einzukaufen und qualifiziert gleichzeitig im Rahmen von Hartz-IV-Maßnahmen Langzeitarbeitslose in den Bereichen Verkauf, Verwaltung, Logistik und Lagerwesen."
Persönliche Verantwortung wahrnehmen
Auch bei WESER5 bewirken die gesammelten Jacken, Mäntel oder Pullover viel: "Funktionale Kleidung ist immer Mangelware, denn gerade in der kalten Jahreszeit kommen zahlreiche Obdachlose zu uns, die schnell versorgt werden müssen", betont Renate Lutz, Leiterin des Diakoniezentrums im Frankfurter Bahnhofsviertel, das fünf Unterstützungsangebote unter einem Dach bereit hält: eine Soziale Beratungsstelle, einen Tagestreff, ein Übergangswohnhaus mit Notübernachtung sowie Aufsuchende Straßensozialarbeit. "Als Menschen, die Arbeit haben, dürfen wir nicht vergessen, dass wir in einer bestimmten Weise privilegiert sind und persönliche Verantwortung für eine menschenwürdige Gesellschaft tragen", bekräftigt Havas. Bereits seit Jahren engagiert sich Ernst & Young im sozialen, aber auch im Kulturbereich. Unter anderem fungiert das Unternehmen als Hauptsponsor der Frankfurter "Nacht der Museen". Die Ernst & Young AG mit Hauptsitz in Stuttgart ist eine der großen deutschen Prüfungsgesellschaften und das deutsche Mitgliedsunternehmen der weltweit agierenden Ernst & Young International. An 21 Standorten beschäftigt es rund 6.200 Mitarbeiter, mehr als 1.600 von ihnen arbeiten in der Niederlassung Frankfurt/Eschborn.
Netzwerke für die Region
Die Idee zu der Kleiderspende-Aktion entstand bei einer Veranstaltung im Rahmen der "Common Purpose"-Initiative, wo Havas die Geschäftsführerin des Diakonischen Werks für Frankfurt am Main traf: "Common Purpose bringt Führungskräfte der Region aus den verschiedensten Bereichen zusammen und möchte aktive Verantwortungsträger für die Gesellschaft aufbauen", erklärt Mohr. Der Begriff bedeutet übersetzt so viel wie "gemeinsame Sache" und steht für eine Initiative, die 1989 in Großbritannien gegründet wurde und heute in mehr als 50 Städten in sieben Ländern mit Programmen vertreten ist. In Frankfurt wurde sie im Jahre 2003 unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeisterin Petra Roth auf den Weg gebracht. Dass die Kleiderspende-Aktion die Ernst & Young-Mitarbeiter zu weiteren Ideen inspiriert hat, freut Havas besonders. So sollen in Zukunft etwa Lebensmittel, die bei Konferenzen oder Veranstaltungen übrig geblieben sind, gezielt an soziale Einrichtungen weitergegeben werden. "Dinge anstoßen, aus denen sich dann immer wieder neue Initiativen entwickeln, ist einer der Grundgedanken von Common Purpose", betont Havas und ergänzt: "Es geht um Netzwerke, die Vielfalt im Gemeinwesen repräsentieren". Für Mohr ist die Kleiderspende-Aktion nicht zuletzt ein "tolles Beispiel für Nachhaltigkeit". Schließlich soll der Sammelcontainer nun zu einer Dauereinrichtung im Hause Ernst & Young werden.
Familien-Markt
Mobil dank der Johanniter Cronstetten Altenhilfe e.V.
Die Johanniter Cronstetten Altenhilfe e.V. (JCA) fördert die Anschaffung eines neuen Transporters für den Familien-Markt von Diakonie und Caritas
Mit einem Betrag von 7.000 Euro hat die Johanniter Cronstetten Altenhilfe e.V. (JCA) die Anschaffung eines Transporters für den Ökumenischen Familien-Markt unterstützt. Den neuen Ford Transit übergaben die Vorstandsmitglieder Jobst-Babo Graf Harrach, Johann Gottlieb Freiherr von Süsskind-Schwendi und Sylvius Hohlt am 17. November an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterinnen der Einrichtung in Frankfurt-Bornheim. Wie der Leiter des Diakonischen Werks für Frankfurt am Main, Dr. Michael Frase, betonte, sei die Spende ein weiterer bedeutender Beitrag zu einem diakonischen Netzwerk, in dem die JCA seit Jahren eine wichtige Rolle spiele und viel ermögliche.
Familen-Markt wird gebraucht
Der Familien-Markt ist ein Second-Hand-Kaufhaus für Menschen mit geringen finanziellen Möglichkeiten und wird vom Diakonischen Werk für Frankfurt am Main und dem Caritasverband Frankfurt e.V. gemeinsam getragen. Zunehmend mehr Menschen sind
auf Angebote, wie sie der Familien-Markt vorsieht angewiesen.
Einkaufsberechtigt sind alle Inhaber eines Frankfurt-Passes, ALG II-Bescheides oder entsprechenden Berechtigungsscheines. Außerdem Studentinnen und Studenten mit gültigem Studentenausweis. Im Rahmen von Hartz IV-Maßnahmen qualifiziert die
Einrichtung Langzeitarbeitslose in den Bereichen Verkauf, Verwaltung, Logistik und Lagerwesen. Knapp die Hälfte von ihnen sind Jugendliche. „Unter anderem durch ein von der Industrie- und Handelskammer anerkanntes System aus Qualifizierungsbausteinen
verbessern sie bei uns ihre Chancen, eine Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden“, erklärt Harald Weck vom Leitungsteam des Familien-Marktes.
Haushaltsauflösungen sind nicht immer einfach, vor allem bei älteren Menschen
Zum Anliegen der JCA sieht Jobst-Babo Graf Harrach unmittelbare Verbindungen. Als Beispiel nennt er Haushaltsauflösungen, die der Familien-Markt anbietet: „Für alte Menschen ist es ein harter Einschnitt, wenn sie sich von Dingen trennen müssen, die sie sich einmal mühsam erarbeitet haben und an denen ihr Herz hängt.“ Zu wissen, dass diese nicht auf den Müll wanderten, sondern wiederum anderen zugute kämen, sei ein starker Beitrag zum Wohlbefinden in einer an sich schon schwierigen Lebenssituation, etwa wenn ein Wechsel von der eigenen Wohnung in ein Seniorenheim anstehe. Ziel der 1979 gegründeten Johanniter Cronstetten Altenhilfe ist, im Rahmen der Pflege persönliche Zuwendung zu ermöglichen, die über das hinausgeht, was durch Leistungskataloge abgerechnet werden kann. „Es geht um Humanität statt bloßer Versorgung, um Zeit für das Gespräch“, betont von Süsskind-Schwendi. Über 80 Seniorinnen und Senioren betreut die JCA. Darüber hinaus hat der Verein ein Seminarangebot für Menschen entwickelt, die ehrenamtlich in der Altenbetreuung tätig werden möchten, und fördert Initiativen, die sich Betreuung und Unterstützung alter Menschen zum Ziel gesetzt haben.
Der Familien-Markt bringt und holt Möbel ab
Dass die JCA mit ihrer Spende die Anschaffung eines Neufahrzeug anstatt eines Gebrauchtwagens ermöglicht habe, sei besonders erfreulich, betont Harald Weck: „Der Transporter ersetzt ein sechs Jahre altes Fahrzeug, das nicht mehr im Betrieb gehalten werden konnte. Da er vor allem zum Bringen und Abholen von Möbeln eingesetzt wird, ist er hohen Belastungen ausgesetzt.“ Ein Großteil der Fahrer, die vom Familien-Markt qualifiziert würden, habe wenig Fahrpraxis. Daher sei ein technisch einwandfreier Zustand des Transporters von besonders hoher Bedeutung. „Insgesamt erlernen viele der jungen Menschen im Familien-Markt zunächst Grundvoraussetzungen, etwa sich in eine Hierarchie einzuordnen und strukturiert zu arbeiten“, ergänzt Leiterin Petra Spöck. „Bei uns haben sie dazu intensivere Möglichkeiten als in einem regulären Betrieb, da wir sie eingehend begleiten.“
Beschäftigung, auch für ältere Arbeitnehmer
Doch auch ältere Menschen spielen im den Bereichen Beschäftigung und Qualifikation eine Rolle. Von insgesamt 70 Plätzen stehen fünf für über 58-Jährige zur Verfügung: „Bis zu drei Jahre finden sie hier eine
Arbeit und entgehen so einer Frühverrentung,“ betont Weck, der gerade für solch erfahrene Mitarbeiter äußerst dankbar ist: „Mit ihrem Know-how und ihrer Einstellung geben sie Jüngeren gute Beispiele. Zudem entlasten
sie uns im Arbeitsalltag.“ Petra Spöck ergänzt einen weiteren Aspekt: „Neben der Hauptzielgruppe Familien kaufen zahlreiche Seniorinnen und Senioren mit Frankfurt-Pass im Familien-Markt ein.“ Für sie sei das Second-Hand-Kaufhaus
auch als Ort der Kommunikation wichtig. „Schließlich treffen in unserem kleinen Café täglich Generationen aufeinander.“
[Jörn Dietze]
Tipp:
Viermal im Jahr veranstaltet der Familien-Markt einen Flohmarkt, der für Jedermann geöffnet ist. Der nächste findet statt am 2. Dezember 2007 von 10 bis 14 Uhr in der Freiligrathstraße 37-39 in Frankfurt-Bornheim.
Kontakt:
Familien-Markt
Freiligrathstraße 37-39
60385 Frankfurt am Main
Telefon: (069) 904 367 80
Fax: (069) 904 367 81
E-Mail: Familien-Markt@t-online.de
Internet: www.familienmarkt-frankfurt.de
WESER5
Fliegende Bälle und jede Menge Spannung
An jedem letzten Sonntag im Monat findet im WESER 5-Tagestreff ein
Mit welchem Ehrgeiz die 12 Männer bei der Sache sind, sieht man ihren Gesichtern an. Rund um die Tischtennisplatte im WESER5-Tagestreff haben sie sich versammelt, um wie jeden Monat ihren Champion zu küren. Echte Endspiel-Stimmung kommt auf, wenn die umstehenden Zuschauern ihre Favoriten lautstark anfeuern. Immerhin darf sich der Gewinner über 15 Euro Preisgeld freuen. Doch das Turnier, bei dem stets Hobbysportler unterschiedlichster Nationalitäten um den „Titel“ kämpfen, lohne sich für alle, betont Organisator Jürgen Hepp:“ Tischtennis leistet einen wichtigen und regelmäßigen Beitrag zu einer angenehmeren Tagesstrukturierung.“ Viele entdeckten bei sich auch eine Steigerung ihrer Leistung und ihres Ehrgeizes.“ „Besonders gerne treten viele der Männer gegen deutlich bessere Spieler. Dabei sind sie sehr lernwillig“. Zudem habe das Spielen im Tagestreff schon 3 Besucher motiviert, in Tischtennisvereine einzutreten.
Auch unter der Woche finden Spielwillige im Tagestreff meist einen Partner, mit dem sie sich die Bälle zuspielen und können. Tischtennis spielen kann man im Tagestreff von Sonntag bis Donnerstag (12 – 16 Uhr). Die Turniere finden an jedem letzten Sonntag im Monat um 11 Uhr statt. Als Preisgelder winken: 15, 10, 5 €. Und natürlich für alle Kaffee, Tee, Spaß und jede Menge Spannung.
Insgesamt besuchen täglich zwischen 80 und 100 Menschen den WESER 5-Tagestreff. Die meisten von ihnen sind wohnungslos und von Armut betroffen, nächtigen im Freien oder sind in Notunterkünften untergebracht. Viele leben vereinsamt und isoliert und haben sonst keine sozialen Kontakte. Im Tagestreff halten sie sich auf, essen, waschen ihre Wäsche, duschen, betreiben Körperhygiene. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führen sie an Hilfeangebote heran, die wesentlich zur Verbesserung ihrer Lebenssituation beitragen. Dazu gehören insbesondere auch die anderen Unterstützungsangebote des WESER5 Diakoniezentrums, zu dem neben dem Tagestreff eine soziale Beratungsstelle, ein Übergangswohnhaus, eine Notübernachtung sowie aufsuchende Straßensozialarbeit gehören.
Familien-Markt
Familien-Markt macht Flohmarkt
Sonderverkauf von Neuware
Zu einem Flohmarkt mit Sonderverkauf von Neuware aus mehreren Ladenauflösungen lädt der Familien-Markt, das Second-Hand-Kaufhaus von Diakonie und Caritas für Sonntag, 2. September, von 10 bis 14 Uhr, nach Bornheim, Freiligrathstraße 37-39, ein. Bei diesem Flohmarkt sind Schnäppchenjäger richtig. Zu kaufen gibt es Kleidung für Erwachsene und Kinder, Möbel, Hausrat und Antikmöbel. Die Neuware umfasst unter anderem große Bestände von Herbst- und Wintermänteln, Daunenjacken, Übergangsjacken, Jeanskleider und Jeansjacken mit Fellbesatz, Trainingsanzüge, Kinderjacken und Kinderhosen. Zudem sind neue Lederjacken, Jacken und Pullover vom Ordnungsamt zu haben. Verkauft wird auch neue „Tupperware“, darunter Mülleimer, Dosen, Schüsseln und Hundeschüsseln.
Informationen beim Familien-Markt, Telefon 069-90436780
Weißfrauen Diakoniekirche
Knoten an Knoten an Knoten
Seidenstück von Jens Risch in Weißfrauen Diakoniekirche
Am Mittwoch, den 5. September 2007 zeigt ab 19 Uhr der in Berlin lebende Künstler Jens Risch seine beiden Arbeiten „Seidenstück I“ und „Seidenstück II (Erster Teil)“ in der Weißfrauen Diakoniekirche, Weser- Ecke Gutleutstraße. 4 Jahre lang hat Jens Risch, der Meisterschüler bei Prof. Thomas Bayrle an der Städelschule war, an einem 1000 Meter langen Seidenfaden geknotet. Knoten an Knoten an Knoten. So lange, bis kein weiterer Knoten mehr zu machen war. Entstanden ist in dieser Zeit ein Kondensat von Energie, ein kraftvoller und kritischer Kommentar zu Themen wie Arbeit, Geschwindigkeit, Kunstproduktion. Eine Koralle, ein Gehirn, ein Tagebuch, eine organisch gewachsene Skulptur. In der Präsentation von Jens Risch in der Diakoniekirche sind auch die einzelnen vier Arbeitsstufen zu sehen, die zu dem Seidenstück mit ca. 8 cm Durchmesser geführt haben.
Diese Arbeiten von Jens Risch passen nach Meinung von Gerald Hintze, Kurator an Weißfrauen Diakoniekirche, in die gegenwärtigen Fragestellungen nach dem Sinn von Arbeit in unserer Gesellschaft. Fast vier Jahre hat Jens Risch mit einem 5 Stunden-Arbeitstag sich in ein selbstbeauftragtes Projekt begeben: Keine große Geste ist mit dieser künstlerischen Arbeit entstanden, sondern ein berührendes Dokument von Lebens-Arbeits-Zeit (siehe Foto von Jörg Baumann im Anhang).
Am 5. September wird um 19 Uhr in der Weißfrauen Diakoniekirche der ehemalige Lehrer von Jens Risch, Prof. Thomas Bayrle, in die Arbeit am Seidenstück einführen. Das kleinteilige Seidenstück von Jens Risch steht nun dem Großen Wandbild von Ulrich Becker gegenüber und verhält sich zu den fleißigen Bienen der Stadtimkerei von Florian Haas und Andreas Wolf im Turm der Diakoniekirche. Alle Arbeiten sind noch bis Ende September jeden Dienstag und Donnerstag von 13 bis 17 Uhr in der Weißfrauen Diakoniekirche zu sehen.
Weitere Informationen über die Arbeit von Jens Risch unter: www.jensrisch.de
Diakonisches Werk für Frankfurt am Main
Von gebrochenem Brot und zerbrochenen Bildern
Diakonisches Werk für Frankfurt am Main zeigt Wanderausstellung des Landeskirchlichen Archivs Kassel zur „Zweiten Reformation“
Eine Wanderausstellung mit dem Titel „Von gebrochenem Brot und zerbrochenen Bildern“ ist am Montag, dem 20. August im Foyer des Hauses der Evangelischen Kirche in der Rechneigrabenstraße 10 eröffnet worden. Sie wird bis zum 30. September zu sehen sein und thematisiert die „Zweite Reformation in Hessen Kassel 1605“. Gemeint sind die weitreichenden Umbrüche in der kirchlichen Landschaft, die sich zu der Zeit durch den Streit zwischen Lutheranern und Reformierten ergaben. „Die Auswirkungen sind bis heute spürbar“, betont Peter Unglaube, Stellvertretender Archivleiter und Mitverantwortlicher für die Ausstellung, „vor allem bei der Innenraumgestaltung der Kirchen oder beim Abendmahlsverständnis“.
„Verbesserungspunkte“ spalten das Kirchenvolk
Zentrale Punkte seien das von den Reformierten vertretene Bilderverbot sowie die Frage der Gegenwart Christi in der Welt. „Die Umbrüche bewegten das gesamte Kirchenvolk in sehr starker Weise, denn die Menschen sahen elementare Fragen berührt, von denen ihr Seelenheil abhängt.“ Zugespitzt hatte sich der Streit durch drei „Verbesserungspunkte“, die Landgraf Moritz von Hessen im Jahre 1605 erließ, um die Konfessionen in seinem Land anzugleichen. Sie regelten unter anderem, dass Gott nicht bildlich darzustellen ist und beim Abendmahl nur normales Brot gereicht und gebrochen werden soll. Hintergrund war die Position der Reformierten, Christus könne nicht an unterschiedlichen Stellen leiblich in der Welt anwesend sein, während die Lutheraner das genaue Gegenteil beim Abendmahl ausdrückten - durch die Heiligkeit des Brotes, das sie in Form von Hostien reichten. „All dies ist nicht nur in Kirchen, sondern vor allem auch in Wirtshäusern und auf der Straße so heftig diskutiert worden, wie heute nur Politik oder Fußballergebnisse“, betont Unglaube. Schließlich hatten die „Verbesserungspunkte“ bei Menschen lutherischen Bekenntnisses tiefe Wunden gerissen. In Marburg gab es sogar einen Toten, als ein Mann nach einem Streit in einem Wirtshaus erschlagen wurde. Dass der Täter nur eine sehr milde Strafe bekommen habe, weil sein Landesherr gleicher Konfession war, zeige, wie tief die Gräben gewesen seien, so Unglaube.
Vielfältige Spuren in Kirchengemeinden
„Obwohl der Begriff Zweite Reformation umstritten ist, thematisiert die Ausstellung eine Entwicklung, welche die konfessionelle Landschaft heftig durcheinandergebracht hat“, resümiert der Leiter des Diakonischen Werks für Frankfurt am Main, Dr. Michael Frase und ergänzt: „Sie spricht Fragestellungen an, die nicht nur im Christentum immer wieder aktuell sind, man denke nur an die Diskussion um das strikte Bilderverbot im Islam“. Mit der Ausstellung wolle man keinesfalls alte Gräben wieder aufreißen, sondern sensibel machen für die bunte Geschichte der evangelischen Landeskirchen, bekräftigt Unglaube, der unter anderem in Pfarrarchiven von Gemeinden forschte und so gut wie immer Spuren aus dieser Zeit fand: „Zum Beispiel konnte man Rechnungen für schwarzen Stoff finden, mit dem die Gemeinden Altar und Taufbecken verdeckten, um dem Bilderverbot nachzukommen - oder es wurde plötzlich Weißbrot statt Oblaten eingekauft.“ Insgesamt hätten die Forschungen deutlich gemacht, wie präsent die Themen an der kirchlichen Basis gewesen seien.
Zur Ausstellung ist eine Broschüre mit allen Texten sowie weiteren Erläuterungen erschienen, die für fünf Euro erhältlich ist. Darüber hinaus bietet das Landeskirchliche Archiv Kassel auch während der Frankfurter Ausstellung Vorträge zum Thema an – zum Beispiel für Schulklassen und Konfirmandengruppen. Einrichtungen und Gemeinden, die Interesse haben, die Wanderausstellung mit 12 Informationstafeln kostenlos zu zeigen, können sich ebenfalls an das Archiv wenden.
Kontakt für Führungen und Fragen zur Ausstellung:
Landeskirchliches Archiv der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck
Peter Unglaube M. A.
Stellvertretende Archivleitung
Lessingstraße 15 A
34119 Kassel
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[Jörn Dietze]
WESER5
Wärmende Rhythmen
WESER5-Tagestreff feierte die 100. Ausgabe des Musikcafés „Socialclub“
Mit einem Grillfest hat der „Socialclub“ des WESER5 Tagestreffs im Frankfurter Bahnhofsviertel am 18. Juli seine 100. Veranstaltung gefeiert. Seit Frühjahr 2005 bietet das Musikcafé jeden Mittwoch zwischen 7 Uhr 45 und 17 Uhr einen musikalischen Themenschwerpunkt. Vater der Idee ist Gerald Hintze, Mitarbeiter im Tagestreff und Kurator der Weißfrauen Diakoniekirche, die sich ein Stockwerk über den Räumen befindet: „Ich wollte etwas für die Atmosphäre tun und etwas Kommunikatives schaffen“. Also nahm er einen Ghetto-Blaster und einige CDs und betätigte sich als Diskjockey. Mit großem Erfolg: Heute ist der „Socialclub“ ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil des Tagestreffs, in den täglich zwischen 80 und 100 Besucherinnen und Besucher kommen.
Lebenssituationen verbessern
Die meisten von ihnen sind wohnungslos und von Armut betroffen, nächtigen im Freien oder sind in Notunterkünften untergebracht. Viele leben vereinsamt und isoliert und haben sonst keine sozialen Kontakte. Im Tagestreff halten sie sich auf, essen, waschen ihre Wäsche, duschen, betreiben Körperhygiene. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führen sie an Hilfeangebote heran, die wesentlich zur Verbesserung ihrer Lebenssituation beitragen. Dazu gehören insbesondere auch die anderen Unterstützungsangebote des WESER5 Diakoniezentrums, zu dem neben dem Tagestreff eine soziale Beratungsstelle, ein Übergangswohnhaus, eine Notübernachtung sowie aufsuchende Straßensozialarbeit gehören.
Entspannen oder „Rauslassen“
Sehr aufmerksam beobachtet Diskjockey Hintze was im Raum geschieht und reagiert flexibel auf Stimmungen: „Ich muss einfühlsam sein und anhand der Atmosphäre entscheiden, ob etwas Entspannendes angesagt ist oder die Leute rauslassen wollen und ich laut aufdrehen soll.“ Dann, betont sein Kollege Matthias Roth werde auch mal getanzt, zumindest aber mitgewippt oder mit dem Finger geschnipst. Andererseits gebe es immer wieder „intensive Zuhörphasen“, wie Hintze sie nennt. „Dann spiele ich Songs mit anspruchsvollen Texten oder Stücke, die Erinnerungen hervorrufen. Oft werden die Leute ganz still“. Auch auf jahreszeitliche Besonderheiten geht Hintze mit seiner Songauswahl ein: „In der Passionszeit lege ich zum Beispiel Gospels und Spirituals auf, vor Weihnachten auch mal Hirtenmusik.“
Welt-Musik
Die Liste der musikalischen Themen indes, die in den Jahren auf dem Programm standen, liest sich wie ein Lexikon der neueren Musikgeschichte: Country, Delta Blues, Bebop, Rock oder „House of the Rising Sun“. Liebevoll gestaltete kleine Zeitungen gehören jede Woche dazu. Hier gibt Hintze Informationen zu den jeweiligen Künstlern und Songs, zur Musikrichtung sowie ihrer Einordnung in die Geschichte. Und nimmt auch mal von Besuchern verfasste Kurzgeschichten, Gedichte und Zeichnungen auf - oder Fotos, die er selbst im Urlaub gemacht hat, zum Beispiel zur Situation Wohnungsloser in Paris. Nicht selten greift er auf die umfangreiche CD-Sammlung von Tagestreff-Mitarbeiter Matthias Roth zurück. Oder nimmt dankbar Anregungen und Wünsche der Besucher auf. „Viele hier haben einen Migrationshintergrund und wünschen sich auch mal Musik aus ihrer Heimat.“ Dann scheut Hintze keine Mühe, um an die entsprechenden CDs zu gelangen. „Ich klappere Läden ab oder sehe, ob ich es über Bekannte bekommen kann.“ So stellte ihm ein polnischer Tontechniker zum Beispiel 300 Titel aus seinem Heimatland zusammen.
Es geht um Wertschätzung
Musik ist für Hintze schließlich ein ideales Medium, um Themen und Stimmungen auch zwischen verschiedenen Kulturen zu transportieren. Im Zusammenhang mit einem Song von Harry Belafonte ging es zum Beispiel um Martin Luther Kings legendäre Rede „I have a Dream – Ich habe einen Traum.“ Und bei Peter Maffays „Woran glaubst Du?“ oder Queens „Save Me“ wird dann auch lauthals mitgesungen. „Weil sich die Menschen mit den Texten identifizieren“, weiß Hintze, der auch während er als DJ in Aktion ist stets als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Alle zwei Wochen werden die Besucherinnen und Besucher des „Socialclubs“ zudem von engagierten Frauen der Evangelischen Hoffnungsgemeinde mit Canapés verpflegt. „Es geht um Wertschätzung“, betont Hintze, „wir möchten Wärme weitergeben und den Menschen durch die Rhythmen zumindest für einen Moment das Bleierne nehmen, was ihr Leben oftmals bestimmt.“
Kontakt:
WESER5 Diakoniezentrum
Weserstraße 5
60329 Frankfurt am Main
Tel: 069 / 271358-0
Fax: 069 / 271358-100
www.weser5.de
[Jörn Dietze]
Mobile Kinderkrankenpflege
"Helfen macht Spaß ..."
Kinderladen "Die Wiesenwichtel" spendet 415 Euro an die Mobile Kinderkrankenpflege des Diakonischen Werks für Frankfurt am Main
Eine Spende in Höhe von 415 Euro hat Birgit Audouard vom Nieder-Erlenbacher Kinderladen "Die Wiesenwichtel" an die Mobile Kinderkrankenpflege übergeben. Die Mobile Kinderkrankenpflege ist eine Einrichtung des Diakonischen Werks des Evangelischen Regionalverbandes. Der Betrag war am 24. Mai bei einem Fest zur Eröffnung des neuen Spielplatzes "An den Bergen" durch den Verkauf von Brezeln und Getränken zusammengekommen.
Familien-Markt
"Soziales am Bau" als Zukunftsidee
Spende an den Familienmarkt belebt alte Tradition in zeitgemäßer Form
Eine Spende in Höhe von 1.500 Euro hat die Frankfurter Innenarchitektin Susanne Leson am Dienstag an Petra Spöck und Harald Weck vom "Familienmarkt" in Bornheim übergeben. Mit der Zuwendung an das Second-Hand-Kaufhaus, so Leson, lebe eine alte Tradition in zeitgemäßer Form wieder auf: "Bis vor einigen Jahren gab es die Regelung, dass bei Neubauten fünf Prozent der Gesamtsumme in Kunst am Bau investiert werden musste. Diese Idee haben wir nun quasi unter dem Motto 'Soziales am Bau' variiert."
„Nachahmer“ willkommen
Hintergrund der Aktion ist ein Projekt, das die Innenarchitektin für die Neu-Gastronomin Tanja Linden in Königswinter verwirklichte. Das von Leson ausgestattete Restaurant „Stella del Mare“ startete nach seiner Eröffnung im Herbst letzten Jahres so erfolgreich, dass Inhaberin Linden sich in einer besonderen Form „bedanken“ wollte und ein Zehntel des Betrages der letzten Honorarrechnung an den Familienmarkt spendete. „In einem solchen Kontext soziale Zwecke zu bedenken ist gerade heute von großer Wichtigkeit, da ambitionierte Projekte mehr und mehr auf Stiftungs- und Fördergelder angewiesen sind“, freut sich Petra Spöck. „Vermittlerin“ Leson versteht die Spende daher auch als Initiative, für die sie möglichst zahlreiche „Nachahmer“ finden möchte. „Insgesamt ist viel mehr möglich, als man oftmals vermutet“, betont sie und ergänzt: „Von kreativen Ideen profitieren schließlich mehrere Seiten.“ Als Beispiel nennt sie etwa, dass Handwerksbetriebe Auszubildende für Renovierungsarbeiten in sozialen Einrichtungen zur Verfügung stellen. „Das eröffnet den Projekten neue Möglichkeiten und vermittelt gleichzeitig den jungen Menschen Praxiserfahrung“.
Gezielte Förderung für Frankfurter Familien
Ganz bewusst möchte die Innenarchitektin ihren Kunden Unterstützungsaktionen nahe bringen. Tanja Linden beriet sie daher auch bei der Auswahl des Spendenempfängers: „Den Familienmarkt kennen mein Mann und ich schon sehr lange als Einrichtung, die maßgeblich zu einer guten Kultur des Zusammenlebens in Frankfurt beiträgt, indem sie Familien gezielt fördert.“ Dies, erklärt Petra Spöck, geschehe einerseits durch die Möglichkeit, Textilen, Möbel und Hausrat zu fairen Preisen einkaufen zu können, andererseits durch Beschäftigung und Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen im Rahmen von Hartz IV-Maßnahmen in den Bereichen Verkauf, Verwaltung, Logistik und Lagerwesen. „Beispielhafte Aktionen wie die von Frau Linden und Frau Leson befördern soziale Projekte aus dem Schattendasein in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses“, resümiert die Leiterin des Familienmarktes, „sie professionalisieren die Arbeit und ermöglichen Menschen, die über wenige Mittel verfügen, mehr als nur Almosen zu empfangen.“
Kompetenter Dienstleister
Das Second-Hand-Kaufhaus in der Freiligrathstraße gibt es seit Dezember 2000. Es ist hervorgegangen aus dem Ökumenischen Kleider- und Möbeldienst und wird getragen vom Diakonischen Werk für Frankfurt am Main und vom Caritasverband Frankfurt e.V. Im Familien-Markt einkaufen können alle Inhaber eines Frankfurt-Passes, ALG II-Bescheides oder entsprechenden Berechtigungsscheines. Dazu kommen Studentinnen und Studenten mit gültigem Studentenausweis. Wie Harald Weck bekräftigt, freue sich der Familienmarkt über Kleider und Möbelspenden aus der Bevölkerung: „Gerne holen wir Spenden aus Frankfurt um Umgebung zu Hause ab. Bei Möbeln gilt dies grundsätzlich nach einer vorherigen Besichtigung.“ Außerdem stehe der Familienmarkt als kompetenter Dienstleister für Wohnungsauflösungen zur Verfügung.
Weißfrauen Diakoniekirche
Neue Gäste eröffen die Saison
Arbeiten im Innenraum und im Turm der Kirche
Am Freitag, den 25. Mai 2007 eröffnet Weißfrauen Diakoniekirche (Weser- Ecke Gutleutstraße) um 20 Uhr die Saison mit neuen Arbeiten im Innenraum und im Turm der Kirche.
Drei Wochen hat der Frankfurter Maler Ulrich Becker sein Atelier in die Weißfrauen Diakoniekirche verlegt und an einem Wandbild in der Größe von 25 x 10 Metern gearbeitet. Mit diesem großen Wandbild aktualisiert Ulrich Becker die Formen- und Farbmuster der 1956 von Architekt Neumann erbauten Weißfrauenkirche.
Im zur Zeit sehr baufälligen Betonturm der Weißfrauenkirche hat die Künstlergruppe finger den ersten Bienenstand ihrer Stadtimkerei eingerichtet. Gemeinsam mit ihren 500000 fleißigen „MitarbeiterInnen“ erforscht die Künstlergruppe finger (Florian Haas und Andreas Wolf) die Unterschiede und Gemeinsamkeiten kultureller, künstlerischer und wirtschaftlich ausgerichteter Arbeitsweisen.
Weißfrauen Diakoniekirche Frankfurt
Gerald Hintze, Kurator
Telefon 069 26497110
Müttergenesungswerk
Frau, ich sage dir: Steh auf und geh....
Landesausschuss für Müttergenesung dankt Willy Robert Pitzer
Aus Anlass einer Fachveranstaltung in der Mutter-Kind-Klinik „Talitha“ in Bad Wildungen hat sich der Landesausschuss für Müttergenesung in Hessen bei der Willy Robert Pitzer Stiftung für die intensive Förderung bedankt. Durch Zuwendungen von jährlich 100.000 Euro ermöglichte die Stiftung bisher 95 Müttern mit 151 Kindern, an einer Mutter-Kind-Kur teilnehmen. Ihre Anträge waren auch nach einem Widerspruchsverfahren von den Kassen abgelehnt worden. Seit drei Jahren unterhält die Stiftung Kooperationsverträge mit drei hessischen Häusern. Neben „Talitha“ sind das die Klinik „Werraland“ in Bad Sooden-Allendorf sowie die Mutter-Kind-Klinik „Anne Frank“ in Laubach.
Kämpfen für ein berechtigtes Anliegen
Entscheidender Impuls zur Gründung der Stiftung durch den Bad Nauheimer Architekten Willy Robert Pitzer im Jahre 2001 war die Erfahrung, dass immer mehr Anträge auf Rehabilitation durch die Kassen abgelehnt wurden, auch wenn eine solche dringend angezeigt war. „Das ist bei Mütter-Kind-Maßnahmen besonders eklatant“, betont Armin Clauss, Vorsitzender des Stiftungsvorstandes. So erhielten in der Vergangenheit durchschnittlich 40% der Antragstellerinnen in Hessen einen negativen Bescheid. Diese Frauen jedoch, weiß die stellvertretende Leiterin der Klinik „Anne Frank“, Dr. Bettina Vonderheid-Guth, seien nicht weniger bedürftig als andere: „Viele von ihnen haben keine Kraft und keine Ressourcen mehr, für ihr Anliegen zu kämpfen“. Wie Marianne Adler vom geschäftsführenden Vorstand des Landesausschusses für Müttergenesung betont, lehnten vor allem die kleinen Betriebskrankenkassen Anträge immer wieder mit völlig absurden Begründungen ab. Als Beraterin im Arbeitsbereich Müttergenesung des Diakonischen Werks für Frankfurt am Main fungiert Adler auch als Ansprechpartnerin für die Stiftung sowie betroffene Frauen.
Vielfältige und moderne Therapieformen
Anke Koch, Ehefrau des Hessischen Ministerpräsidenten und Schirmherrin der Müttergenesung in Hessen, zeigte sich „tief beeindruckt“ von der in den Kliniken geleisteten Arbeit, zu der eine Vielfalt an modernen Therapieformen gehört: Psychotherapie, Ernährungsberatung, Interaktionstherapie, Bewegung, Schmerztherapie oder ein ausführliches Beratungsangebot sind nur einige Beispiele. Ziel sei, Familien in einer belasteten Lebenssituation zu helfen, Krisen durchzustehen und dabei dennoch die Beziehung zum Kind aufrecht zu erhalten, resümiert die Leiterin von „Talitha“, Andrea Twardella. Der biblische Name ihrer Klinik stehe dafür symbolisch. Schließlich bedeute das Wort übersetzt: „Frau, ich sage dir: Steh auf und geh!“
Wie wichtig Beziehungsarbeit ist, verdeutlichte Dr. Anette Hasselmann, leitende Ärztin der Klinik „Werraland“, an einem Beispiel: „Eine depressive Mutter kann ihrem Kind nicht die nötige Anregung und Anerkennung geben, so dass dieses ihr auch nicht zeigen kann, dass es sich wohlfühlt. Und das verstärkt dann wiederum die Depression der Mutter.“ Auch aus diesem Grund seien ambulante Maßnahmen keine Alternative, denn: „Genesungsprozesse verlaufen weitaus intensiver, wenn die Frauen aus den Belastungen des Alltags herausgenommen werden und stattdessen einen Schonraum genießen.“ Für die Nachsorge allerdings habe sich das ambulante Prinzip bewährt.
Impulse für die Zukunft
Seit mit dem 1. April des Jahres die Bewilligung von Anträgen auf Mütter-Kind-Kuren durch die Kassen zur Pflichtaufgabe geworden sei, habe sich bereits einiges verändert, betont Ute Braun vom geschäftsführenden Vorstand des Landesausschusses. So sei Müttergenesung intensiver ins Blickfeld der Politik gerückt. Zudem erfahre die Arbeit der Beraterinnen der beteiligten Verbände Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Deutsches Rotes Kreuz und Diakonie nun weitaus mehr Wertschätzung durch die Kassen, weil sie im Sinne einer Clearing-Stelle „vorsortieren“ und Klarheit für die betroffenen Frauen schaffen. Dass auch die Zahl der Anträge bei einigen Kassen bereits gestiegen ist, freut Elisabeth Freifrau von Lüninck vom Trägerverein Mutter-Kind-Klinik Talitha. Sie möchte noch mehr Mütter ermutigen, Kuren zu beantragen. „Viele bekommen von ihrem Arzt immer noch gesagt, dass es keine Chance dazu gibt“. Wie Ute Braun betont, liege dies an einem Informationsdefizit, das es durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit zu beheben gelte. Welche Konsequenzen die im Zuge der Gesundheitsreform getroffene Neuregelung auf die Bewilligungsstrategien habe, bleibe abzuwarten. So bekräftigte denn auch Armin Clauss, dass es bei der Stiftungsarbeit keinesfalls darum gehe, andere aus der Verantwortung zu entlassen, sondern im Gegenteil Politiker und Entscheidungsträger auf Problemlagen aufmerksam zu machen, die dringend angegangen werden müssten: „Wir sehen uns als wichtiger Impulsgeber für die Gesellschaft“.
[Jörn Dietze]
WESER5
Ein Schlafsack macht oft den Anfang....
Die Straßensozialarbeit des Diakoniezentrums WESER5 erhält
Mit einem Betrag von 45.000 Euro unterstützt die Johanniter Cronstetten Altenhilfe e.V. (JCA) die Straßensozialarbeit des Diakoniezentrums WESER5. Einen entsprechenden Scheck übergaben die JCA-Vorstandsmitglieder Jobst-Babo Graf Harrach und Johann Gottlieb Freiherr von Süsskind-Schwendi am Mittwoch an die Einrichtung des Diakonischen Werks für Frankfurt am Main. Wie dessen Vorsitzender Dr. Michael Frase bekräftigte, seien Engagement und Bürgerbeteiligung für soziale Einrichtungen heute wichtiger denn je: „Projektorientierte Zusammenarbeit mit Partnern wie der JCA ist ein Erfolgsmodell für die Zukunft“, sagte er und betonte: „Ohne die Unterstützung aus Stiftungsgeldern und Spenden wäre die Straßensozialarbeit nicht möglich“. So versetze die JCA die Einrichtung nun in die Lage, die halbe Stelle einer Straßensozialarbeiterin für zwei Jahre zu finanzieren. Dass dies ein Startsignal für weitere Zuwendungen ist, hofft der DW-Vorsitzende, denn: „Unser Ziel ist letztendlich, eine ganze Stelle aus Spendenmitteln zu finanzieren.“
Langsam Vertrauen gewinnen
Wie bitter nötig dies in Frankfurt ist, unterstrich Graf Harrach: „Dass immer mehr alte Menschen unter den 300 bis 400 Wohnungslosen sind, die in Frankfurt unter schwierigen Verhältnissen auf der Straße leben, ist ein alarmierendes Zeichen“, betonte er. Die Unterstützung der Straßensozialarbeit schlage daher eine direkte Brücke zum JCA-Stiftungszweck „Altenbetreuung“. Bettina Bonnet bestätigte dies: „Ältere Leute haben oft besonders große Hemmungen, Unterstützungsangebote anzunehmen, da sie nicht von Fürsorge abhängig sein wollen“, erklärte die Straßensozialarbeiterin von WESER 5, „daher müssen wir sie zunächst ganz vorsichtig ansprechen, damit sie langsam Vertrauen zu uns gewinnen“. Oftmals lebten die Menschen in Abbruchhäusern, alten Garagen oder in Erdhöhlen im Stadtwald. An diesen Orten sucht Bonnet sie mit einer Kollegin aus der sozialen Beratungsstelle des Diakoniezentrums auf. Um sie zu finden, gehen die Mitarbeiterinnen auch Hinweisen aus der Bevölkerung nach.
Ein erster Schritt zu weiterer Hilfe
„Unser Ziel ist, die Menschen in weitere Hilfeangebote zu vermitteln“, betonte Renate Lutz, Leiterin des Diakoniezentrums WESER5. Dies sei in den meisten Fällen jedoch nur Schrittweise möglich: „Zunächst geht es oftmals darum, ihnen einen Schlafsack zur Verfügung zu stellen.“ Dass die Straßensozialarbeit ein Baustein im Gesamtkonzept des Diakoniezentrums WESER5 ist, zu dem außerdem ein Tagestreff, eine soziale Beratungsstelle, eine Notübernachtung sowie ein Übergangswohnhaus gehört, spielt für die Kontakte eine entscheidende Rolle: „Wenn wir einen Wohnungslosen dazu bewegen können, das niedrigschwellige Angebot unseres Tagestreffs zu nutzen, ist ein erster Schritt hin zu weiteren Hilfeleistungen getan.“ Zwischen März und Dezember letzten Jahres habe die Straßensozialarbeit zu über 100 Wohnungslosen Kontakt aufgenommen, 28 Menschen konnten die Sozialarbeiterinnen in Notunterkünfte vermitteln, 5 gar in eigenen Wohnraum.
Arbeit verdient „nachhaltige Unterstützung“
Wie Bettina Bonnet erörterte, lebten viele dieser Menschen über einen langen Zeitraum hinweg auf der Straße. Körperliche wie psychische Erkrankungen sowie Verelendung seien oftmals die Folge. Sie wieder an Hilfesysteme heranzuführen sei „sozial dringend“, betonte Johann Gottlieb Freiherr von Süsskind-Schwendi, Vorstandsvorsitzender der Johanniter Cronstetten Altenhilfe e.V., die 1979 gegründet wurde und mit Hilfe der Johanniter-Unfall-Hilfe über 80 alte Menschen betreut. Im Rahmen der Pflege ermöglicht sie persönliche Zuwendung, die über das hinaus geht, was durch Leistungskataloge abgerechnet werden kann. Die JCA hat zudem ein Seminarangebot für Menschen entwickelt, die ehrenamtlich in der Altenbetreuung tätig werden möchten. Darüber hinaus fördert sie Initiativen, die sich Betreuung und Unterstützung alter Menschen zum Ziel gesetzt haben. In diesem Kontext, so Graf Harrach, verdiene auch die Straßensozialarbeit von WESER5 nachhaltige Unterstützung.
Mobile Kinderkrankenpflege
Messer-Sozialstifung übergibt Auto an Mobile Kinderkrankenpflege
Betrag von 7.800 Euro zur Verfügung gestellt
Ein neues Fahrzeug hat die Mobile Kinderkrankenpflege am Dienstag, dem 27. Februar am Evangelischen Pflegezentrum in der Battonnstraße entgegengenommen. Ermöglicht wurde dies durch die Dr. Hans Messer Sozialstiftung, die einen Betrag von 7.800 Euro zur Verfügung stellte.
„Für uns bedeutet die Unterstützung einen guten Ansatzpunkt, gezielt etwas für Familien zu tun“, erklärte Petra Messer, die als Vertreterin der Stiftung den neuen PKW an die Leiterein der Mobilen Kinderkrankenpflege Erika Sivinski übergab. Wie Sivinski betonte, werde das neue Fahrzeug dringendst benötigt, da Mobilität die Grundlage der Arbeit bilde. Insgesamt neun examinierte Kinderkrankenschwestern seien auch an Wochenenden und Feiertagen im gesamten Frankfurter Stadtgebiet sowie in angrenzenden Gemeinden im Einsatz.
Medizinische Betreuung und persönliche Zuwendung
Die Mobile Kinderkrankenpflege ist der einzige Pflegedienst in Frankfurt am Main, der sich auf die Betreuung akut oder chronisch kranker Kinder spezialisiert hat. Seit 1979 bietet sie professionelle medizinische Betreuung und intensive persönliche Zuwendung und hilft, Klinikaufenthalte von Kindern auf eine minimale Dauer zu beschränken. „Momentan versorgen wir monatlich um die 30 Kinder, einige von ihnen nur über kurze Zeiträume, andere hingegen über Monate oder Jahre hinweg“, erklärt Sivinski und ergänzt: „Der Bedarf jedoch ist noch weitaus größer“. Zu den Leistungen des Pflegeteams gehört unter anderem die Durchführung ärztlicher Verordnungen wie Verbandswechsel oder Injektionen, Pflege nach Operationen sowie Anleitung zu Pflege und Ernährung. „Immer mehr an Stellenwert gewinnt auch die Begleitung von sterbenden Kindern und ihren Familien“, bekräftigt die Leiterin. Insgesamt seien im letzten Jahr 10 solcher Kinder durch die unter anderem im Bereich Palliativpflege geschulten Mitarbeiterinnen betreut worden.
Junge Stiftung fördert soziale Zwecke
Die Dr. Hans Messer Sozialstiftung wurde vor zwei Jahren von Ria Messer in Andenken an ihren verstorbenen Ehemann gegründet. Ein besonderer Focus der Stiftungsarbeit, so Petra Messer, liege aufgrund der kinderfreundlichen Grundeinstellung des Namensgebers auf Projekten und Angeboten für Kinder. Auch aus diesem Grund passe die Unterstützung der Mobile Kinderkrankenpflege hervorragend zum Stiftungszweck, der darin bestehe soziale Projekte zu fördern. „Ich habe viele Familien kennen gelernt, in der Kinder insgesamt nicht optimal versorgt sind, zum Beispiel aus Zeitmangel oder aufgrund von Sprachschwierigkeiten“, resümiert die Stiftungsvertreterin.
Harte Verhandlungen mit Kostenträgern
Um kranke Kinder möglichst umfassend zu betreuen arbeitet die Mobile Kinderkrankenpflege eng mit Ärzten, Krankenhäusern und Einrichtungen des Gesundheitswesens zusammen. Oberster Grundsatz ist die Achtung gegenüber Kindern - unabhängig von soziokultureller Herkunft, Religion und Weltanschauung. Neben der Stadt Frankfurt unterstützt die Cronstett- und Hynspergische Evangelische Stiftung zu Frankfurt die Einrichtung. „Die Losung lautet, möglichst kein Kind aus Kostengründen abzulehnen“, bekräftigt Sivinski. In Einzelfällen bedeute dies auch, die gesamten Kosten für die Pflege zu übernehmen, die Regel jedoch sei eine Einigung mit den Kostenträgern nach harten Verhandlungen für jedes einzelne Kind: „Was in den Leistungskatalogen der Krankenkassen steht, trifft auf die meisten von uns zu pflegenden Kinder nicht zu. Daher gilt es, die Kostenträger zusätzlich in die Pflicht zu nehmen“, weiß die Leiterin und freut sich darüber, „dass die Erfolgsquote in dieser Hinsicht mehr und mehr erhöht werden konnte“.
Einrichtung weiter auf Unterstützung angewiesen
Dennoch, betont der Geschäftsführer der Evangelischen Gesellschaft zum Betrieb von Wohn-, Alten- und Pflegeheimen gGmbH, Helmut Ulrich, finanziere sich ein Dienst wie die Mobile Kinderkrankenpflege nicht aus sich selbst heraus, denn: „Die von den Kranken- und Pflegekassen erstatten Beträge decken bei weitem nicht die Kosten.“ Daher könne die Einrichtung ihre wichtige Arbeit auch in Zukunft nur mit Unterstützung aus Stiftungsmitteln und Spenden aufrecht erhalten. So ermöglichten zum Beispiel Erlöse aus der Spendenaktion „FAZ-Leser helfen" eine Stellenausweitung, die es den Kinderkrankenschwestern nun erlaubt, auch in an Frankfurt angrenzenden Gemeinden tätig zu werden.
Kontakt:
Mobile Kinderkrankenpflege
Kohlbrandstraße 16
60385 Frankfurt am Main
Tel.: 069 / 45 20 60
Fax: 069 / 46 92 510
E-Mail: mobile.kinderkrankenpflege@t-online.de
Leitung: Erika Sivinski
Krabbelstuben
Krabbelstube "An der Segenskirche" in Griesheim
Eröffnung am 20. Februar
Das Diakonisches Werk für Frankfurt am Main des Evangelischen Regionalverbandes feierte die Eröffnung der zweiten Krabbelstube in Frankfurt-Griesheim am Dienstag, dem 20. Februar in der Krabbelstube "An der Segenskirche". Zur Eröffnung sprach unter anderem die Frankfurter Bürgermeisterin Jutta Ebeling.
Am 4. Oktober 2006 hat die Krabbelstube in den ehemaligen Räumen der Gemeinde in der Alte Falterstraße 6 ihren Betrieb aufgenommen. Insgesamt 22 Betreuungsplätze für Kinder im Alter von 4 Monaten bis zu 3 Jahren sind entstanden. Die Kinder werden in zwei Gruppen von je zwei Erzieherinnen betreut.
Die Krabbelstube arbeitet nach einem besonderen pädagogischen Konzept. Orientiert am pädagogischen Ansatz der ungarischen Kinderärztin und Pädagogin Dr. Emmi Pikler stehen persönliche Beziehungen und das Entwicklungspotential des Kindes im Mittelpunkt.
Das Diakonische Werk weitet das Betreuungsangebot für Kinder unter 3 Jahren kontinuierlich aus. So sind bereits sieben Krabbelstube in unterschiedlichen Stadtteilen entstanden.
TAMARA
Soroptimist International Club Frankfurt HELP e.V. spendet 3000 Euro an Prostituiertenhilfe
Internationale Unterstützung für TAMARA
Einen Scheck über 3000 Euro haben Vertreterinnen des Soroptimist International Clubs Frankfurt HELP e.V. an TAMARA – Beratung und Hilfe für Prostituierte übergeben. Der Leiter des Diakonischen Werks für Frankfurt am Main, Dr. Michael Frase, sowie Mitarbeiterinnen von TAMARA nahmen die Spende am Montag im Café „Alte Backstube“ entgegen. Wie die Präsidentin des Frankfurter Soroptimist International Clubs Verena von Tresckow-Bronke erklärte, engagiere sich die größte internationale Serviceorganisation berufstätiger Frauen nicht nur für Karriereförderung, sondern ebenfalls für Frauen in Notsituationen. „Mit der Unterstützung von TAMARA möchten wir einerseits gezielte Hilfe leisten und gleichzeitig ein wichtiges Thema ins öffentliche Bewusstsein rücken“, betonte die Präsidentin. Zudem stehe die Aktion beispielhaft für die Kombination von Engagement vor Ort und der internationalen Ausrichtung des Clubs. „Ein entscheidender Teil des Betrags kam bei einem Benefizkonzert im September letzten Jahres zusammen, das anlässlich eines Treffens mit befreundeten Clubs aus Frankreich und Belgien stattfand“, erörterte Vizepräsidentin Petra Wörner. Soroptimist International (SI) umfasst über 3.100 Serviceclubs mit insgesamt mehr als 91.000 Mitgliedern in 125 Staaten der Welt, im Frankfurter Club engagieren sich 36 Frauen.
Auch die Männer sensibilisieren
Dr. Michael Frase dankte für die Unterstützung, die das Zentrum für Frauen nun zum dritten Mal durch den Club erhält, und stellte die Wichtigkeit von kontinuierlicher Partnerschaft heraus: In Zeiten, in denen die Förderung durch staatliche Stellen immer weiter zurückgehe, sei privates Engagement entscheidender denn je. „Es bewirkt nicht zuletzt, dass soziale Projekte in verschiedenen Teilen der Gesellschaft intensiv wahrgenommen werden.“ Dies gelte auch für die Arbeit von TAMARA, die in Frankfurt beispielhaft sei. Verstärkt ins öffentliche Blickfeld rückte die Beratungsstelle durch ihre Mitwirkung an der Kampagne „freiersein“ anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Dabei sprachen Mitarbeiterinnen gezielt Männer auf Themen wie Umgang mit den Frauen oder Gesundheitsprävention an. „Das Konzept hat sich bewährt“, betont Monika Hoffmann, die wie ihre Kollegin Petra Weigand seit fast 20 Jahren bei TAMARA tätig ist. „Die meisten Männer sind für Gespräche offen, wenn man sie nicht moralisch unter Druck setzt“. Zudem eröffne sich über sie ein wichtiger Zugangsweg zu betroffenen Frauen. Der gespendete Betrag soll nun teilweise verwendet werden, um das Projekt weiterzuführen und auf eine noch professionellere Basis zu stellen. „Bei Messen oder großen Sportveranstaltungen wollen wir auch in Zukunft für die Thematik sensibilisieren“, bekräftigt Petra Weigand.
Realistischer Blick jenseits von Klischees
TAMARA wurde im Jahre 1986 als „Kontaktstelle für Prostituierte“ gegründet und ist heute ein Teil des Zentrums für Frauen am Alfred Brehm Platz. Getragen wird die Beratungsstelle vom Evangelischen Verein für Innere Mission und dem Diakonischen Werk für Frankfurt am Main. Drei Sozialarbeiterinnen kümmern sich um die Anliegen der ratsuchenden Frauen, der Ausstieg aus der Prostitution ist dabei über die Jahre ein zentrales Thema geblieben. Zum ganzheitlichen Angebot von TAMARA gehören außerdem Schuldnerinnenberatung, psychosoziale Begleitung, Beratung von Angehörigen und die Arbeit mit noch tätigen oder neu in die Prostitution einsteigenden Frauen. Die Beraterinnen informieren über allgemeine rechtliche und gesundheitliche Aspekte und die speziellen lokalen Bedingungen im Frankfurter Prostitutionsmilieu. Dies ermöglicht den Frauen einen realistischen Blick auf ihre Situation jenseits klischeehafter Vorstellungen.
„Runden Tisch“ wiederbeleben!
Im Blickpunkt steht zur Zeit auch die Bilanzierung des 2002 in Kraft getretenen Prostitutionsgesetzes. „Es brachte zwar einige Verbesserungen mit sich, doch bei der praktischen Umsetzung vor Ort gibt es noch vielfältige Probleme“, betont Karin Kühn, Leiterin des Zentrums für Frauen. Zwar ebne das Gesetz den Frauen endlich den Weg in die Sozialversicherungssysteme, Grundvoraussetzung für deren tatsächliche Inanspruchnahme jedoch sei ein offener und liberaler Umgang mit der Prostitutionstätigkeit. Auch vor diesem Hintergrund fordert Petra Weigand, den Runden Tisch zum Thema Prostitution wiederzubeleben. Eine solche Konferenz aus Vertretern von Hilfsprojekten, Polizei, Staatsanwaltschaft und Parteien hatte es in Frankfurt von 2000 bis 2002 anlässlich der Konflikte um „Illegale“ gegeben. „Trotz klarer Empfehlungen scheitert eine Neuauflage bisher daran, dass es keine Einigung darüber gibt, an welches Dezernat der Runde Tisch bei der Stadt angebunden werden soll“, erklärt Dr. Frase und Monika Hoffmann ergänzt, „Dabei haben wir äußerst gute Erfahrungen gemacht: Wo sonst kann intensives gegenseitiges Verständnis besser wachsen?
[Jörn Dietze]
Diakonisches Werk für Frankfurt am Main
"Diakonie mit Herz und Verstand"
Edith Ziehm erhält goldenes Kronenkreuz der Diakonie
Anlässlich ihrer Verabschiedung als Mitarbeiterin des Evangelischen Pflegezentrums wurde Edith Ziehm am Freitag mit dem goldenen Kronenkreuz der Diakonie ausgezeichnet.
Esther Gebhardt, Vorsitzende des Evangelischen Regionalverbandes Frankfurt, überreichte ihr die Ehrung, die das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland für langjährige Dienste in Kirche und Diakonie verleiht. Über 30 Jahre wirkte Ziehm als Mitarbeiterin der Diakonie in Frankfurt, zuletzt war sie als Fachberaterin für die Weiterqualifizierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Diakoniestationen gGmbH in der Battonnstraße zuständig. Darüber hinaus leitete sie das von der Stadt Frankfurt geförderte Projekt Psychosoziale Betreuungsangebote für psychisch und demenziell erkrankte Menschen und wirkte als Hygiene- und Arbeitsschutzbeauftragte.
Evangelische Krankenpflege im Wandel
Ziehms beruflicher Weg ist eng mit der Entwicklung der Evangelischen Hauskrankenpflege in Frankfurt verbunden. Als die ausgebildete Krankenschwester im Jahre 1975 ihren Dienst begann, war die Gemeindekrankenpflege noch fest in den Kirchengemeinden verankert: Jeder Gemeinde standen ein bis zwei Krankenschwestern zur Verfügung. Bereits einige Jahre später änderte sich das Bild gravierend: Die Gemeindekrankenpflege wurde neu strukturiert und regionale Diakoniestationen traten an die Stelle einer direkten Anbindung von Krankenschwestern an die Gemeinden. Im Jahre 1998 schließlich mündete die Entwicklung in die Gründung der Diakoniestationen gGmbH und des Evangelischen Pflegezentrums in der Battonnstraße 26-28. Neben stadtweiter ambulanter Krankenpflege bietet es heute auch Beratung für pflegende Angehörige und Patienten sowie Psychosoziale Betreuung für psychisch und demenziell erkrankte Menschen.
Entscheidende Impulse
Wie der Vorsitzende des Diakonischen Werks für Frankfurt am Main, Dr. Michael Frase, erörtert, habe Ziehm die Neustrukturierung aus ihrer fachlichen Perspektive durchaus kritisch betrachtet, jedoch stets konstruktiv und flexibel an der Umsetzung neuer Ideen gearbeitet. Entscheidende Impulse habe sie unter anderem bei der Entwicklung von Qualitätsstandards gesetzt. „Die Stabilität der Pflege liegt ihr am Herzen“, betont Frase und ergänzt: „durch ihre Offenheit, Kompetenz und ihre freundliche Art konnte Edith Ziehm auch in den Kirchengemeinden viele davon überzeugen, dass Veränderungen notwendig sind.“ Insgesamt stehe Ziehm, so formulierten es ehemalige Kolleginnen und Kollegen in einem musikalischen Abschiedsgruß, für eine „Diakonie mit Herz und Verstand“. In diesem Sinne setzte sie auch auf eine enge Zusammenarbeit mit anderen Wohlfahrtsverbänden oder der Stadt Frankfurt und engagierte sich in vielfältigen Gremien, wo sie aufgrund ihres Verhandlungsgeschicks und ihrer ausgleichenden Art hohe Wertschätzung genießt.
Fachgerechte Pflege auch für die Kleinsten
Ganz entscheidenden Anteil hatte Ziehm an der Gründung der Mobilen Kinderkrankenpflege des Diakonischen Werks für Frankfurt im Jahre 1979, bei der sie als eine treibende Kraft wirkte. „Durch die fachliche Anleitung unserer Mitarbeiterinnen stellte Edith Ziehm darüber hinaus sicher, dass wir von Beginn an eine fach- und situationsgerechte Kinderkrankenpflege im häuslichen Bereich leisten konnten“, betont Leiterin Erika Sivinsky. Als Vertreterin der Cronstett- und Hynspergischen Evangelischen Stiftung zu Frankfurt, die seit 21 Jahren die Mobile Kinderkrankenpflege fördert, wird Edith Ziehm in Zukunft ehrenamtlich im Beirat der Einrichtung mitwirken und der Diakonie auf diese Weise ihre Fachkompetenz auch nach der Pensionierung weiter zur Verfügung stellen.
[Jörn Dietze]
Mobile Kinderkrankenpflege
Medela Medizintechnik GmbH übergibt Scheck an Mobile Kinderkrankenpflege
Teilnehmerbeitrag einer Apotheker-Schulung in Wiesbaden kommt guten Zweck zugute
Einen Scheck in Höhe von 400 Euro übergibt Tatjana Bender von der Medela Medizintechnik GmbH&Co. Handels KG an die Leiterin der Mobilen Kinderkrankenpflege Erika Sivinski.
Der Teilnehmerbeitrag einer Apotheker-Schulung in Wiesbaden kommt traditionsgemäß einem guten Zweck zugute. Helmut Ulrich, Geschäftsführer der Wohn-Alten und Pflege gGmbH, lobt das Engagement und betont, dass kranke Kinder besondere Aufmerksamkeit und Pflege benötigen, dazu gehören professionelle medizinische Betreuung und intensive persönliche Zuwendung. Für beides steht die Mobile Kinderkrankenpflege. Sie hilft, Klinikaufenthalte auf eine minimale Dauer zu beschränken und stärkt Kinder und Eltern in ihrer besonderen Situation. Schließlich hat sich gezeigt, dass Pflege in häuslicher Umgebung den körperlichen und seelischen Zustand der kleinen Patienten entscheidend verbessert. Die Mobile Kinderkrankenpflege ist der einzige Pflegedienst in Frankfurt am Main, der sich auf die Betreuung akut oder chronisch kranker und sterbender Kinder spezialisiert hat und besteht seit 1979.
Soziale Stadt
Nachbarschaftsvermittler in der Nordweststadt erhalten Zertifikat
Das Projekt "Soziale Stadt - Neue Nachbarschaften" der Diakonie
Ein Zertifikat zum Nachbarschaftsvermittler erhielten zehn engagierte Bewohnerinnen und Bewohner aus der Nordweststadt, die in Zukunft bei Konflikten im Stadtteil vermitteln sollen. Eingesetzt werden die Nachbarschaftsvermittler vom Nachbarschaftsbüro des Diakonischen Werkes für Frankfurt am Main im Evangelischen regionalverband. Klaus Nattrodt, Ortsvorsteher im Ortsbeirat 8, und Conny von Schumann vom Nachbarschaftsbüro des Diakonischen Werkes übergeben das Zertifikat "Nachbarschaftsvermittler".
Das Projekt "Soziale Stadt - Neue Nachbarschaften" der Diakonie hat in Kooperation mit dem Mediationsteam RheinMain die Ausbildung zum "Nachbarschaftsvermittler" durchgeführt. Hausordnung, Kinderlärm, Müll im Treppenhaus, laute Musik, falsch parkende Autos: an solchen Themen entzünden sich Nachbarschaftskonflikte, die manchmal Jahre andauern und das Zusammenleben belasten. Haben sich die Fronten erst einmal verhärtet, können Beteiligte oft nicht mehr ohne Vorbehalte aufeinander zu gehen. Ziel der Ausbildung zum Nachbarschaftsvermittler ist, den Verständigungsprozess der beteiligten Konfliktparteien zu fördern, zu moderieren und eine Klärung der Streitpunkte herbeizuführen. Dabei stehen Themen wie Konflikte mit Jugendlichen im Stadtteil, multikulturelle Konflikte in der Nachbarschaft sowie Konflikte zwischen Generationen im Mittelpunkt der Ausbildung.
Pressekontakt: Conny von Schumann, Projekt "Soziale Stadt - Neue Nachbarschaften", Telefon: 069 921056653, Mobil: 0160 8205573, E-Mail: Conny.schumann@ervffm.de.
[Jörn Dietze]
























