SICHTWEISEN - Frühforderung für blinde & sehbehinderte Kinder

„Mit der Pädagogischen Frühförderung kam der Durchbruch“, sagt Stefanie L. Ihre Tochter Johanna wurde als „Frühchen“ geboren, ist stark entwicklungsverzögert und leidet unter einer Sehschwäche. „Am schlimmsten war die Unsicherheit, wie es weitergehen soll“. Dass eine Mitarbeiterin der pädagogischen Frühförderung das Mädchen zu Hause und im Kindergarten begleitete, empfindet die Mutter heute als großes Glück: „Johanna hat sich dadurch rapide weiterentwickelt“.

„Lichtblicke“ mobilisieren Kräfte

Sehbehinderte oder von Geburt an blinde Kinder fördert die pädagogische Frühförderung gezielt und professionell. Auch für mehrfachbehinderte, sehgeschädigte Kinder ist sie da. Diplom-Sozialpädagoginnen besuchen die Kinder in Wohnung oder Kindertagesstätte und schaffen eine Umgebung, welche die Seh-Entwicklung anregt und eigene Kräfte mobilisiert. Licht, starke Kontraste und Farben spielen ebenso eine entscheidende Rolle wie Gegenstände in verschiedenen Größen. Taschenlampen, leuchtendes und glitzerndes Spielmaterial oder Dias im abgedunkelten Raum sorgen für „Lichtblicke“ im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Erfahrung zeigt, dass auch Kinder mit geringen Sehfähigkeiten ein visuelles Entwicklungspotenzial besitzen.

Strategien für den Alltag

Die pädagogische Frühförderung hilft Kindern, ihre ganz eigenen Strategien zur Alltagsbewältigung zu entwickeln. Dabei orientiert sie sich an einem ganzheitlichen Menschenbild und bezieht alle Entwicklungsbereiche mit ein. Schließlich geht es um eine optimal Förderung aller Fähigkeiten des Kindes und seiner gesamten Persönlichkeit.

Schwerpunkte dabei sind:

  • visuelle Stimulation
  • Förderung der Körperwahrnehmung und Entwicklung eines Körperschemas
  • Förderung von Spielaufbau
  • Förderung von Orientierung und Mobilität
  • Förderung der Kommunikationsfähigkeit
  • Unterstützung beim Umgang mit der Sehschädigung

Für Johanna L. zum Beispiel waren die von der Frühförderung angebotenen Musiktage ein großer Gewinn: „Es zeigte sich, dass meine Tochter sehr musikalisch ist“, freut sich Vater Robert.

Eltern kompetent begleiten

Die pädagogische Frühförderung besteht seit 1982 und ist Teil des hessischen Frühfördersystems. Gesetzliche Grundlage ist die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung (Sozialgesetzbuch IX, Bundessozialhilfegesetz). Die Mitarbeiterinnen beraten und begleiten auch Eltern kompetent. Sie kooperieren eng mit anderen Stellen und Fachdisziplinen aus dem medizinischen, therapeutischen und psychologischen bereich. Auf diese Weise wird eine umfassende Förderplanung möglich.