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„Sonst wäre ich ins Abseits gestürzt...“
Der Tagestreff 17 Ost im Zentrum für Frauen der Diakonie Frankfurt ist seit über zehn Jahren ein Rettungsanker für Frauen in schwierigen Lebenslagen
Bunt und fröhlich wirken sie, die großen Figuren im Garten des Tagestreffs 17 Ost der Diakonie Frankfurt. An die berühmten „Nana-Skulpturen“ der Bildhauerin Niki de Saint Phalle erinnern sie. Doch nicht etwa eine renommierte Künstlerin hat die auffälligen Werke geschaffen, sondern Frauen, die hier in die Einrichtung am Frankfurter Alfred-Brehm-Platz kommen. Allesamt befinden sie sich in einer schwierigen Lebenslage, zum Teil sind sie wohnungslos. Aus Anlass des zehnjährigen Bestehens von 17 Ost waren Besucherinnen zudem mit einer Kamera unterwegs, fotografierten ihre Lieblingsplätze in der Stadt. Herausgekommen ist ein buntes Kaleidoskop, das viel vom oftmals schwierigen Alltag der Frauen, aber auch von deren Hoffnungen und Wünschen erzählt. „Der Tagestreff 17 Ost steht Frauen offen, die Gespräche, Kontakte, Bildungsangebote oder einfach Ruhe suchen“, betont die Leiterin des Zentrums für Frauen der Diakonie Frankfurt, Karin Kühn, „er ist ein Ort der Begegnung und Kommunikation für Frauen in unterschiedlichen Lebenssituationen, an dem sie Wertschätzung und Akzeptanz erfahren.“ Die warme Atmosphäre der künstlerisch gestalteten Räume wirkt einladend und freundlich. Ähnlich einem Café bietet 17 Ost Gelegenheit zu ungezwungenen Gesprächen mit anderen Frauen oder den Sozialarbeiterinnen. Insgesamt zwei Mitarbeiterinnen, die sich eine Stelle teilen, sind im Tagestreff für die Frauen Ansprechpartner. Finanziert wird die Einrichtung durch die Stadt Frankfurt am Main, den Landeswohlfahrtsverband Hessen und das Diakonische Werk für Frankfurt am Main. „Zudem wird der Tagestreff seit Jahren von Stiftungen und Spendern unterstützt, ohne die unsere Arbeit so nicht möglich wäre. Dafür sind wir sehr dankbar“, betont Kühn.
Wegweisendes Konzept
Heike S.* schätzt die angenehme Atmosphäre in 17 Ost. „Für jemanden der keine Arbeit hat und daher sehr viel Freizeit ist der kommunikative Teil wichtig. Und wenn ich Beratung brauche, finde ich jederzeit eine Ansprechpartnerin.“ Häufig nutzt die 53-Jährige auch den PC-Raum und entsprechende Schulungsangebote. „Ich konnte meine Computer-Kenntnisse stark verbessern. Das ist sehr wichtig für den Wiedereinstieg in den Beruf. Normale Kurse hätte ich mir aber nie leisten können.“ 17-Ost ist für sie ein „Leuchtturm“ in Frankfurt. „Ich hatte ja sonst alles verloren“. Dass die Räume ein solch schönes Ambiente haben, drücke sehr viel Wertschätzung aus. „Das unterscheidet 17 Ost von vielen anderen Einrichtungen und war für mich überraschend.“, ergänzt Birgit M.* „Einzigartig“, findet sie auch die Angebote. Zum Beispiel nutzt sie Waschmaschine, Küche und Dusche regelmäßig. „Gerade bei der Haushaltsführung hatte ich schon große Probleme“, bekennt sie.
Im April 2001 wurde der Tagestreff für Frauen eröffnet. Das Konzept, das in Ergänzung zu den bestehenden Angeboten des Zentrums für Frauen etabliert wurde, war zu dieser Zeit im Bereich der Wohnungslosenhilfe wegweisend. „Lebenslagen, die von Armut, sozialer Ausgrenzung und Wohnungslosigkeit geprägt sind, erfordern Formen individueller und gemeinschaftlicher Selbsthilfe, um aus der schwierigen persönlichen und sozialen Lage heraus neue Lebensperspektiven zu entwickeln“, erklärt Karin Kühn. Dafür brauche es Kommunikationsorte. „Die Verbindung von Sozialarbeit und Bildung gehörte von Beginn an zu den Schwerpunkten und machte bei der Eröffnung des Tagestreffs ein Alleinstellungsmerkmal aus.“ Das Konzept setzt an den individuellen und gemeinschaftlichen Selbsthilfepotenzialen der Frauen an, es stärkt die Fähigkeit zur Eigenkompetenz und Selbstorganisation und fördert gezielt Gemeinschaft. „Ein Großteil der Besucherinnen von 17 Ost lebt in Armut und ist von Wohnungslosigkeit betroffen“, ergänzt Sozialpädagogin Inge Wienert. Zu den Problemlagen gehören prekäre Armutslagen, Niedrigeinkommen, zum Teil verdeckte Wohnungslosigkeit, unzureichende Wohnverhältnisse, seelische und psychische Erkrankungen wie z.B. Messie-Syndrom, Burn-Out, Borderline, Schizophrenie, Depression, Sucht, körperliche Erkrankungen, auch als Folge von Armut und Wohnungslosigkeit, Überschuldung. „Die Frauen leiden an den Folgen von Vernachlässigung, Gewalt und Traumatisierung. Hinzu kommen Trennung, Scheidung, Arbeitslosigkeit, Inobhutnahme der Kinder durch das Jugendamt.“
Kommunikativer Schutzraum ohne Druck
Auch für Birgit M. war 17 Ost ein Rettungsanker. Aufgrund einer Krankheit konnte sie ihre freiberufliche Tätigkeit schlagartig nicht mehr ausüben. „Der Tagestreff hat mir geholfen, aus der Isolation herauszukommen.“ Die Möglichkeit, hier auch längerfristige Kontakte zu knüpfen, schätzt sie sehr: „Man kann es sich ja nicht oft leisten, in ein normales Cafe zu gehen.“ Bei 17 Ost finde sie Frauen mit ähnlichen Interessen, tausche sich über vieles aus - auch über Schwierigkeiten im Alltag. „In meinem Alter ist die Möglichkeit sehr gering, noch einmal auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Das führt auch sonst zu großen Problemen und man denkt über den Sinn des Lebens nach. Da ist es umso wichtiger, dass man weiß, wo man hingehen kann, wenn einem die Decke auf den Kopf fällt.“ Besonders bewusst werde ihr die Situation, wenn sie in die Vergangenheit zurückblicke: „Ich hatte jahrelang anderen geholfen und stand dann selbst plötzlich selbst vor dem Nichts. Ohne den Tagetreff wäre ich ins soziale Abseits gestürzt.“
„Viele Besucherinnen sind vereinsamt“, weiß Inge Wienert. Auch ältere, alleinstehende Frauen und Seniorinnen seien in zunehmendem Maße von sozialer Isolation betroffen. „Aus finanziellen Gründen sind für sie Möglichkeiten zur Teilhabe an gesellschaftlichen Aktivitäten begrenzt.“ Im gesamten Frankfurter Stadtgebiet und auch über die Stadtgrenze hinaus gibt es kein mit 17 Ost vergleichbares Hilfeangebot für Frauen, das in ein so umfassendes Gesamtkonzept integriert ist. Dabei basiert die Arbeit in 17 Ost, wie Karin Kühn erklärt, konzeptionell auf drei Schwerpunkten: „Hilfe zur Selbsthilfe – Begegnung und Kommunikation – Bildung. Alle Bereiche greifen ineinander und stehen in enger Vernetzung zu den anderen Einrichtungen und Projekten im Zentrum für Frauen. Das ist ein großer Vorteil.“ Etwa 1.100 Besucherinnen nutzten das vielfältige Angebot des Tagestreffs in den vergangenen Jahren. Während der vierstündigen Öffnungszeiten besuchen täglich bis zu 30 Frauen 17 Ost. Zudem kommen zahlreiche Frauen gezielt zu Veranstaltungen. Im Jahr sind es weit über 4.300 Kontakte, die der Tagestreff verzeichnen kann. Die hausinterne Vernetzung mit der Beratungsstelle für Frauen, TAMARA – Beratung und Hilfe für Prostituierte, Lilith – Wohnen für Frauen sowie den Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekten ermöglicht eine unkomplizierte und schnelle Vermittlung. „Professionelle Beratung und Begleitung in 17 Ost ermutigt, bietet Stabilität und Unterstützung in Überbrückungsphasen und kann Ausgangspunkt für die Einleitung weiterer Hilfe- und Unterstützung sein“, bekräftigt Karin Kühn.
Sylvia A.* hat genau das erlebt. Für die 59-jährige hat dabei die Tatsache eine große Rolle gespielt, „dass 17-Ost kein Ghetto ist, sondern Frauen in verschiedenen Lebenssituationen hierher kommen“. Karin Kühn pflichtet bei: „Es ist unser Konzept einen Raum zu bieten, in dem sich sehr verschiedene Frauen unterschiedlichster Generationen treffen, einen Schutzraum haben und durch unsere Angebote verschiedenes ausprobieren können“. Wichtig sei, dass sie keinen Druck verspürten. „In gemischt geschlechtlichen Einrichtungen sei das leider oft anders. „Weil Männer diese öffentlichen Räume dominieren, werden sie von Frauen kaum angenommen.“ 17 Ost dagegen sei sowohl atmosphärisch als auch mit seinen Kommunikations- und Begegnungsangeboten auf die Wünsche und Bedürfnisse seiner Besucherinnen ausgerichtet.“
Stärken – ermutigen – Veränderungen einleiten
Auch Nadia P.* hat Gewalterfahrungen durch Männer hinter sich. Die 39-Jährige leidet unter Depressionen, ist in ärztlicher Behandlung und zur Zeit erwerbsunfähig. „Die Krankheit hat mich total vom Weg abgebracht.“ Nachdem eine Wiedereingliederungs-Maßnahme des Arbeitsamtes ausgelaufen war, fiel sie in ein Loch. „Ich wusste nicht mehr, was ich den Tag über machen sollte.“ Dann besuchte sie Kurse bei 17-Ost, entdeckte das Malen als Hobby. „Das gibt mir sehr viel Kraft. Ich wollte schon immer einen Kurs besuchen, hatte aber nie das Geld dafür.“ Nadia S. kommt mittlerweile regelmäßig in den Tagestreff, vor allem die Kreativangebote wie Malen, Tanz und Bewegung oder Yoga reizen sie. „Sie bringen Sinn in mein momentanes Leben, in dem es sonst sehr viel Leerlauf gibt.“ Wenn sie zum Beispiel ein neues Gemälde fertiggestellt habe, tue ihr das unglaublich gut: „Ich freue mich, dass ich etwas geschafft habe, was wirklich einen Wert hat.“ In schwierigen Lebenssituationen seien solche Erfolgserlebnisse „überlebenswichtig“, pflichtet Birgit M. bei. Dies gelte auch für die Kunstwerke, die sie gemeinsam mit anderen Frauen zum zehnjährigen Bestehen von 17-Ost gestalteten. „Wir haben mitgewirkt, dass etwas so tolles entstehen konnte. Und das ohne dafür jahrelang studieren zu müssen – das ist schon toll.“, sagt Nadia P. stolz und lächelt dabei.
„Die Forderung nach bedarfsgerechten niederschwelligen Hilfeangeboten mit eigenem Schutzraum für Frauen in Not- und Krisensituationen hat bis heute nicht an Bedeutung verloren, sie ist so aktuell wie vor 10 Jahren“, weiß Karin Kühn. Für die Zukunft stünde neben der Bildung insbesondere das Thema Gesundheit im Mittelpunkt. „Die Erfolge zeigen, dass die Angebote von 17 Ost Frauen stärken, ermutigen und gezielte Veränderungen einleiten. Der interdisziplinäre Ansatz hat sich bewährt und soll ausgebaut werden.“ Einmütig wünschen sich die Frauen auch, dass die Öffnungszeiten ausgeweitet werden. Doch dazu fehlen momentan die finanziellen Mittel. „Alle Probleme, die ich im Alltag mit anderen Leuten hab, kann ich hier besprechen“, resümiert Sylvia A. „Wenn es mir schlecht geht oder ich Ideen brauche, wie ich mich verhalten kann, um aus einem Konflikt herauszukommen, suche ich bei 17 Ost das Gespräch.“ Birgit M. sieht das ganz ähnlich: „In meiner schlimmsten Zeit war ich jeden Tag hier – das hat mich über die Zeit gebracht. Die Mischung aus Kontakten, körperlicher und kreativer Arbeit war für mich lebensrettend.“
*Die Namen der betroffenen Frauen wurden redaktionell geändert.
Tag der offenen Tür im Tagestreff für Frauen 17-Ost
Einrichtung im Zentrum für Frauen der Diakonie Frankfurt feiert 10-jähriges Bestehen am 21. September 2011 /Begleitprogramm mit Fachvortrag und Fotoausstellung
Aus Anlass seines zehnjährigen Bestehens lädt der Tagestreff 17 Ost im Zentrum für Frauen der Diakonie Frankfurt am Mittwoch, dem 21. September 2011, zu einem Tag der offenen Tür ein. Zwischen 10.30 und 13 Uhr sind die Räumlichkeiten am Alfred-Brehm-Platz 17 für die Fachöffentlichkeit geöffnet. Ein Begleitprogramm startet um 11 Uhr mit einem Fachvortrag von Martina Bodenmüller zum Thema: „Möglichkeiten und Potenziale von Kunst- und Kulturprojekten mit benachteiligten Frauen“. Anschließend wird eine Fotoausstellung unter dem Motto „Meine Lieblingsplätze in Frankfurt“ eröffnet. Hierfür zogen Frauen mit einem Fotoapparat durch die Stadt, um ihre Lieblingsplätze zu fotografieren. Zu den Vormittagsveranstaltungen ist auch die Presse herzlich eingeladen.
Am Nachmittag dann haben Frauen ab 13 Uhr die Gelegenheit, in unterschiedlichen Kursen das breit gefächerte Angebot von 17 Ost kennenzulernen.
17 Ost ist eine Anlaufstelle mit Tagesaufenthalt für Frauen, die sich in schwierigen Lebenslagen befinden. Da im Tagestreff vielfältige Angebote vorhanden sind, werden Frauen mit unterschiedlichen Bedürfnissen erreicht. 17 Ost bietet Frauen einen geschützten Ort, die Möglichkeit hauswirtschaftliche Tätigkeiten zu verrichten, Informations- Bewegungs- oder Kreativveranstaltungen sowie sozialpädagogische Gespräche. Die Altersstruktur der Besucherinnen bewegt sich zwischen 18 und 90 Jahren; das durchschnittliche Alter liegt zwischen 40 und 60 Jahren. Jeweils 20 bis 30 Frauen nutzen die Räumlichkeiten während der vierstündigen Öffnungszeit dienstags bis freitags von 13 bis 17 Uhr. Im Jahr verzeichnet 17 Ost über 4.300 Kontakte.
Die Schwierigkeiten, mit denen die Frauen zu kämpfen haben, sind vielfältig: Sie sind wohnungslos, in Übergangseinrichtungen untergebracht, haben psychische Probleme, sind psychisch krank, mit Suchtmittelabhängigkeit belastet, sozial isoliert, arm, verschuldet oder durch Migrationhintergrund benachteiligt. Ziel der Arbeit im Tagestreff ist die lebenspraktische und psychische Unterstützung von Frauen in schwierigen Lebens- oder Krisensituationen, insbesondere von Frauen, die in problematischen Wohnverhältnissen leben bzw. keine Wohnung haben. Eine wichtige Zielgruppe sind zudem Frauen, die von Armut und den daraus folgenden gesellschaftlichen Ausgrenzungen betroffen sind. Im Idealfall nutzen Frauen den Tagestreff, um nach einer schwierigen Problematik oder Lebenskrise wieder Fuß fassen zu können. Er ist darauf ausgerichtet, in einer Übergangsphase Stabilität und Unterstützung zu bieten, die den Ausgangspunkt für die Einleitung eines Hilfeprozesses bildet. Die hausinterne Vernetzung im Zentrum für Frauen der Diakonie Frankfurt ist dabei von großem Vorteil.
„Endlich habe ich meinen eigenen Rhythmus gefunden...“
Projekt „Stark mit Kind“
Dank „Stark mit Kind“, einem Projekt des Zentrums für Frauen der Diakonie Frankfurt, entwickelten seit März dieses Jahres 20 alleinerziehende Frauen neue Perspektiven für ein eigenständiges Leben mit ihren Kindern.
„Ich habe mich hier gleich richtig wohlgefühlt. Jede hier hat eine andere Mentalität und dennoch gibt es ein Super-Miteinander.“ Wenn Mayra über ihre Erlebnisse aus der letzten Zeit spricht, klingt großer Lebensmut aus ihren Worten. Vor wenigen Monaten noch hätte sie sich dies nie träumen lassen. Die Mutter von zwei Kindern im Alter von 20 Monaten und 3 Jahren ist eine von 20 Frauen, die am Projekt „Stark mit Kind“ der Diakonie Frankfurt teilnimmt. Durch das Rhein-Main Jobcenter war sie im April auf das Angebot aufmerksam geworden, hatte damals weder Kindergartenplätze oder Betreuungsmöglichkeiten. „Trotzdem wollte ich gerne wieder anfangen zu arbeiten, aber in jedem Kindergarten hagelte es Absagen.“ Doch das war längst nicht das einzige Problem der 20-Jährigen: „Als ich hierher kam, hatte ich noch keinen geregelten Alltag und Ablauf. Ich habe mich gefragt: Was mach ich eigentlich mit den Kindern. Den ganzen Tag hatte ich ja nichts zu tun außer Aufräumen oder Fernsehgucken.“ Nachdem sie zu „Stark mit Kind“ gekommen sei, habe sie ihren Rhythmus gefunden. „Ich kann jetzt zum Beispiel einschätzen, wann ich die Kinder fertig machen muss. Dadurch sind die viel ausgeglichener geworden. Es gibt endlich eine feste Urzeit, wo sie aufstehen und etwas bestimmtes tun. Es ist endlich alles geregelter. Und das gibt Sicherheit.“
Den Alltag neu entdecken
Eine Entwicklung, die Kersten Eiting von „Stark mit Kind“ als typisch beschreibt: „Bevor die Frauen zum Projekt stoßen, leben sie oftmals mit ihren Kindern in den Tag hinein. Sie gehen zwar mit ihnen auf den Spielplatz, haben aber keine Kontakte, durch welche sie sich zum Beispiel über ihre Kinder austauschen können.“ Vielen falle es am Anfang auch sehr schwer, pünktlich zu erscheinen, ergänzt ihre Kollegin Corinna Nachtwey. „Das ist etwas, was wir über das ganze Jahr hinweg üben, denn eine klare Struktur im Tagesablauf ist die Basis, überhaupt eine Arbeit aufzunehmen.“
Zielgruppe von „Stark mit Kind“ sind alleinerziehende Schwangere und alleinerziehende junge Mütter mit Kindern unter drei Jahren. Drei Tage in der Woche werden sie - von Montag bis Mittwoch - über neun bis zehn Monate hinweg im Zentrum für Frauen begleitet. 14 Frauen unterschiedlichster Nationalitäten sind es momentan. „Ziel ist, Frauen nach ihren individuellen Bedürfnissen zu stärken und gemeinsam mit ihnen Perspektiven zu entwickeln.“, betont die Leiterin des Zentrums für Frauen, Karin Kühn. „Stark mit Kind“ läuft im Auftrag der Stadt Frankfurt und der Rhein-Main Jobcenter GmbH, Träger ist das Diakonische Werk für Frankfurt am Main. Angebunden ist das Projekt an das Zentrum für Frauen der Diakonie Frankfurt, das eine breite Palette an Unterstützungsangeboten bereithält. „Stark mit Kind“, erklärt Kühn, arbeite anhand verschiedener Module wie Gesundheit und Ernährung, Organisation des Alltages über psychosoziale Beratung und Erziehungsfragen oder auch Entwicklung der Ausbildungs- und Erwerbsfähigkeit. Kinderbetreuung wird angeboten. An den verschiedenen Wochentagen stehen jeweils unterschiedliche Themenbereiche auf dem Programm. „Wir arbeiten einerseits sehr individuell mit den Frauen, bieten Einzelgespräche und Begleitung an, sind aber auch in der Gruppe zusammen – das ist ein große Stärke“, bekräftigt Eiting.
... wo die eigenen Stärken liegen.
So sprechen die Frauen zum Beispiel über den Alltag mit dem Kind, seine Entwicklung oder Erziehungsfragen. Weiterhin sind Kommunikation, Kompetenztraining und Bewerbungen Thema. „Wir bieten auch einen Deutsch- und einen Rechtschreibekurs an und es geht zum Beispiel um gesunde Ernährung.“, erörtert Nachtwey. Dabei lernten die Frauen unter anderem, wie sie mit verhältnismäßig wenig Geld eine ausgewogene Mahlzeit bereiten können. Das Kochen in der geräumigen Küche sei zudem sehr wichtig, damit sich die Gruppe findet. Auch EDV ist als neues Themenfeld hinzugekommen. „Wir haben hier vier Computer und die Frauen haben nun auch die Möglichkeit, beim Evangelischen Regionalverband Fortbildungen im Hinblick auf das Office-Paket zu besuchen, wofür sie dann auch ein Zertifikat bekommen.“ Ein großer Teil der Arbeit, resümiert Eiting, besteht darin, die Rahmenbedingungen für ein selbständiges Leben mit Kind zu schaffen.
Genau das hat auch Mayra erfahren: Ihr Problem mit dem Kindergartenplatz hat sie mittlerweile gelöst. „Frau Nachtwey hat mit mir ganz Höchst abgeklappert. Und in einer Kindertagesstätte hat es dann direkt funktioniert, obwohl ich es dort vorher auch schon einmal alleine versucht hatte.“ Geholfen hat „Stark mit Kind“ der Philippinin aber auch bei der Organisation von privaten Angelegenheiten, zum Beispiel mit der Korrespondenz. Oder bei der Lösung von Problemen mit ihrem deutschen Pass. „Man ist nicht alleine. Sobald jemand hinter einem steht, läuft es bei den Behörden plötzlich ganz anders“, hat sie festgestellt und bekennt: „Ich habe jetzt viel weniger Angst davor, mich mit solchen Angelegenheiten auseinanderzusetzen.“ Auch Bewerbungen hat sie geschrieben. „Das hatte ich vorher noch nie gemacht und nun habe ich für nächstes Jahr tatsächlich einen Praktikumsplatz als Schreinerin gefunden“, freut sich die junge Frau, die eine Ausbildung als Fachverkäuferin aufgrund ihrer Schwangerschaft abgebrochen hatte.
Intensive Kooperationen
„Es ist ein enorm wichtiger Punkt, gemeinsam mit den Frauen zu entdecken, wo persönliche Ressourcen und Stärken liegen, von denen man selbst gar nichts weiß und daraus ein Berufsbild zu entwickeln. Vieles hat man oft gar nicht im Blick“, weiß Karin Kühn. Mayra pflichtet bei: „Durch einen Fragebogen mit Interessenstest haben viele Frauen hier Dinge entdeckt, von denen sie vorher nichts ahnten - zum Beispiel das Interesse an Technik.“ Wo liegen die Bedürfnisse? Welches sind realistische Ziele? – das sind bei „Stark mit Kind“ entscheidende Fragen. „Es geht insgesamt darum, sich eigene Stärken und Eigenschaften bewusst zu machen, die man dann auch beruflich nutzen kann“, bekräftigt Eiting. Dass dies nicht nur bei Mayra von Erfolg gekrönt ist, belegen die Zahlen eindrucksvoll: Bis jetzt hat nur eine Frau das Projekt abgebrochen, zwei Frauen fanden inzwischen einen Ausbildungsplatz, andere haben klare berufliche Perspektiven entwickelt, die sie im nächsten Jahr umsetzen werden: Zwei Teilnehmerinnen werden eine Teilzeitausbildung beginnen und eine Frau hat sich um ein Bildungsstipendium beworben, um den Realschulabschluss nachzuholen.
„Insgesamt arbeitet das Projekt mit den unterschiedlichsten Kooperationspartnern“ , betont Karin Kühn. So gibt es unter anderem eine Zusammenarbeit mit dem Verein zur beruflichen Förderung von Frauen, der auch Infotage durchführt. Seit Kurzem sind auch die Malteser mit im Boot. „Es war ein Wunsch der Frauen, spezielle Erste-Hilfe-Kurse für Kinder zu belegen, so dass sie in Notfällen adäquat agieren können.“ An zwei Vormittagen führten die Malteser nun erstmals einen solchen Kurs im Rahmen von „Stark mit Kind“ durch: „Es ist ein spezielles Angebot, das sich vom normalen Erste-Hilfe-Kurs unterscheidet“, erklärt Lioba Abel-Meiser, Pressesprecherin und Leiterin ehrenamtliche Sozialdienste beim Malteser Hilfsdienst e.V. – Stadtverband Frankfurt. Eine aktuelle Studie der Uni Mainz habe ergeben, dass über 90 Prozent der Deutschen nicht in der Lage seien, Erste Hilfe zu leisten, betont sie und bekräftigt so die Wichtigkeit, solche Kenntnisse regelmäßig auch aufzufrischen. Bei den Erste-Hilfe-Kursen für Kindernotfälle gehe es darüber hinaus in einem hohen Maße um Prävention: „Wie vermeide ich, dass sich ein Kind verletzt oder etwa Spülmittel aus der Flasche trinkt?“ Im Mittelpunkt stehe sehr stark die individuelle Haushaltssituation, weiß Abel-Meiser und resümiert: „Wir möchten den Frauen allgemein mehr Sicherheit geben, Notfälle einzuschätzen und zwischen vermeintlichen und echten zu unterscheiden. Gerade für Alleinerziehende, die oftmals die alleinige Verantwortung in solchen Situationen tragen, ist dies von hoher Bedeutung.“
Kontakt:
Stark mit Kind
(in den Räumlichkeiten von 17 Ost – Tagestreff für Frauen)
Alfred-Brehm-Platz 17
60316 Frankfurt am Main
Tel: 069 / 94 35 02 – 80
Fax: 069 / 94 35 02 – 52
E-Mail: stark-mit-kind@zefra.de
www.zefra.de
[ Foto: © Natalya Kozyreva_iStockphoto.com]
„Kleidung für den Job“ schafft neue Chancen
Citi und Goldman Sachs sammeln erfolgreich Berufs- und Kinderkleidung für ModeKreativwerkstatt und Familien-Markt
Ein hervorragendes Ergebnis erbrachte eine Kleidersammlung, welche die Frankfurter Büros von Citi und Goldman Sachs für die ModeKreativWerkstatt der Diakonie Frankfurt sowie den ökumenischen Familien-Markt in Frankfurt-Bornheim organisierten. Zum zweiten Mal nach 2008 sammelten die Bankhäuser unter ihrer Mitarbeiterschaft hochwertige Berufs- und Kinderkleidung. Eine Vielzahl an gut erhaltenen Kostümen, Blusen, Anzügen, Hemden Krawatten und Schuhen konnten die Leiterin des Zentrums für Frauen, Karin Kühn, sowie Monika Hoffmann von der ModeKreativWerksatt am Mittwoch hoch über den Dächern Frankfurts im 54. Stock des Messeturmes entgegennehmen.
Das richtige Outfit beim Bewerbungsgespräch trägt dazu bei, die Chancen auf einen Arbeitsplatz zu erhöhen. Deshalb können arbeitsuchende Frauen hochwertige Second-Hand-Kleidung in der ModeKreativWerkstatt zu kleinen Preisen kaufen. Wenn etwas nicht passt, wird die Kleidung kostenfrei in der Näherei der Modekreativwerkstatt nach den Wünschen der Kundin geändert. Frauen ohne Arbeit können sich ein Jahr lang in der ModeKreativWerkstatt beruflich qualifizieren, sich weiter entwickeln, Neues lernen in den Bereichen Änderungsschneiderei, Kreatives Nähen, Verkauf und Kundenberatung. Individuelle Kompetenzen und Ressourcen werden unter fachlicher Anleitung gefördert und trainiert. Das stärkt das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Gut erhaltene Kleiderspenden sind in der ModeKreativWerkstatt - einem Projekt des Zentrums für Frauen der Diakonie Frankfurt – unverzichtbar. Hier engagieren sich bereits zahlreiche Wirtschaftsunternehmen und Privatpersonen. Das Beschäftigungsprojekt unter Anleitung einer Maßschneiderin läuft in enger Kooperation mit der „Koordination und Organisation von Arbeitsgelegenheiten“ der Diakonie Frankfurt und wird durch die Rhein-Main Jobcenter GmbH und den Europäischen Sozialfonds finanziert.
Herrenkleidung wird an den Familien-Markt in Frankfurt-Bornheim weitergeleit, wo es seit einiger Zeit auch eine Abteilung für Business-Kleidung gibt. In dem vom Diakonischen Werk für Frankfurt am Main und Caritasverband Frankfurt e.V. getragenen Second-Hand-Kaufhaus können sich einkommensschwache Frankfurter Bürgerinnen und Bürger günstig einkleiden und mit Möbeln versorgen. Zum Einkauf berechtigt ist, wer über einen Frankfurt-Pass oder einen von Kirchengemeinden und Beratungsstellen ausgestellten Berechtigungsschein verfügt, ebenso Studierende mit einem gültigen Studentenausweis. Wohnsitzlose Menschen erhalten im Familien-Markt kostenlos Kleidung. Zusätzlich ist der Familien-Markt auch ein Beschäftigungs- und Qualifizierungsbetrieb für bis zu 50 Langzeitarbeitslose und 30 Jugendliche, die so die Möglichkeit haben, sich im Rahmen von Hartz-IV-Maßnahmen zu qualifizieren und einer Tätigkeit nachzugehen.
Page Personnel und Diakonie Frankfurt unterstützen Frauen beim Wiedereinstieg in die Arbeitswelt
Coachingangebot bei „ModeKreativWerkstatt“
Im Rahmen des Projektes „ModeKreativWerkstatt“ der Diakonie Frankfurt bietet das Schwesterunternehmen der Personalberatung Michael Page International den Teilnehmerinnen ein Coaching für Bewerbungen und Vorstellungsgespräche, um sie für den Wiedereinstieg in die Berufswelt optimal vorzubereiten.
In der heutigen Arbeitswelt haben geringer qualifizierte Arbeitssuchende eine immer kleinere Aussicht auf ein Beschäftigungsverhältnis. Die Initiative der Diakonie Frankfurt und Page Personnel soll nun helfen die Chancen für Frauen, die noch nicht lange auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen konnten, zu verbessern – denn gerade Frauen stehen oftmals vor großen Hürden. Die Diakonie Frankfurt bietet vor diesem Hintergrund daher seit einem Jahr das Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekt ModeKreativWerksatt an. Ein KreativTeam arbeitet dabei gespendete Business-Kleidung um, damit bedürftigen Frauen angemessene Kleidung für das Berufsleben zur Verfügung gestellt werden kann. Nachdem die Personalberatung Michael Page International die Aktion in den letzten Jahren bereits durch Kleiderspenden unterstützt hat, geht das Schwesterunternehmen Page Personnel dieses Jahr noch einen Schritt weiter.
„Über mehrere Wochen hinweg bieten wir einer Gruppe von Frauen Coachings für Vorstellungsgespräche und Bewerbungstrainings an. Die Workshops sollen den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt für die Frauen erheblich vereinfachen“, berichtet Pablo Galan, Leiter des Frankfurter Büros von Page Personnel. Neben den Basisqualifikationen wie den Grundelementen eines Lebenslaufs oder eventuellen Fragen in einem Vorstellungsgespräch soll bei den Frauen auch das Interesse an einer Weiterqualifizierung oder Ausbildung geweckt und die Ängste vor der Arbeitswelt genommen werden. „Wir wissen durch unsere tägliche Arbeit, worauf es in bestimmten Berufsfeldern in Punkto Qualifikation und Auftreten besonders ankommt. Das vermittelte Knowhow soll den Frauen daher mehr Vorteile bei der Suche nach einem Arbeitsplatz verschaffen“, so Galan weiter. Die Diakonie Frankfurt freut sich über die Chancen, die den Frauen so ermöglicht wird. „Viele Frauen haben eine bewegte, oftmals tragische Vergangenheit hinter sich, wir sind daher sehr dankbar, dass sich Page Personnel dem Schicksal der Workshop-Teilnehmerinnen annimmt und ihnen durch die Trainings den Weg in die Selbstbestimmung ein Stück ermöglicht“, erklärt Karin Kühn, Leiterin des Zentrums für Frauen der Diakonie Frankfurt.
Page Personnel (Deutschland) GmbH hat sich auf die Vermittlung von qualifizierten Fachkräften und Young Professionals sowohl für die Festanstellung als auch im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung spezialisiert. Page Personnel ist eine Sparte der Michael Page Gruppe, einem Marktführer im spezialisierten Recruitment, weltweit vertreten mit 136 Büros in 28 Ländern. Im Jahre 1994 gegründet, und seither von einer starken Weiterentwicklung geprägt, ist Page Personnel inzwischen mit fast 100 Büros in 17 Ländern vertreten.
Stark mit Kind
Ein neues Projekt im Zentrum für Frauen
Zum 01.03.2010 startet unser neues Projekt „Stark mit Kind“. Zielgruppe des Projektes sind alleinerziehende Schwangere und alleinerziehende Mütter mit Kindern unter drei Jahren. Eine Kinderbetreuung vor Ort wird mit angeboten.
Über Coach-Module und Qualifizierungsbausteine sollen Frauen eine Orientierung und Entwicklung von beruflichen Perspektiven im Kontext der Vereinbarkeit von Beruf und Familie erhalten. Die Module beinhalten die Themen „Leben mit dem Kind“, „Gesundheit“ sowie die Erarbeitung einer beruflichen Perspektive.
Interessierte Frauen können sich gerne mit Frau Eiting, unter der Rufnummer 069/943502-21 (ab März 069/943502-80), in Verbindung setzen.
ModekreativWerkstatt der Diakonie Frankfurt lädt ein zum Tag der offenen Tür am Freitag, dem 11. Dezember 2009
Qualifizierung als Schwerpunkt/ Zusätzliche Förderung durch den EU Sozialfonds
Die ModeKreativwerkstatt des Diakonischen Werkes für Frankfurt am Main hat sich vergrößert und neue Räume in der Rohrbachstraße 54 bezogen. Aus diesem Anlass lädt sie am Freitag, dem 11. Dezember von 11 bis 14 Uhr zu einem Tag der offenen Tür ein. Die ModeKreativWerkstatt ermöglicht, dass hochwertige Kleidungsstücke finanziell schlechter gestellten Menschen zugute kommen, die sie für Vorstellungsgespräche oder Behördengänge benötigen. Ein KreativTeam, das nun aus 16 Frauen besteht, die an Hartz IV-Arbeitsgelegenheiten teilnehmen, arbeitet dafür Kleidung um, die von Unternehmen und Privatpersonen für diesen Zweck gesammelt und gespendet wurde. Gefördert wird die ModeKreativWerkstatt seit September 2009 auch aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF), mit dem die EU arbeitsmarkt- und beschäftigungspolitische Maßnahmen in ihren Mitgliedstaaten unterstützt.
Die ModeKreativWerkstatt ist ein Projekt des Zentrums für Frauen in Kooperation mit der „Koordination und Organisation von Arbeitsgelegenheiten“ der Diakonie Frankfurt am Main und der Rhein-Main Jobcenter GmbH. Diese beteiligt sich nicht nur finanziell, sondern weist bei Beratungen in ihren Jobcentern gezielt auf die Möglichkeit hin, sich in der ModeKreativWerkstatt mit Kleidungsstücken zu versorgen. Die Investmentbank Goldman Sachs, das Bankhaus Citi, die KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die Royal Bank Of Scotland sowie zahlreiche Einzelspender unterstützen das Projekt ebenso durch Kleidersammlungen wie die Personalberatungsgruppe Michael Page International. Letztere bietet den Teilnehmerinnen in Zukunft auch „Bewerbungscoaching“ als begleitende Maßnahme an. Neuer Kooperationspartner ist die „Galeria Kaufhof“, die Praktikumsplätze in ihrem Frankfurter Warenhaus zur Verfügung stellt.
In der Mode KreativWerkstatt haben Frauen die Möglichkeit, sich in verschiedenen Bereichen zu qualifizieren. Neben der Arbeit an der Nähmaschine sind dies auch Verkauf, Warenannahme und Logistik. Ziel ist, den Teilnehmerinnen Basisqualifikationen für das Berufsleben zu vermitteln und Interesse an einer Weiterqualifizierung oder Ausbildung zu wecken.
Einladungsflyer
EU-Delegation besucht erweiterte ModeKreativWerkstatt der Diakonie Frankfurt am Main in neuen Räumlichkeiten
Zusätzliche Angebote durch neue Kooperationspartner/ Zahl der Frauen im KreativTeam auf 16 erhöht
Die ModeKreativwerkstatt des Diakonischen Werkes für Frankfurt am Main hat sich vergrößert und neue Räume in der Rohrbachstraße 54 bezogen. Aus insgesamt 16 Frauen besteht nun das KreativTeam, das dafür sorgt, dass bedürftige Frauen sich mit angemessener Kleidung für das Berufsleben versorgen können. Aus diesem Anlass besuchte eine Kommission der Europäischen Union (EU) das Projekt, das seit September 2009 aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert wird. Über die Arbeit des Diakonischen Werkes für Frankfurt am Main informierte sich unter anderem Manuela Geleng aus der EU-Kommission in Brüssel. In der Generaldirektion Beschäftigung, soziale Angelegenheit und Chancengleichheit ist sie zuständig für die Förderung von Deutschland, Österreich und Slowenien aus den Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF). Mit dem ESF unterstützt die EU arbeitsmarkt- und beschäftigungspolitische Maßnahmen in den EU-Mitgliedstaaten. Deutschland erhält für die Förderperiode 2007 bis 2013 insgesamt 9,38 Mrd. € ESF-Mittel. Die Hessische Landesregierung erhält aus diesem Topf rund 187 Mio. € für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen. Begleitet wurde Geleng daher von Vertreterinnen und Vertretern des Hessischen Ministeriums für Arbeit, Familie und Gesundheit und der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen, die das Projekt des Diakonischen Werkes für Frankfurt am Main zur Förderung aus dem ESF ausgewählt hatten.
Fähigkeiten ohne Druck entdecken
Der Leiter der Diakonie Frankfurt am Main, Pfarrer Dr. Michael Frase, bedankte sich für die Förderung und verwies auf den hohen Stellenwert der vielfältigen Kooperationspartner aus Wirtschaft und Gesellschaft. „Die ModeKreativWerkstatt ist ein wichtiges Scharnier zwischen verschiedenen Lebenswelten, die auf diese Weise miteinander in Kontakt kommen“, bekräftigte der Diakonie-Chef. Eine Besonderheit sei, dass der Schwerpunkt nicht nur auf Beschäftigung, sondern gezielt auf Qualifizierung liege. Weiterhin ermöglicht die ModeKreativWerkstatt, dass hochwertige Kleidungsstücke gezielt finanziell schlechter gestellten Menschen zugute kommen, die sie beispielsweise für Vorstellungsgespräche oder Behördengänge benötigen. Das KreativTeam, das für diesen Zweck gespendete Kleidung umarbeitet, besteht aus Teilnehmerinnen an Hartz IV-Arbeitsgelegenheiten. „Auch Frauen mit geringer Belastbarkeit erzielen hier Erfolge, die motivieren und zu weiteren Entwicklungsschritten ermutigen. Die 16 Teilnehmerinnen haben die Möglichkeit, Fähigkeiten und kreatives Potenzial ohne zeitlichen Druck zu entdecken und zu erlernen“, betont Karin Kühn, Leiterin des Zentrums für Frauen der Diakonie Frankfurt, an welches das Projekt angebunden ist.
Basisqualifikationen fürs Berufsleben
Ziel sei nicht zuletzt, Interesse an einer Weiterqualifizierung zu wecken oder zu motivieren, eine entsprechende Ausbildung zu beginnen. Im Laufe der Qualifizierung“, führt die Sozialarbeiterin der ModeKreativWerkstatt, Monika Hoffmann aus, bildeten sich unterschiedliche Talente heraus. „Daher bieten wir verschiedene Bereiche an, in denen sich die Frauen qualifizieren können.“ Neben der direkten Arbeit an der Nähmaschine seien dies auch Verkauf, Warenannahme und Logistik. In diesem Kontext freuen sich Hoffmann und Kühn über einen neuen Kooperationspartner. Die „Galeria Kaufhof“ hat zugesagt, Praktikumsplätze für Teilnehmerinnen der ModeKreativWerkstatt in ihrem Warenhaus an der Frankfurter Hauptwache zur Verfügung zu stellen. Das Erlernen von Basisqualifikationen für das Berufsleben wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und sozialer Kompetenz, so Hoffman, spielten eine entscheidende Rolle.
Nun auch Bewerbungscoaching
Das Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekt ModeKreativWerkstatt läuft unter Anleitung einer Maßschneiderin in enger Kooperation mit der „Koordination und Organisation von Arbeitsgelegenheiten“ der Diakonie Frankfurt am Main und der Rhein-Main Jobcenter GmbH. Diese beteiligt sich nicht nur finanziell, sondern weist bei Beratungen in ihren Jobcentern gezielt auf die Möglichkeit hin, sich in der ModeKreativWerkstatt mit Kleidungsstücken zu versorgen. Die Investmentbank Goldman Sachs, das Bankhaus Citi, die KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die Royal Bank Of Scotland sowie zahlreiche Einzelspender unterstützen das Projekt ebenso durch Kleidersammlungen wie die Personalberatungsgruppe Michael Page International. Letztere bietet den Teilnehmerinnen der ModeKreativWerkstatt in Zukunft auch „Bewerbungscoaching“ als begleitende Maßnahme an. Wie Malik Aibache, Director Marketing Communication&Web, Central & Eastern Europe, betonte, wolle man den Frauen in Workshops grundlegende Dinge vermitteln: „Coaching und Beratung sind das tägliche Business unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die auf diese Weise ganz bewusst ein Stück soziale Verantwortung in ihrer Stadt wahrnehmen.”
Frauen stärken, zusammenführen, verantwortlich handeln, bewusst leben
Zentrum für Frauen der Diakonie Frankfurt beteiligte sich am Aktionstag von Fraueneinrichtungen der Wohnungslosenhilfe
Das Hessische Netzwerk für Frauen in Wohnungsnot veranstaltete am Mittwoch, dem 4. November 2009, einen Aktionstag, an dem sich Einrichtungen in Dieburg, Frankfurt und Gießen beteiligten: die „Oase“, eine Fraueneinrichtung der Diakonie in Gießen, das Zentrum für Frauen des Diakonischen Werkes für Frankfurt am Main, der Lisbethtreff des Caritasverbands Frankfurt, die Frauenberatung des Frankfurter Vereins sowie die „Notwende“ des Vereins Horizont e.V. in Dieburg. Der Aktionstag wird gestaltet mit und für Frauen in Wohnungsnot.
Unter dem Motto „Frauen stärken, zusammenführen, verantwortlich handeln, bewusst leben“ stellten die einzelnen Einrichtungen ihre Arbeit im Bereich „Förderung sozialer Kompetenzen von benachteiligten Frauen“ vor. Bei der Arbeit mit Frauen in Wohnungsnot gewinnt der Aspekt der Prävention zunehmend an Bedeutung. Die Verhinderung von prekären Lebenslagen und die Abwendung von Wohnungsverlust stehen im Mittelpunkt. Das bedeutet für die Wohnungslosenhilfe, dass niedrigschwellige Bildungs-, Trainings- und Kulturangebote in die soziale Arbeit integriert werden müssen, vor allem tagesstrukturierende Maßnahmen werden immer wichtiger. Solche Angebote stellen oftmals eine größere Motivation dar, die bestehende Lebenssituation grundlegend zu verändern, als nur Gespräche. Ziel all dieser Maßnahmen ist es, die Frauen aus der Resignation zu holen, neuen Elan zu vermitteln und ihre Lebenssituationen zu verändern und zu verbessern.
Am Aktionstag standen im Zentrum für Frauen der Diakonie Frankfurt am Alfred-Brehm-Platz 15-17 von 11 bis 17 Uhr die unterschiedlichsten Aktionen auf dem Programm. So war im Vorfeld eine Kochgruppe von Klientinnen aus unterschiedlichen Ländern zusammengestellt worden, die für das leibliche Wohl sorgte. Eine Kunstpädagogin bot kreative Gemeinschaftsarbeiten an, zwei Bewohnerinnen von „Lilith - Wohnen für Frauen“, die Kurse im Malen belegt haben, gaben ihr Wissen an andere weiter. Abgerundet wurde das Programm durch Bewegungs- und Entspannungsangebote wie etwa Qi Gong.
Das Hessische Netzwerk für Frauen in Wohnungsnot (HNW) ist ein multidisziplinärer Zusammenschluss von Fachfrauen der Wohnungslosenhilfe, der Frauenhausarbeit, des Landesfrauenrates, der LAG kommunaler Frauenbeauftragten, der administrativen Verwaltungs- und Steuerungsebene der Kommunen und des Landes. Das HNW besteht seit 1997 und wird vom Hessischen Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit gefördert.
Ein Jahrhundert voller Tatkraft und Engagement für Frauen
Mit einer Festveranstaltung im Palais am Zoo feierte „Lilith – Wohnen für Frauen“ 100. Geburtstag
„100 Jahre Lilith sind 100 Jahre Frauengeschichte.“ Treffender als mit dem Satz von ZDF-Fernsehfrau Sybille Bassler lässt sich die bewegte Historie von „Lilith – Wohnen für Frauen“ am Frankfurter Alfred-Brehm-Platz kaum charakterisieren. Bei einer Festveranstaltung aus Anlass des Jubiläums im Frankfurter Palais am Zoo begaben sich über 200 Gäste daher mit dem Leiter des Diakonischen Werkes für Frankfurt am Main, Pfarrer Dr. Michael Frase auf eine interessante Zeitreise. „Fräulein Bertha Thomas“ stand dabei zunächst im Mittelpunkt. Die am 16. Dezember 1841 geborene Tochter eines Frankfurter Malers tat im Jahre 1903 einen richtungsweisenden Schritt: Sie trug einen erheblichen Teil dazu bei, dass der Verein für Innere Mission ein Komitee gründete, aus dem kurze Zeit später der Verein „Weibliche Stadtmission“ hervorging. Im Jahre 1909 eröffnete dieser am Frankfurter Alfred-Brehm-Platz sein Hilfeangebot „für hilfs- und ratbedürftige, ferner für gefährdete sowie für verwahrloste oder gefallene Personen weiblichen Geschlechts“ mit 20 Betten. „Damit ist Lilith eine der ersten diakonischen Aktivitäten der Evangelischen Kirche“, betonte Frase.
Nachbarschaft in Aufruhr
Vorwiegend Prostituierte waren es, die hier Zuflucht fanden, darunter zahlreiche Frauen, die vom Land in die Stadt gekommen waren, aber keine adäquate Arbeit fanden oder zu wenig verdienten. Im Jahre 1914 kam das Nebenhaus mit der Nummer 17 hinzu: Als Luisenheim diente es bis 1985 als Mädchenwohnheim. Bereits gegen den Kauf des Hauses Nr. 15 hatte die Nachbarschaft Widerspruch beim Regierungspräsidenten in Wiesbaden eingelegt. In der Begründung hieß es zum Beispiel, die Wohnungen in dieser wohlsituierten Umgebung könnten nicht mehr teuer vermieten werden. Zudem herrschte die Angst die „weiblichen verwahrlosten und gefallenen Personen weiblichen Geschlechts“, könnten einen „verderblichen Einfluss auf die heranwachsende Jugend in der Nachbarschaft“ haben. Über die Wirren des Krieges, in dessen Verlauf 1944 beide Häuser zerstört wurden und zwei Leiterinnen sowie 31 Jugendliche ums Leben kamen bis hin aktuellen Entwicklungen spannte sich der Bogen der historischen Betrachtung. An vielen Stellen wurde deutlich, wie sich die Konzepte von sozialer Arbeit und das Frauenbild der Gesellschaft immer wieder veränderten. „Nach 100 Jahren“ so Frases Resümee, „ist das Zentrum für Frauen am Alfred-Brehm-Platz nicht nur eine altehrwürdige Einrichtung mit einer großen Diakoniegeschichte, sondern auch eine zeitgemäße, sich der aktuellen Lebenssituation von Frauen in sozialen Schwierigkeiten stellende Arbeit der Evangelischen Kirche geworden.“
Aufwerten und integrieren
Auf deren Rolle als Träger ging die Vorstandsvorsitzende des Evangelischen Regionalverbandes, Pfarrerin Esther Gebhardt ein. Einerseits, betonte sie, sei die Bibel in der Vergangenheit oftmals herangezogen worden, um Ungleichbehandlung von Frauen zu rechtfertigen, andererseits habe es in der Kirche immer auch eine herrschaftskritische Tradition gegeben. Den Umgang Jesu mit den Frauen stellte Gebhardt als beispielhaft heraus: „Er stellt benachteiligte Frauen auf ihre eigenen Füße, wertet sie auf und integriert sie.“ Auch für Lilith seien dies wichtige Stichworte. „Frauen bekommen hier die Möglichkeit, ihr Leben neu zu ordnen, sich psychisch zu stabilisieren und Wege in ein selbstbestimmtes Leben zu finden.“
Wie die Leiterin des Zentrums für Frauen, Karin Kühn ausführte, stehen bei der Begleitung der Frauen Wertschätzung und Respekt im Vordergrund. Wohnungslosigkeit sei dabei eine extreme Form weiblicher Armut. „Oftmals gehen mit ihr psychosomatische und psychische Krankheiten, Suchtprobleme, Medikamentenmissbrauch, Schulden, Verwahrlosung und Beziehungsprobleme einher“, sagte Kühn. Bei „Lilith“ erhielten die Frauen einen Schutzraum, im dem sie zur Ruhe kommen können, aber auch befähigt werden, sich intensiv mit ihren Problemen auseinander zu setzen und wieder selbstbestimmt zu leben. Dazu werde mit jeder Frau ein individueller Hilfeplan aufgestellt, der unter anderem festhalte, mit welchen Schritten die unterschiedlichsten Problemlagen angegangen werden. Insgesamt, so Kühn weiter, sei Lilith mit seinen 28 Einzelzimmern und 4 Notbetten ein wichtiger Teil des Zentrums für Frauen der Diakonie Frankfurt am Main, wo jedes Jahr über 1.600 Frauen Hilfe und Beratung in Not- und Krisensituationen finden.
Zwischen Anspruch und Realität
„Lilith ist nicht etwa alt geworden, sondern steckt voller Engagement und Tatkraft“, befand auch Stadträtin Prof. Dr. Daniela Birkenfeld. Dabei meisterten die Mitarbeiterinnen „die Balance zwischen Beraten, Betreuen und Begleiten“ in hervorragender Weise. „Bei Lilith wird nicht nur an Symptomen, sondern an den Wurzeln gearbeitet“, sagte die Frankfurter Dezernentin für Soziales, Senioren, Jugend und Recht und bescheinigte der Diakonie Frankfurt eine wichtige Rolle bei der Sicherung des sozialen Friedens in der gesamten Stadt“. Dr. Peter Barkey vom Landeswohlfahrtverband Hessen dankte allen Mitarbeiterinnen für die engagierte Arbeit und lobte das „soziale Wurzelwerk“, das seit Jahrhunderten in Frankfurt arbeite.
Die aktuelle Situation von Frauen in Deutschland beleuchtete Sybille Bassler in ihrem Festvortrag. Trotz vieler gesellschaftlicher Regelungen und Maßnahmen zur Vereinbarung von Beruf und Familie, konstatierte sie, klaffe noch heute eine Lücke zwischen Anspruch und Realität, wenn es um das Thema Gleichberechtigung gehe. Beispielhaft zeigte die ZDF-Redakteurin des Frauenjournals „ML – Mona Lisa“ dies anhand der Themen „Bezahlung“ und „Bildung“ auf. „Deutschland nimmt in Europa eine traurige Spitzenposition ein“, betonte sie und verwies auf die Tatsache, dass es zahlreichen Frauen in „typisch weiblichen Berufen“ kaum möglich sei, ihre Familie zu ernähren.“ Das Armutsrisiko gerade für alleinerziehende Frauen sei hoch. Doch auch Frauen in den Chefetagen verdienten in der Regel ein Drittel weniger als ihre männlichen Kollegen, obwohl mittlerweile mehr Mädchen als Jungen das Abitur absolvierten und etwa die Hälfte der Studierenden Frauen seien.
Fernsehspot will sensibel machen
Einen besonderen Höhepunkt bildete die Präsentation eines Fernsehspots zum Thema „Obdachlose Frauen“, den die Agentur Saatchi&Saatchi im Auftrag der Diakonie Frankfurt produzierte. Voraussichtlich im Herbst 2009 wird er im RTL-Fernsehen laufen. Die Medienarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) unterstützt die Aktion, indem sie der Kirche zustehende Sendezeit für die Ausstrahlung zur Verfügung stellt. Der Senderbeauftragter des Gemeinschaftswerkes der Evangelischen Publizistik, Fritz Penserot hält es dabei für realistisch, mit dem 45-Sekunden-Clip über vier Wochen hinweg 100 Millionen Zuschauerkontakte zu erreichen. Bereits beim ersten gemeinsamen Projekt, dem „Weihnachtsmannfilm“, der im Dezember 2008 im RTL-Fernsehen gelaufen war, sei man auf diese Quote gekommen. Michael Samak, CEO bei Saatchi&Saatchi bekräftigte, auch für ein globales Unternehmen sei es wichtig, sich lokal zu engagieren. „Es ist der ausdrückliche Wunsch der Mitarbeiter, neben der alltäglichen Arbeit etwas Soziales vor Ort zu tun“. Mit dem Spot wolle man die Zuschauer für die Situation von weiblichen Obdachlosen sensibilisieren. „Bei Frauen merkt man oft nicht sofort, dass sie Hilfe benötigen“, führte Barbara Dirscherl aus. Wie die junge Frau vom Saatchi&Saatchi Kreativteam festgestellt hat, versuchten viele Frauen in Notsituationen sehr lange, ein reguläres Leben aufrechtzuerhalten, pflegten und schminkten sich weiterhin. „Man muss schon genau hinschauen, wenn man helfen möchte – und das tut die Diakonie“, befand die Agentur-Mitarbeiterin, deren Beobachtungen Karin Kühn vollends bestätigen konnte: „Nur ein kleiner Teil der Frauen zeigt ihre Not offen und sichtbar.“ Im Hinblick auf Frauen in Notsituationen, so die Leiterin des Zentrums für Frauen, müsse man daher von einer hohen Dunkelziffer ausgehen.
Modetrends für neue Perspektiven
Auch die Royal Bank Of Scotland unterstützt die ModeKreativWerkstatt im Zentrum für Frauen mit einer Sammlung hochwertiger Berufskleidung.
„Kleider machen Leute“ - das alte Sprichwort ist noch heute aktuell. Gerade auch, wenn es darum geht, sich um eine Ausbildung zu bemühen oder einen Wiedereinstig in den Beruf anzustreben. „Die ModeKreativWerkstatt sorgt dafür, dass hochwertige Kleidungsstücke gezielt finanziell schlechter gestellten Menschen zugute kommen, die sie zum Beispiel für ein Vorstellungsgespräch benötigen“, erklärt Karin Kühn, Leiterin des Zentrums für Frauen am Alfred-Brehm-Platz. Eine Idee, die Oliver Thorborg spontan gefiel: „Ich hatte viele gute Kleidungsstücke abzugeben, wollte aber auf keinen Fall, dass Putzlappen daraus werden“, so der Mitarbeiter der Royal Bank Of Scotland. Daher recherchierte er im Internet nach sinnvollen Verwendungsmöglichkeiten und stieß auf die ModeKreativWerkstatt. Thorborg schlug vor, unter den rund 400 Frankfurter Mitarbeitern des Bankhauses eine Sammlung durchzuführen. Mit großem Erfolg, wie sich vergangene Woche herausstellte. Denn Karin Kühn und Monika Hoffmann vom Zentrum für Frauen konnten sich bei einer Übergabe in der Frankfurter Niederlassung des Bankhauses für eine Vielzahl geeigneter Kleidungsstücke bedanken.
Erfolgsmodell innerhalb kürzester Zeit
Der Startschuss für die ModeKreativWerkstatt fiel im Jahre 2008. Die Investmentbank Goldman Sachs und das Bankhaus Citi waren mit der Idee an das Zentrum für Frauen herangetreten, ein aus England stammendes Konzept mit dem Titel „Dress For Success“ auch in Frankfurt umzusetzen. Das Prinzip: Firmen sammeln hochwertige Berufskleidung unter der Mitarbeiterschaft und stellen sie so gezielt Menschen zur Verfügung, die für den Beruf angemessene Kleidung benötigen, jedoch keine ausreichenden finanziellen Mittel besitzen. Auch die Personalberatungsgruppe Michael Page International sowie zahlreiche Einzelspender beteiligten sich schließlich und trugen dazu bei, dass sich die ModeKreativWerkstatt innerhalb von kürzester Zeit zu einem Erfolgsmodell entwickelte. „Wir brauchen dringend immer wieder Nachschub an hochwertiger Kleidung, denn das Angebot wird von Frauen, die Hartz IV beziehen, sehr gut genutzt“, bekräftigt Kühn. Eine entscheidende Rolle spiele die Kooperation mit den Rhein-Main Jobcentern. Sie unterstützen das Projekt nicht nur finanziell, sondern weisen unter anderem mit Flyern gezielt auf die Möglichkeit hin, sich in der ModeKretaivWerkstatt mit passgenau zugeschnittenen Kleidungsstücken zu versorgen.
Auch Männerbekleidung gefragt
Angesiedelt ist die Werkstatt im Zentrum für Frauen am Alfred-Brehm-Platz. Getragen von der Diakonie Frankfurt am Main vereint es vier qualifizierte Angebote unter einem Dach: Lilith - Wohnen für Frauen, eine Soziale Beratungsstelle, den Tagestreff 17 Ost sowie TAMARA - Beratung und Hilfe für Prostituierte. Auch über die Frankfurter Stadtgrenzen hinaus gibt es keine vergleichbare Einrichtung mit einem derart breiten Spektrum an Unterstützung für Frauen in schwierigen Lebenssituationen.„In allen Bereichen spielt das Thema der beruflichen Perspektive eine tragende Rolle“, bekräftigt Kühn. Dass bei der Sammlung auch eine ganze Menge Herrenbekleidung zusammenkam, sei ebenfalls gewollt, denn das Zentrum für Frauen kooperiere eng mit dem Ökumenischen Familienmarkt. In dem von Diakonie und Caritas gemeinsam getragen Second-Hand-Kaufhaus nämlich gibt seit kurzem eine Abteilung für Business-Kleidung: „Hier erhalten Männer in ganz ähnlicher Weise passende Kleidung für das Berufsleben.“
Den Blick für andere nicht verlieren
Dr. Ingrid Hengster, Deutschlandchefin der Royal Bank Of Scotland, zeigt sich von der Idee begeistert: „Ich finde es sehr gut, dass verschiedene ‚Welten‘ wie Banksektor und Soziale Arbeit auf diese Weise zusammenkommen.“ In einer ausdifferenzierten Gesellschaft habe schließlich jeder zahlreiche eigenen Themen, die im tagtäglich Mittelpunkt stünden. „Gerade darum ist es umso wichtiger, den anderen nicht aus dem Blick zu verlieren.“ Wie Monika Hoffmann ausführt, sei die ModeKreativWerkstatt gleichzeitig ein Beschäftigungsprojekt: „Das KreativTeam, das die Kleidung unter professioneller Anleitung einer Maßschneiderin umarbeitet, besteht aus sechs Frauen, die den Wiedereinstieg in das Berufsleben anstreben“, erklärt die Sozialarbeiterin. Im Rahmen einer Hartz IV-Arbeitsgelegenheit verpflichten sie sich, regelmäßig teilzunehmen und erhalten einen Stundensatz von 1 Euro 50. Hierbei arbeitet das Zentrum für Frauen eng mit der „Koordination und Organisation von Arbeitsgelegenheiten“ der Diakonie Frankfurt zusammen, die direkter Ansprechpartner für die Rhein-Main Jobcenter GmbH im Kontext von Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen ist. „Fördern und fordern“, laute dabei das Motto, erörtert Hoffmann und sieht in der Heranführung an den Arbeitsalltag ein entscheidendes Ziel: „Viele der Frauen standen noch nie im Berufsleben oder sind seit Jahren arbeitslos.“ Daher gehe es darum, in einer beruflichen Tagesstruktur Fuß zu fassen und Dinge wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Kommunikationsfähigkeit einzuüben.
Start in eine neue Phase
Auch die Stärkung des Selbstbewusstseins sei ein wichtiges Ziel. „Die Frauen lernen zum Beispiel, mit Kundinnen umzugehen und haben zudem die Möglichkeit, Fähigkeiten und kreatives Potenzial ohne zeitlichen Druck zu entdecken und zu erlernen." Das solle nicht zuletzt Interesse an einer Weiterqualifizierung im Bereich Textil wecken oder gar dazu motivieren, eine entsprechende Ausbildung zu beginnen. Insgesamt, freut sich Karin Kühn, starte man nun in eine neue Phase, nachdem die Zusage von den Rhein-Main-Jobcentern bestehe, die Zahl der Arbeitsgelegenheiten auf 16 zu erhöhen. „Daher suchen wir für die ModeKreativWerkstatt möglichst kurzfristig größere Räumlichkeiten.“
[Jörn Dietze]
72 Stunden: Jugendliche aus Frankfurt-Nied packen an
Firmgruppe verschönert Außengelände des Zentrums für Frauen der Diakonie Frankfurt
Kräftig anpacken hieß es drei Tage lang für 34 Jugendliche, die vom 8. bis 10. Mai das Außengelände des Zentrums für Frauen am Alfred-Brehm-Platz verschönerten. Im Rahmen der größten Sozialaktion des Bundes der Deutschen Katholiken "72 Stunden - uns schickt der Himmel" gestalteten die Jungen und Mädchen aus der Katholischen Pfarrgemeinde Frankfurt-Nied den Garten um das Gebäude neu. Ihr Motto lautete „All YOU NEED IS NIED".
Begleitet von einer Landschaftsgärtnerin pflanzten sie eifrig frisches Grün, legten Beete an, strichen Zäune, richteten Sitzgelegenheiten und Kommunikationsecken ein. Wie Gemeindereferentin Verena Nitzling erklärte, gehöre die Teilnahme am Projekt zur Vorbereitung auf die Firmung und sei sorgfältig gemeinsam geplant worden: „Unter anderem haben wir bei Unternehmen und Firmen im Stadtteil um Unterstützung angefragt und neben Pflanzen, Erde und Steinen zum Beispiel Gartentische und 30 Stühle als Spende erhalten", freut sich Nitzling. Darüber hinaus beteiligten sich auch Bäcker, Metzger, Getränkehändler und andere Geschäftsleute aus den Stadtteilen Nied und Griesheim, indem sie die Jugendlichen während der Aktion mit Speisen und Getränken versorgten.
"Eine Hand hält die andere"
Jennifer Kolodziej gefällt die Erfahrung, einmal richtig körperlich zu arbeiten: "Es ist wichtig, nicht nur herumzusitzen, sondern einander zu helfen. So etwas braucht die Gesellschaft", weiß die 17-Jährige. Melanie Gotzmann sieht das ganz ähnlich: "Zur Firmvorbereitung gehört einfach ein soziales Projekt dazu", findet die 15-Jährige und ergänzt: "Die Frauen hier sollen sich wohlfühlen und es ist schön, dass wir etwas dazu beitragen können." Auch die Gruppe, betont das Mädchen, habe von der Aktion und den intensiven Vorbereitungen profitiert: "Die Gemeinschaft ist richtig zusammengewachsen." Das gemeinsame Motto laute nun: "Eine Hand hält die andere."
Die Leiterin des Zentrums für Frauen, Karin Kühn, zeigt sich vom Engagement der Jugendlichen begeistert: "Es ist beeindruckend zu sehen, wie sich junge Menschen für andere einsetzen, die auf Unterstützung angewiesen sind. Solche Zeichen der Solidarität machen Mut. Dafür danken wir sehr herzlich." Das Zentrum für Frauen am Alfred-Brehm-Platz wird getragen von der Diakonie Frankfurt am Main und vereint vier qualifizierte Angebote unter einem Dach: Lilith - Wohnen für Frauen, eine Soziale Beratungsstelle, den Tagestreff 17 Ost sowie TAMARA - Beratung und Hilfe für Prostituierte. Auch über die Frankfurter Stadtgrenzen hinaus gibt es keine vergleichbare Einrichtung mit einem derart breiten Spektrum an Unterstützung für Frauen in schwierigen Lebenssituationen.
Engagement - Kreativität - Einfallsreichtum
Im Zuge der mit gut 100.000 Teilnehmenden äußerst erfolgreich verlaufenen Sozialaktion "72 Stunden - uns schickt der Himmel" realisierten katholische Jugendgruppen in insgesamt sieben Bundesländern und 14 Diözesen vom 7. Bis 10. Mai ein soziales, interkulturelles, ökologisches oder politisches Projekt und setzen sich so für die Anliegen von Menschen in ihren Heimatorten ein. Engagement, Kreativität und Einfallsreichtum standen dabei im Mittelpunkt, ganz gleich ob es um Computerkurse für Senioren, Spielangebote für Kinder oder die Umgestaltung von öffentlichen Plätzen ging. Unterstützt wurde die Aktion auch von öffentlich-rechtlichen Rundfunksendern wie dem "Aktionsradio HR 3", die immer wieder über den Verlauf der Aktivitäten berichteten.
[Carla Diehl]
"Kleider machen Leute" gilt nicht nur für Manager
Mit einer Sammlung von hochwertiger Berufskleidung in zwei Frankfurter Bankhäusern startete am 6. Juni die neue ModeKreativWerkstatt des Diakonischen Werks für Frankfurt am Main.
Edle Anzüge, seidene Krawatten, chice Kostüme. Was an diesem Freitagvormittag auf den Kleiderstangen im 57. Stock des Frankfurter Messeturmes hängt, würde auf den ersten Blick wohl niemand für das Ergebnis einer Kleidersammlung halten. Doch die Textilien sind "Second Hand" - gespendet von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Investmentbank "Goldman Sachs". "Die Kleidung zum Job" nennt sich ein Projekt, mit dem das Unternehmen gemeinsam mit „Citi" die neue ModeKreativWerkstatt der Frankfurter Diakonie unterstützt. „An zwei Tagen sammeln wir gezielt hochwertige Kleidung für das Berufsleben und haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ermuntert, wieder einmal ihre Kleiderschränke zu durchforsten", erklärt Janina Boyers von der "Goldman Sachs" Unternehmenskommunikation.
Individuell zugeschnitten
Angesiedelt ist die ModeKreativWerkstatt im Zentrum für Frauen am Alfred-Brehm-Platz, die Zielgruppe jedoch geht weit über die Nutzerinnen der Einrichtung hinaus. Karin Kühn, Leiterin des Zentrums, erklärt die Abläufe: „Ein ,KreativTeam' aus vier Frauen verändert unter professioneller Anleitung einer Maßschneiderin hochwertige Second-Hand-Kleidung kreativ und schneidet sie auf individuelle Bedürfnisse zu.“ Profitieren sollen Frauen und Männer, die für den Beruf angemessene Kleidung benötigen, jedoch keine ausreichenden finanziellen Mittel haben. „Auch für Vorstellungsgespräche und Vorsprachen bei Ämtern und Behörden ist das hochrelevant", so Joachim Otto, Arbeitsbereichsleiter Beschäftigung und Qualifizierung beim Diakonischen Werk für Frankfurt am Main. Das Projekt unterstütze Frauen und Männer, Selbstsicherheit zu gewinnen und motiviere sie, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. "In diesem Kontext arbeitet die ModeKreativWerkstatt begleitend zur Wiedereingliederung in das Berufsleben im Rahmen von Hartz IV- Arbeitsgelegenheiten."
Engagiertes Frauen-Netzwerk
„Die Ideen der Modekreativwerkstatt leben", sagt Heidi Markert begeistert. „Die Leute bekommen nicht irgendetwas in die Hand gedrückt, sondern werden individuell beraten und erhalten ein Kleidungsstück passgenau zugeschnitten." Die Controllerin ist Teil eines Frauen-Netzwerkes bei „Goldman Sachs", das den Kontakt zum Diakonischen Werk für Frankfurt am Main knüpfte und auch „Citi" als Partner gewinnen konnte. „Wir freuen uns, auf diese Weise den Startschuss für ein bisher einzigartiges Projekt geben zu können", bekräftigt Stephanie Kirbach, Director bei „Citi". Janina Boyers weist auf die wichtige Rolle hin, die gute Kleidung für das Selbstvertrauen spielt: „Jeder kennt das: Wenn man gut gekleidet auf die Straße geht, ist das ein ganz anderes Gefühl, als wenn man weiß, dass etwas nicht richtig sitzt." Und das habe schließlich Auswirkungen auf das gesamte Auftreten.
Breite Zielgruppe
Karin Kühn kann das bestätigen: „Kleider machen Leute - das alte Sprichwort gilt heute keinesfalls nur für Manager, sondern in vielen gesellschaftlichen Bereichen mehr denn je." So werde in fast allen beruflichen Kontexten ein gepflegtes Aussehen erwartet oder vorausgesetzt. In den vier Einrichtungen des Zentrums hat Kühn daher einen stark steigenden Bedarf festgestellt – „vor allem bei Frauen, die sich um eine Ausbildung bemühen oder einen Widereinstig in den Beruf anstreben." Doch nicht nur sie werden von dem neuen Angebot profitieren. Eine wichtige Zielgruppe, so Joachim Otto, seien die zurzeit über 200 Frauen und Männer, die durch das Diakonische Werk in gemeinnützige Arbeitsgelegenheiten in kirchlichen und diakonischen Einrichtungen vermittelt werden. „Man darf nicht vergessen, dass heute auch sehr hochqualifizierte Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Und für die Berufe, in die sie wieder einsteigen möchten, benötigen sie Kleidung, die sie mit ihren finanziellen Möglichkeiten oftmals nicht erwerben können."
Ohne Druck Fähigkeiten erproben
Insgesamt, so Otto, werde die ModeKreativWerkstatt unterschiedlichen Bedarfslagen gerecht. Denn auch das KreativTeam profitiere. „Als Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekt hilft die ModeKreativWerkstatt den Frauen beim Wiedereinstieg in das Berufsleben." Sie verpflichten sich, regelmäßig teilzunehmen und erhalten einen Stundensatz von 1 Euro 50. „Auch Frauen mit geringer Belastbarkeit sollen Erfolge erzielen, die motivieren und zu weiteren Entwicklungsschritten ermutigen", betont Karin Kühn und ergänzt: „Die Teilnehmerinnen haben die Möglichkeit, Fähigkeiten und kreatives Potenzial ohne zeitlichen Druck zu entdecken und zu erlernen." Nicht zuletzt solle dies Interesse an einer Weiterqualifizierung im Bereich Textil wecken oder gar dazu motivieren, eine entsprechende Ausbildung zu beginnen.
Hervorragende Resonanz
Mittelfristiges Ziel der Verantwortlichen ist eine Ausweitung des Projekts. So kann sich Otto zum Beispiel eine ganze Modeetage mit Farb- und Stilberatung vorstellen. Zunächst jedoch wolle man den Bedarf genau beobachten. „Wenn wir wissen, welche Kleidungsstücke besonders gefragt sind, können wir bei weiteren Sammlungen gezielt Schwerpunkte setzen", pflichtet Janina Boyers bei. Über die gute Resonanz bereits am frühen Freitagvormittag ist sie ebenso wenig verwundert wie ihre Kollegin Antje Hanisch, die den Kleiderständer gerade um einige Stücke aus ihrem Schrank bereichert: „Wenn man weiß, dass die Kleidung nicht kommerziell vermarktet oder zu Putzlappen verarbeitet wird, ist man auch mal bereit, etwas weiterzugeben, an dem Herz und Erinnerungen hängen", resümiert die „Goldman Sachs"-Stabsmitarbeiterin. Die ModeKreativWerkstatt sei schließlich ein Garant, dass ein hochwertiges Kleidungsstück gezielt dem Menschen zugute komme, der es benötige.
Foto: von links nach rechts: Heidi Markert, Controllerin Goldmann Sachs, Joachim Otto, Diakonie Frankfurt Arbeitsbereichsleiter Beschäftigung und Qualifizierung, Janina Boyers, Kommunikation Goldmann Sachs
















