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Dialog am Frankfurter Flughafen von links: Johannes Weuthen, Dezernat Pastorale Dienste Bistum Limburg, Dr. Dr. Raimar Kremer, Zentrum Seelsorge und Beratung der EKHN, Moderatorin Gesine Bonnet, Diakonieleiter Dr. Michael Frase, Michael Müller, Arbeitsdirektor und Vorstandsmitglied Fraport AG. (Foto: Fraport AG)

Flughafenbetreiber Fraport stellt kirchliche Dienste am Flughafen vor - 100 Interessierte informierten sich 

Ungewohnte Klänge mischen sich in das Klappern von Rollkoffern und die hastigen Schritte von Reisenden zwischen Terminal 1 und Fernbahnhof am Frankfurter Flughafen. Eine Opernsängerin begrüßt die Gäste des Tages der kirchlichen Dienste, den der Flughafenbetreiber Fraport kürzlich erstmals veranstaltet hat. Pfarrerinnen und Sozialarbeiter sind gekommen, um ihre Arbeit am Flughafen vorzustellen, einem Ort, der mit annähernd 81.000 Mitarbeitenden und mehr als 64 Millionen Passagieren im Jahr „ein Lebensort mit gelingenden und scheiternden Biografien ist“, wie Dr. Michael Frase, Leiter des Diakonischen Werkes für Frankfurt am Main, formuliert. 100 Interessierte aus der Airport Community, darunter Bundespolizei und Zoll, Nichtregierungsorganisationen und Firmen, hatten sich zum Tag der kirchlichen Dienste angemeldet.

Fraport sieht sich in der Verantwortung

„Vielen Flughafen-Mitarbeitern ist gar nicht klar, was die kirchlichen Einrichtungen im Einzelnen tun, deshalb haben wir den Tag der kirchlichen Dienste veranstaltet“, sagt Christian Meyer, bei Fraport im Bereich Soziales und Diversity auch für religiöse Angelegenheiten zuständig. „Fraport als Dienstleister verfolgt zwar vor allem wirtschaftliche und betriebliche Interessen, aber wir tragen auch als Unternehmen und einer der größten Arbeitgeber der Region Verantwortung für die Menschen, die hier arbeiten und für die Passagiere, die den Flughafen nutzen. Diese Verantwortung schließt auch die Erkenntnis ein, dass zur Zufriedenheit der Menschen auch das seelische Wohlbefinden nötig ist“, sagt Michael Müller, Mitglied des Vorstandes und Arbeitsdirektor der Fraport AG. Auch aus „einer ethisch-moralischen Verpflichtung heraus“ unterstütze Fraport die Arbeit der kirchlichen Dienste.

Bis zu 200 Wohnungslose halten sich pro Jahr am Flughafen auf 

Unter anderem finanziert Fraport die Stelle einer Streetworkerin des Diakonischen Werkes, die mit ihrer Kollegin am Flughafen Aufsuchende Sozialarbeit leistet. Rund 40 bis 60 Menschen leben dauerhaft am Flughafen, insgesamt 200 Obdachlose halten sich, über das Jahr gesehen auf dem Flughafen auf, erklärt Sozialarbeiterin Kristina Wessel den Zuhörenden. Auf ihren Runden durch die Flughafengebäude erkennen Wessel und ihre Kollegin Malgorzata Zambron Menschen ohne Obdach beispielsweise daran, dass sie immer wieder am selben Ort anzutreffen sind, abgenutzte Schuhe tragen oder Gepäckwagen mit Pfandflaschen schieben. Die Zusammenarbeit mit der Airport Security sei „sehr positiv, sie rufen uns auch an oder kommen vorbei, wenn sie sich Sorgen um einen Wohnungslosen machen.“ Unter den rund 200 Wohnungslosen, die sich pro Jahr immer wieder am Flughafen aufhalten, sind mehr Frauen als Männer: „Es ist warm, die Airport Security und die Polizei machen Rundgänge, hier ist es sicherer als unter einer Brücke Platte zu machen.“ 

Zwischenstation Flüchtlingsunterkunft

Flüchtlingsseelsorgerin Anke Leuthold berichtet über die Arbeit des kirchlichen Flüchtlingsdienstes am Flughafen, der vom Diakonischen Werk und vom Caritasverband Frankfurt getragen wird. Das Team leistet Asylverfahrensberatung und Seelsorge, in einer von der Bundespolizei bewachten Einrichtung in der Cargo City Süd. Es betreut Geflüchtete, die ohne gültige Papiere oder aus einem sicheren Herkunftsland per Flugzeug in Frankfurt landen, aber nicht einreisen dürfen. „Wir informieren Flüchtlinge, die aus allen Ländern der Welt hierherkommen über das Asylverfahren und über ihre Rechte und eröffnen ihnen Kommunikationsmöglichkeiten zu ihren Angehörigen, damit sie ihnen sagen können, wo sie sich befinden“, sagt Asylverfahrensberater Can Atik vom Diakonischen Werk.  

„Der Flughafen wirkt wie ein Seismograf der sozialpolitischen Themen, hier merken wir gesellschaftspolitische Veränderungen zuerst“, sagt Diakonieleiter Michael Frase. Das Diakonische Werk engagiert sich stark mit Personalstellen und gezielten kirchlichen Diensten am Frankfurter Flughafen. Dazu zählt auch die Abschiebungsbeobachtung, die in den Räumen der Bundespolizei am Flughafen arbeitet. Der kirchliche Sozialdienst für Passagiere widmet sich Reisenden, die in Frankfurt gestrandet sind. Heimkehrer aus dem Ausland sind ebenso darunter wie Geflüchtete, aber auch „herumirrende Seelen, die in Europa ein Zuhause suchen“ wie Beraterin Bettina Janotta sagt. 

Kirche am Flughafen: offen für alle

Kirche am Frankfurter Flughafen ist offen für alle, nicht nur für Kirchensteuerzahler“, sagt die neue evangelische Flughafenseelsorgerin Bettina Klünemann. Raimar Kremer vom Zentrum Seelsorge und Beratung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau nennt die Rolle der evangelischen Kirche zum Flughafen als nach Innen den Passagieren und Mitarbeitenden zugewandt, während die Kirche von außen als Teil des Forums Flughafen und Region, eine eher kritische Haltung einnehme.