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Rund 25 Ehrenamtliche üben mit den Mädchen und Jungen in der Flüchtlingsunterkunft Bonames Rechnen und Lesen, wiederholen mit ihnen den Lernstoff und beantworten Fragen zu den Hausaufgaben. (Foto: Felix Heinze)

Ehrenamtskreis Hausaufgabenbetreuung erhält Preis für Flüchtlingshilfe 2018 der Stadt Frankfurt.

Der Ehrenamtskreis Hausaufgabenbetreuung in der Flüchtlingsunterkunft Am Alten Flugplatz Bonames der Diakonie ist mit dem Preis für Flüchtlingshilfe der Stadt Frankfurt am Main ausgezeichnet worden. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert und wird am Donnerstag, 22. November im Kaisersaal des Römers von Integrationsdezernentin Sylvia Weber übergeben. „Täglich engagieren sich Tausende in unserer Stadt für ein friedliches Zusammenleben“, sagte Weber während der Bekanntgabe der Preisträger. Personen und Projekte, die Zusammenhalt ermöglichen, und dies als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstehen, würden mit der Preisverleihung gewürdigt.

Großer ehrenamtlicher Einsatz - Lesepatenschaften und Ferienprogramm

Die ehrenamtliche Hausaufgabenbetreuung für rund 70 Kinder begann zeitgleich mit der Eröffnung der Flüchtlingsunterkunft am Alten Flugplatz Bonames im Juni 2016. Rund 25 Ehrenamtliche üben mit den Mädchen und Jungen in der Flüchtlingsunterkunft Rechnen und Lesen, wiederholen mit ihnen den Lernstoff und beantworten ihre Fragen zu den Hausaufgaben. „Die meisten ehrenamtlich Engagierten sind seit Eröffnung der Unterkunft unermüdlich dabei“, sagt Sabine Kalinock, Leiterin des Arbeitsbereichs Flucht und Integration des Diakonischen Werkes. Vor allem Frauen sind es, die die Kinder jeden Tag bei den Hausaufgaben unterstützen. „Sie helfen ihnen, sich in der Schule besser zurechtzufinden und fördern ihre Teilhabemöglichkeiten“, sagt Kalinock. Kontinuierlich entwickeln die Ehrenamtlichen ihr Angebot weiter, bieten nun auch Lesepatenschaften und individuelle Unterstützung an, begleiten Eltern bei Gesprächen in der Schule und organisieren ein Ferienprogramm. 

 Jedes Kind ist willkommen - Unterstützung in Deutsch und Mathe ist besonders gefragt

Montags bis freitags, jeweils zwischen 15 und 17.30 Uhr kommen 20-30 Kinder und Jugendliche zur Hausaufgabenhilfe, bisweilen sind es auch mehr: „Der Raum wird manchmal fast überrannt, es ist nicht leicht, jedem gerecht zu werden, aber es wird kein Kind weggeschickt“, sagt Felix Heinze, Ehrenamtskoordinator in der Flüchtlingsunterkunft. Die Freiwilligen organisieren ihren Einsatz in der Hausaufgabenhilfe selbst , immer zwei oder drei sind an einem Nachmittag im Einsatz, gehen von Tisch zu Tisch, beantworten geduldig Fragen. Unter ihnen sind Studentinnen ebenso wie Menschen jenseits des Berufslebens. Besonders in Deutsch und Mathe ist ihre Unterstützung gefragt, aber auch in Französisch als 3. Fremdsprache.

Brücken bauen zu Lehrkräften und ins deutsche Schulsystem 

Rund 330 Geflüchtete, vor allem aus Syrien, Afghanistan, Irak, Iran, Pakistan und Eritrea, wohnen in der Unterkunft, in ihren Familien. Rund 180 von ihnen sind unter 18 Jahren alt. Fast alle Familien leben seit zwei bis drei Jahren in Deutschland und haben eine längere Fluchtgeschichte hinter sich, sagt Sabine Kalinock. „Einige Kinder sind lange nicht zur Schule gegangen, viele haben traumatische Erlebnisse zu verarbeiten.“ Ihre Eltern sind zum Teil Analphabeten, haben nie eine Schule besucht: „Sie heben immer wieder hervor, wie froh sie über die Hausaufgabenhilfe sind“, sagt Kalinock. Die Hausaufgabenbetreuerinnen bauen Brücken ins deutsche Schulsystem, helfen Eltern, schulische Mitteilungen zu verstehen und begleiten sie manchmal auch zu Gesprächen mit Lehrkräften.

Bindungen entstehen - Vertrauen wächst 

Über die monatelange Betreuung sind Bindungen entstanden, ist Vertrauen gewachsen. Im Austausch mit der Grundschule Kalbach entstand zudem das Projekt Lesepatinnen und –paten: Acht Ehrenamtliche besuchen ein bis zwei Mal in der Woche ein Kind, um mit ihm zu lesen, die Grundschule sagt, welche Kinder besonders von Unterstützung profitieren. Ein Grundschüler konnte auf diese Weise seine zunächst gefährdete Versetzung in die nächsthöhere Klasse doch noch erreichen.

Kontakt zu Sportvereinen und Zirkuswoche 

Auch für die Freizeit und die Ferien vermitteln die Hausaufgabenbetreuerinnen Kontakte, etwa zu Sportvereinen. Bereits zum dritten Mal unterstützten sie in den Schulferien eine „Zirkuswoche“ mit dem Kofferzirkus von Heidi Fletterer, während der die Kinder ihre akrobatischen Talente entfalten konnten.

Fremdenfeindlichkeit etwas entgegensetzen

„Die Ehrenamtlichen sind voller Elan dabei, freuen sich und genießen es, die Kinder unterstützen zu können“, sagt Ehrenamtskoordinator Felix Heinze. Zugleich können sie als Multiplikatorinnen ein realistisches Bild von geflüchteten Familien zeichnen und der zunehmenden Feindlichkeit gegenüber Fremden etwas entgegensetzen.