Menschen kommen zusammen, die sich sonst nicht begegnen

Zur Langen Nacht am Heiligen Abend in der Weißfrauen Diakoniekirche sind alle eingeladen!

Damals, in der New Yorker Süd-Bronx, war es gefährlich. Victor Starr nahm seine drei Kinder trotzdem mit zum Weihnachtsessen für Obdachlose dorthin. Inzwischen lebt der US-Amerikaner  in Frankfurt am Main. Die Tradition, Menschen ohne Obdach ein schönes Weihnachtsfest zu bereiten, setzt er fort, seit 2009 engagiert er sich bei der Langen Nacht  am Heiligen Abend des Diakonischen Werkes für Frankfurt am Main in der Weißfrauen Diakoniekirche.

Hunderte lauschen dem Weihnachtsgottesdienst 

Bereits Anfang Oktober beginnen Starr und die fünf anderen vom Organisations-Team mit der Planung, die Lange Nacht stellen sie mit 70 bis 80 Ehrenamtlichen und vielen Förderern auf die Beine. In Spitzenzeiten kamen 850 Menschen in die Diakoniekirche, lauschten dem Weihnachtsgottesdienst, aßen und tranken an langen Tischen. Weniger als 300 Gäste waren es nie.

Viele Helferinnen und Helfer

In seinem ersten Jahr in Frankfurt, noch ohne Freunde und Familie, freute sich Starr, den Heiligen Abend in der Weißfrauen Diakoniekirche als Freiwilliger mit zu feiern. „Ich kann gut organisieren, das ist der Fluglotse in mir“, sagt er lächelnd. So wie ihm geht es auch anderen Helfenden, die sich aus ganz verschiedenen Gründen engagieren. „Matt Bond vom English Theatre war schon dabei, ein Richter, ein US-amerikanischer Vizekonsul, ein Sportler von Frankfurt Galaxy, Piloten und Flugbegleiterinnen, die am Heiligen Abend in Frankfurt gestrandet waren“, erzählt Starr. Täglich rufen ihn mehrere Interessierte an, die während der Langen Nacht helfen wollen.

Tee und wärmende Suppe

„Wir sind eigentlich genug Freiwillige, ich nehme nur noch Menschen ins Team, die mehrere Sprachen sprechen oder gar nicht wissen, wo sie den Heiligen Abend verbringen sollen, und darüber sehr traurig sind“, sagt Starr, der für die Diakonie Frankfurt  die Lange Nacht organisiert. Die Helfenden arbeiten in drei Schichten,  füllen Teller mit Weihnachtsessen, schenken Gläser voll, räumen ab, bereiten später in der Nacht Tee und wärmen Suppe. Zehn bis zwölf spielen die Nacht über Schach mit Wohnungslosen, unterhalten sich auch auf Serbisch oder Rumänisch mit den Gästen. Die Türen der Diakoniekirche stehen die ganze Nacht über offen.

Zusammenkommen und Begegnungen schaffen

Von Anfang an war für Diakonieleiter Michael Frase klar: „Wir können nicht die einen Besucher des Weihnachtsgottesdienstes nach Hause verabschieden, und die anderen unter die Brücke.“ So entstand schon 2004 die Idee, alle Gottesdienstbesucher, die bleiben möchten, in der Kirche  zu beherbergen und niemanden wegzuschicken. „Für mich vollzieht sich Weihnachten punktgenau in der Langen Nacht am Heiligen Abend ganz authentisch, Menschen kommen zusammen, die sich sonst nicht begegnen.“ Michael Frase lädt nicht nur Wohnungslose, sondern alle Interessierten ein, an der Langen Nacht am Heiligen Abend teilzunehmen.

Um 17 Uhr öffnen sich die Türen

Am 24. Dezember 2018 um 17 Uhr öffnen sich die Türen der Weißfrauen Diakoniekirche an der Weserstraße/Ecke Gutleutstraße im Bahnhofsviertel. Um 18 Uhr beginnt der klassische Weihnachtsgottesdienst, die Predigt hält Dr. Gunter Volz, Pfarrer für Gesellschaftliche Verantwortung im Evangelischen Stadtdekanat, Pfarrer Michael Frase verantwortet die Liturgie. Orgel spielt Panajotis Papazoglou, aus St. Petersburg kommt Trompeter Michail Klimaszefski, um beim Weihnachtsgottesdienst zu spielen.

Um 19.30 Uhr beginnt das Weihnachtsessen

Um 19.30 Uhr beginnt an geschmückten Tafeln das Weihnachtsessen, festliche Musik erklingt um 21 Uhr, ein Film wird ab 0.30 Uhr gezeigt. Raum für Ruhe, aber auch Zeit für ein Schachspiel oder Gespräche gibt es ab 2 Uhr. Menschen ohne Obdach können in der  Kirche übernachten, sie ist die ganze Nacht über geöffnet und lädt alle ein, zu kommen, Tee zu trinken und Weihnachten zu feiern. Die Lange Nacht endet am Ersten Weihnachtstag um 8 Uhr mit einem Weihnachtsfrühstück, die Kirchentür schließt sich um 10 Uhr.

Bereicherung erleben

Für Victor Starr bedeutet das eine durchwachte Nacht, nach zwei, drei Stunden Schlaf geht er am Ersten Weihnachtsfeiertag zum Essen zu Freunden. Warum er sich seit zehn Jahren ununterbrochen engagiert? „Die Lange Nacht am Heiligen Abend gibt uns viel zurück. Sie tut uns genauso gut wie unseren Gästen, seien sie wohnungslos oder einfach nur auf der Suche nach einem Platz, um zusammen mit anderen Weihnachten zu feiern.“

Interview mit Victor Starr zur Langen Nacht am Heiligen Abend zum Download