Kirchlicher Flüchtlingsdienst am Flughafen

Auf dem Rhein-Main-Flughafen landende Flüchtlinge haben nicht selten Unsummen bezahlt, um aus ihrem Heimatland fliehen und nach Europa gelangen zu können. Sie sind oft mittellos, wenn sie in Deutschland ankommen. Der Kirchliche Flüchtlingsdienst am Flughafen ist eine Einrichtung des Evangelischen Regionalverbands und des Caritasverbandes Frankfurt. Er leistet Verfahrensberatung, Verfahrensbetreuung und Seelsorge. Flüchtlinge, die nicht über die erforderlichen Reisedokumente verfügen oder aus sogenannten sicheren Herkunftsstaaten kommen, leben im Gebäude 587 in der Cargo City Süd auf dem Flughafengelände und warten dort auf die Entscheidung über ihre Einreise, die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge trifft.

Enge Fristen bestimmen Flughafenverfahren

Seit Juli 1993 wird das Flughafenverfahren auf Flüchtlinge am Frankfurter Flughafen angewandt. Es ist von engen Fristen bestimmt und bringt für Asylsuchende entschieden mehr Nachteile mit sich als das normale Asylverfahren. Auch traumatisierte, schwangere und minderjährige Flüchtlinge müssen innerhalb kürzester Zeit das komplizierte Asylverfahren verstehen und die Anhörung beim Bundesamt bestehen, wollen sie eine Chance auf Asyl haben.

Rechtsanwälte für Traumatisierte

Drei hauptamtliche Verfahrensberater/innen, eine Flüchtlingspfarrerin und zwei ehrenamtliche Dolmetscher/innen bieten Flüchtlingen in dieser Lage eine erste Orientierung bei ihrer Ankunft an und beraten sie über das Asylverfahren. Sie schalten Rechtsanwälte für Traumatisierte und unbegleitete Minderjährige ein, kontaktieren in Deutschland lebende Verwandte, konsultieren Kirchen und Flüchtlingsorganisationen wie Pro Asyl. . Der Kirchliche Flüchtlingsdienst begleitet und betreut die Asylsuchenden bis zum Verlassen der Einrichtung, leistet Seelsorge, feiert Gottesdienste.und informiert Kirchengemeinden, Verbände und interessierte Gruppen über die Situation von Flüchtlingen auf dem Frankfurter Flughafen. Eine Psychologin des Evangelischen Beratungs- und Therapiezentrums für Flüchtlinge führt bei Bedarf psychologische Gespräche und verfasst psychologische Stellungnahmen.

Aktuelle Infos

Im Jahr 2015 hat der KFD 1689 Flüchtlinge beraten und begleitet, 841 Männer, 436 Frauen und 412 Kinder, darunter 35 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Die meisten Asylsuchenden kamen aus Syrien (531), Albanien (326), Iran (110), Afghanistan (84) und Irak (58).

Im Jahr 2016 sind bisher 239 Asylsuchende angekommen (Stand 30.05.16). Bei Herkunftsländern ist eine ähnliche Tendenz zu beobachten wie 2015 bis auf die albanischen Asylsuchenden, die, aufgrund der Aufnahme Albaniens in die Liste der sogenannten „sicheren Herkunftsstaaten“, kaum noch kommen.

Themen, die den KFD in diesem Jahr besonders beschäftigen sind, der Umgang mit psychisch besonders belasteten Flüchtlingen, die Situation von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen im Flughafenverfahren, sowie die, im Verhältnis auffallend hohe Ablehnungsquote der Asylanträge aus Sub-Sahara Afrika.