Vielfalt stärken - Vielfalt leben
Inklusion von Anfang an

Frankfurter Modellprojekt in 20 Krabbelstuben fördert erstmals das gemeinsame Spielen und Lernen von Kindern unter drei Jahren mit und ohne Behinderung. Das Projekt, ein Meilenstein auf dem Weg zur Inklusion, erhält eine Weiterförderung der Stadt Frankfurt für das Jahr 2019.

Vor drei Jahren startete das Diakonische Werk sein erfolgreiches Modellprojekt „Vielfalt stärken – Vielfalt leben“ mit Unterstützung der „Aktion Mensch“ und in enger Kooperation mit dem Jugend- und Sozialamt sowie dem Stadtschulamt Frankfurt. 21 Eltern meldeten ihre Kinder an. 20 Kitas sammelten seitdem erstmals Erfahrungen mit der Inklusion unter Dreijähriger. „Je früher Inklusion beginnt, desto selbstverständlicher wird das Miteinander für Kinder mit und ohne Behinderung“, betont Michael Frase, Leiter des Diakonischen Werkes für Frankfurt. „Nachdem Inklusion für Drei- bis Sechsjährige im Kindergarten etabliert ist, muss sie auch in Krippen und Krabbelstuben fortgesetzt werden.“

Erfolgreiches Modellprojekt wird fortgesetzt

Da die Förderung des Modellprojektes durch die Aktion Mensch im August 2018 endete und ein neuer Förderantrag im Rahmen des Bundesteilhabegesetzes erst 2020 gestellt werden kann, wurde dringend eine Weiterförderung benötigt. Am 16. Juli 2018 erhielt das Projekt durch Brigitte Henzel, Leiterin des Jugend- und Sozialamtes und Ute Sauer, Leiterin des Stadtschulamtes, die Zusage der Stadt Frankfurt zur Weiterförderung für das Jahr 2019. „Ich bin sehr froh, dass wir eine Zwischenfinanzierung erhalten, damit wir das Projekt weiterführen können und nicht 2020 wieder von vorne anfangen müssen“, sagt Rita Boller, Leiterin der Frühförderung Mobil der Diakonie. Auch die Kindereinrichtungen sind nach den Erfahrungen im Modellprojekt überzeugt: alle 20 Kitas, die erstmals ein Kind unter drei Jahren mit Behinderung aufnahmen, möchten die Inklusion fortsetzen, und weiterhin Plätze anbieten. 

Die Nachfrage nach Krabbelstuben für Kinder mit besonderem Förderbedarf ist groß

Dass der Bedarf nach inklusiven Krabbelstuben groß ist, zeigen die Zahlen: 2016 gab es insgesamt 8771 Krabbelstubenplätze, davon waren 43 für Kinder mit Behinderung vorgesehen. Von den 24.342 Kindern unter drei Jahren in Frankfurt gab es insgesamt 365 Kinder mit Förderbedarf. Das gemeinsame Spielen und Lernen für Babys und Kleinkinder mit Beeinträchtigungen stellt somit immer noch eine Ausnahme dar. Auch viele Eltern wünschen sich mehr Plätze für ihre Kleinkinder mit Behinderungen. „Langfristig müssen alle Krabbelstuben einen bedarfsgerechten Zugang für Kinder mit Behinderung schaffen, das schreibt das neue Bundesteilhabegesetz vor“, sagt Rita Boller. Sie hatte das hessenweit einmalige Leuchtturmprojekt federführend konzipiert und betreut.

Weiterbildung im Beruf und via Lernplattform

Neben Kitas der Diakonie nahmen unter anderem Einrichtungen der Caritas und der Jüdischen Gemeinde, Johanniter, ASB, Stadt Frankfurt sowie weitere Träger erstmals Kinder mit Behinderungen unter drei Jahren auf. Sie hospitierten, tauschten Erfahrungen aus, vernetzten sich auf einer eigens geschaffenen Lernplattform und qualifizierten sich so im Alltag und auf drei Fachtagungen berufsbegleitend weiter. „Wir lernten viel von der Frühförderung“, sagt Erzieherin Laura Behnke. Projektkoordinatorin Lisa-Marie Alfano, die bei der Frühförderung Mobil der Diakonie arbeitet, besuchte die Kitas regelmäßig, hospitierte in den Kindergruppen und beriet bei fachlichen Fragen. Die Mitarbeiterinnen der Kitas wurden so persönlich und über das Blended Learning via Lernplattform unterstützt, ein pädagogisches Konzept für die Inklusion unter Dreijähriger zu schreiben.

Aktion Mensch machte Modellprojekt erst möglich

Das Frankfurter Modellprojekt „Vielfalt stärken -Vielfalt leben“ wurde in den ersten drei Jahren von der Aktion Mensch gefördert. So konnten deutlich mehr Frankfurter Familien mit kleinen Kindern, die beeinträchtigt sind, einen Krabbelstubenplatz erhalten. Vorbilder gab es weder in anderen hessischen Städten noch im Bund, sagt Projektleiterin Rita Boller. Die Diakonie engagiert sich nicht nur wegen der geringen Zahl an Krabbelstubenplätzen für Kinder mit Beeinträchtigungen. Sie bezieht sich auch auf eine Studie der Universität Bremen. Diese zeigt auf, wie sehr sich der Erfolg der Eingliederungshilfen der Frühförderung erhöht, wenn ganz kleine Kinder eine Krabbelstube besuchen. 

Diakonie unterstützt bei der Frühförderung

Die Frühförderung Mobil der Diakonie und die anderen fünf Frühförderstellen in Frankfurt beraten und unterstützen Familien, in denen Kinder mit Behinderung leben, von der Geburt an. „Manchen Eltern fällt es schwer, nachdem sie ein Jahr voller Diagnostik hinter sich haben, den Kopf frei zu bekommen und an ihren beruflichen Wiedereinstieg zu denken“, weiß Rita Boller. Für die Kinder mit und ohne Behinderung wiederum „war das gemeinsame Spielen und Lernen total selbstverständlich“. Mit einem Fachtag im Juni 2018 mit 180 Teilnehmenden schlossen die ersten drei Jahre des Modellprojektes ab. 

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